Filminfo zu

Cesky Sen - Der tschechische Traum

Cesky Sen

Dokumentation. Tschechische Republik 2004. 87 Minuten.

Regie: Filip Remunda, Vít Klusák

Mit einer aufwendigen Werbekampagne locken zwei Filmemacher tausende Menschen auf eine Wiese zur Eröffnung eines Supermarktes, den es gar nicht gibt. Ziel des kontroversiellen Experiments: die manipulativen Kräfte der Werbung offenzulegen.

Filmstart: 4. August 2006

Selten hält die Werbung alles, was sie verspricht. Vielleicht müssen das die Menschen in Tschechien erst lernen. Vielleicht hätte genau der gleiche Trick aber auch in Berlin, Wien oder New York funktioniert. Ziemlich sicher sogar. Denn der manipulativen Kraft einer Werbekampagne kann sich im konsumorientierten Zeitalter des Kapitalismus keiner entziehen. Dabei muss die Kampagne nicht einmal gut gemacht oder nachvollziehbar logisch sein. Sie kann das Blaue vom Himmel oder garnichts versprechen, die Menschen werden sich trotzdem bereitwillig von dem vermeintlichen Angebot locken lassen. Bewiesen haben das in einem kontroversiellen Menschenversuch die tschechischen Filmemacher Filip Remunda und Vit Klusak. Zuerst haben sie Prag mit einer professionell aufgezogenen Werbekampagne für "Cesky Sen - Den Hypermarkt für ein besseres Leben" bombardiert: TV- und Radio-Spots, Leuchtreklame, Flyer, eine eigene Webseite und Anzeigen in Zeitungen und Magazinen. Trotz der absurden Slogans wie "Geht nicht hin!" und "Gebt kein Geld aus!" konnten am "Eröffnungstag" im Mai 2003 mehr als 4000 Kauflustige auf eine Wiese gelockt werden, wo sie nichts als eine meterhohe Fassade erwartete! Die Reaktionen auf dieses Experiment fielen kontroversiell aus. In Bevölkerung und Medien war der provozierte Massenauflauf wochenlang Gesprächsthema Nummer Eins, sogar das tschechische Parlament befasste sich mit der Angelegenheit.
Inspirieren ließen sich die beiden jungen Filmmacher von ihrem Landsmann Petr Lorenc, der 1997 in einer kleineren Aktion Menschen zur vermeintlichen Eröffnung des Hypermarktes GIGADIGA auf ein Feld gelockt hat, um ihnen dort die Botschaft mit auf den Weg zu geben: "Geht doch lieber mal im Wald spazieren". Hintergrund der damaligen Aktion war die Eröffnung des ersten Einkaufszentrums nach westlichem Vorbild in der tschechischen Republik im Jahr 1995, also erst wenige Jahre nach der politischen Wende weg vom Kommunismus. In den letzten paar Jahren haben überwiegend westliche Investoren über 120 solcher gigantischer Einkaufstempel in Tschechien errichtet. Die von der plötzlichen Vielfalt der Konsummöglichkeiten und den aggressiven Werbestrategien der Betreiber überforderten Tschechen wurden geradezu süchtig nach den Shoppingcentern. Der Film legt auf anschauliche Weise die Mechanismen offen, nach denen Werbung funktioniert, und zeigt, wie leicht sich die sogenannte Öffentlichkeit beeinflussen lässt. Detail am Rande: Zeitgleich mit der Cesky-Sen-Kampagne im Mai 2003 lief in Tschechien übrigens die massive Pro-Europa-Kampagne der Regierung, die die Bevölkerung auf den EU-Beitritt am 1. Mai 2004 einschwören sollte.

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel Cesky Sen - Der tschechische Traum
Originaltitel Cesky Sen
Genre Dokumentation
Land, Jahr Tschechische Republik, 2004
Länge 87 Minuten
Regie Filip Remunda, Vít Klusák
Drehbuch Filip Remunda, Vít Klusák
Kamera Vít Klusák
Schnitt Zdenek Marek
Musik Hynek Schneider
Produktion Filip Remunda
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.