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Unser America

Unser America

Dokumentation. Deutschland, Schweiz 2005. 84 Minuten.

Regie: Kristina Konrad

Fast zwanzig Jahre, nachdem sie Nicaragua verlassen hat, kehrt Kristina Konrad in das krisengeschüttelte, mittelamerikanische Land zurück und versucht zu erfassen, was Revolution, Bürgerkrieg und Neoliberalismus angerichtet haben.

Filmstart: 15. September 2006

Mehr als vierzig Jahre lang wurde das kleine, mittelamerikanische Land Nicaragua von der Somoza-Dynastie diktatorisch regiert. Korruption, Machtmissbrauch und die persönliche Bereicherung der Machthaber standen an der Tagesordnung. Nach zweijährigem Bürgerkrieg gelang den Sandinisten im Juli 1979 Somozas Sturz, die Nicaraguanische Revolution war vorerst erfolgreich. Jedoch zählte man 50.000 Tote, die Staatskasse war leer, die spärliche Infrastruktur des Landes größtenteils zerstört. Mit ehrgeizigen Reformen wurde der Wiederaufbau in Angriff genommen: dank der Agrarreform erhielten Bauern und Kooperativen eigenes Land, Bildungsprogramme konnten die Analphabetenrate drastisch senken, Gesundheitssystem und Wohnbau hatten oberste Priorität, die Entwicklung der Frauenrechte wurde vorangetrieben. Den USA war die Revolution von Beginn an ein Dorn im Auge. 1980 begann unter Ronald Reagan der massiv von den USA finanzierte und über das nördliche Nachbarland Honduras geführte Contra-Krieg, der den Sturz der "kommunistischen" Sandinisten zum Ziel hatte. Zahlreiche Terrorakte der "Freiheitskämpfer" im Auftrag der USA sollten die Bevölkerung verunsichern, ein totales Handelsembargo der USA schwächte das verarmte Land zusätzlich. 1986, im Jahr der Iran-Contra-Affäre um geheime Waffenverkäufe und Geldflüsse, verurteilte der Internationale Gerichtshof in Den Haag die USA wegen ihres aggressiven, paramilitärischen Vorgehens gegen Nicaragua zu Reparationszahlungen in der Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar. Erwartungsgemäß sprechen die USA dem Den Haager Gerichtshof bis heute diesbezüglich jede Zuständigkeit ab. 1990 fanden unter Aufsicht der Vereinten Nationen freie Wahlen statt, die die Sandinisten überraschenderweise verloren. Mit der Ernennung von Violeta Chamorro zur Staatspräsidentin endeten sowohl der 10-jährige Contra-Krieg, der fast 30.000 Todesopfer gefordert hatte, als auch die Wirtschaftsblockade durch die USA. Seit damals wird Nicaragua neoliberal regiert. Das Land ist von Krieg, Korruption und Naturkatastrophen traumatisiert, Arbeitslosigkeit und Verelendung schreiten voran. Ernesto Cardenal, Dichter und Kulturminister unter den Sandinisten, fasste den Zwiespalt des Landes zwischen Sandinismus und Neoliberalismus 2001 so zusammen: "Wir haben einerseits den authentischen Kapitalismus und andererseits eine falsche Revolution. Es sind einfach zwei verschiedene Übel."
Filmemacherin Kristina Konrad lebte insgesamt 11 Jahre in Lateinamerika, von 1984 bis 1986 in Nicaragua. Für ihren Film, mit dem sie sich dem Land sehr persönlich und subjektiv nähert, ist sie 25 Jahre nach der Revolution dorthin zurückgekehrt. Mit dem Foto zweier Frauen, die auf Seiten der Sandinisten kämpften, in der Hand, macht sie sich auf die Suche nach dem Land, dass es nicht mehr gibt. Mit den Augen einer Europäerin erinnert sie sich an "das Vietnam ihrer Generation" und betrachtet die heutigen Verhältnisse unter dem Aspekt: Was ist vom großen Traum von Unabhängigkeit und Gerechtigkeit geblieben?

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel Unser America
Originaltitel Unser America
Genre Dokumentation
Land, Jahr Deutschland/Schweiz, 2005
Länge 84 Minuten
Regie Kristina Konrad
Drehbuch Christian Frosch, Kristina Konrad
Kamera Filip Zumbrunn
Schnitt Gudrun Steinbrück, Yves Scagliola
Musik Konrad Bauer
Produktion Brigitte Hofer, Cornelia Seitler
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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