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Das Leben der Anderen

Das Leben der Anderen

Drama. Deutschland 2006. 137 Minuten.

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Mit: Sebastian Koch, Martina Gedeck, Ulrich Mühe, Ulrich Tukur

Ein auf die Künstlerszene angesetzer Stasi-Spitzel erliegt mehr und mehr der Faszination für seine Opfer: Vielfach ausgezeichnetes DDR-Drama mit Martina Gedeck, Ulrich Mühe, Sebastan Koch und Ulrich Tukur.

Filmstart: 17. August 2006

Die Deutsche Demokratische Republik 1984. Das System konzentriert alle verfügbaren Kräfte auf das Aufspüren und die Überwachung potenzieller "Staatsschädlinge". Ganze Schicksale verschwinden in verstaubten Aktenbergen, die ins Endlose wachsen. Als der absolut linientreue Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) von höchster Stelle beauftragt wird, den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) und dessen Lebensgefährtin, den Theaterstar Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) zu überwachen, verspricht er sich davon zunächst einen kräftigen Karriereschub. Mit gewohnter Genauigkeit bereitet er den "OV", den operativen Vorgang, vor, verwanzt Dreymans Wohnung und richtet sich im Dachboden des Mietshauses seine Überwachungszentrale ein. Gerade rechtzeitig, um als unsichtbarer Gast an der Feier zu Dreymans 40. Geburtstag teilzunehmen. Akribisch notiert Wiesler alles, was seine Mikrophone aufzeichnen: Wer mit wem worüber diskutiert, wann geprostet wird, dass Dreyman und Christa-Maria, als sie in den frühen Morgenstunden schließlich alleine sind, die Geschenke auspacken. "Danach vermutlich Geschlechtsverkehr" ist Wieslers letzte Notiz zum Tage.
Es ist eine fremde, faszinierende und ein wenig bedrohliche Welt, die Wiesler hier "objektiv" beobachten soll und in die er doch immer mehr hineingezogen wird. Oft durchsucht er Dreyslers Wohnung, einmal nimmt er heimlich ein Buch mit und liest darin: Wieslers erste Begegnung mit Brecht. Immer armseliger fühlt er sich in seinem eigenen nüchternen Leben, seiner kahlen Plattenbauwohnung. Immer mehr überschreitet er die gefährliche Grenze zwischen Beobachter und Teilhaber. Doch je mehr er sich mit Dreymans Welt identifiziert, desto mehr gerät er in Konflikt mit dem System, dem er bisher treu gedient hat …
Bisher waren es vor allem Komödien wie Sonnenallee oder Good Bye Lenin!, die sich mit den Besonderheiten des DDR-Alltags auseinandergesetzt haben. Der junge Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck widmet sich in seinem (mit sieben Deutschen Filmpreisen und vier Bayerischen Filmpreisen ausgezeichneten) Langfilm-Debüt dem Thema mit Dramatik und psychologischer Hochspannung. Das Stasi-Spitzelwesen war zwar nicht öffentlich, aber doch alltäglich - doch welche Beziehungen entwickelten sich zwischen Beobachtern und Beobachteten? Konnten die trockenen Notizen auf Normpapier auf Dauer die Distanz zwischen Spitzel und "Zielobjekt" gewährleisten? Florian Henckel von Donnersmarck ging mit großer Sorgfalt und Hartnäckigkeit an das schwierige Thema heran. So gelang es ihm, an Originalschauplätzen wie dem mittlerweile abgesiedelten Stasi-Karteikartenarchiv in der Normannenstraße zu drehen - und dieses düstere Mahnmal damit auch für die Nachwelt zu dokumentieren. Vor der Kamera versammelte Donnersmarck ein unvergleichliches Ensemble deutscher Charakterdarsteller, und als Filmkomponist konnte er eine internationale Größe gewinnen: niemand Geringerer als Oscar-Preisträger Gabriel Yared (Der englische Patient, Der talentierte Mr. Ripley) vertonte das packende Zeitgeschichte-Drama.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Das Leben der Anderen
Originaltitel Das Leben der Anderen
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland, 2006
Länge 137 Minuten
Regie Florian Henckel von Donnersmarck
Drehbuch Florian Henckel von Donnersmarck
Kamera Hagen Bogdanski
Schnitt Patricia Rommel
Musik Gabriel Yared, Stéphane Moucha
Produktion Quirin Berg, Max Wiedemann
Darsteller Sebastian Koch, Martina Gedeck, Ulrich Mühe, Ulrich Tukur, Thomas Thieme, Hans Uwe Bauer
Verleih Buena Vista International

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

Toller Film mit sehr hohem dokumentatischem Wert!

Wer sich für diese Zeit interessiert, sollte sich den Film ansehen! Die Willkür des DDR Staates wird sehr eindrucksvoll dargestellt. Ob solche Fälle wirklich vorgekommen sind, und die Stasi auf Anweisung eines Kulturministers wirklich auf Biegen und Brechen gegen gegen jemand etwas gesucht hat, darf laut Aussagen ehemaliger Führungsoffiziere des MFS bezweifelt werden.
Die Methoden und Strukturen sind jedenfalls wahrheitsgetreu nachgestellt und einen Kinobesuch wert!

LG

20. September 2008
09:20 Uhr

von Kuschlwuschl

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