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#unibrennt - Bildungsprotest 2.0

#unibrennt - Bildungsprotest 2.0

Dokumentation. Österreich 2010. 91 Minuten.

Regie: coop99, AG Doku

Hurra, hurra, die Uni brennt! Der Herbst 2009 war heiß: Von Wien ausgehend fanden in ganz Europa Bildungsproteste statt. Dies ist die Geschichte einer Meuterei, die daran zu scheitern droht, dass das Schiff bereits auf Grund gelaufen ist.

Filmstart: 29. Oktober 2010

Es ist der 22. Oktober 2009. Das Herbstsemester hat vor wenigen Wochen begonnen, das Gerangel um Plätze in Proseminaren und Seminaren ist vorbei, nun beginnt der Kampf um Prüfungsplätze, Sitzplätze bei Vorlesungen, Sprechstundentermine. Die Umstellung gemäß dem Bologna-Prozess, mit Bakkalaureats- und Masterstudiengängen anstatt Magisterstudien, ist einen Schritt weiter. Die Medien sind voller Berichte über geplante Zugangsbeschränkungen. Um in der Mindeststudienzeit abschließen zu können, werden Studenten zu Einzelkämpfern, die neben ihrem Job, der das Studium finanzieren soll, nur Zeit für den allernotwendigs-ten Lernstoff finden. Doch manche von ihnen haben die Schnauze voll.
Nachdem am 20. Oktober die Aula der Universität der Bildenden Künste in Wien von Studierenden und Lehrenden besetzt wurde, um gegen das Bologna-System zu protestieren, und Bildungsminister Johannes Hahn keine Reaktion zeigt, reißt auch den Haupt-uni-Studenten der Geduldsfaden - und einige von ihnen beschließen spontan, das Audimax zu besetzen. Die Medien reagieren überrascht, die Politik vorerst überhaupt nicht. Doch anstatt wie erwartet den Hörsaal rasch wieder freizugeben, beginnen die Studierenden, über Online-Netzwerke wie Twitter und Facebook den Protest dezentral zu organisieren.
Nach den ersten chaotischen Tagen entstehen Gruppen, die ihre Anliegen formulieren. Immer mehr Studenten strömen ins Audimax, eine Volksküche wird aufgebaut, Putzdienste werden eingeteilt, es entsteht eine Presseabteilung. Prominente Unterstützer wie der Soziologe Jean Ziegler, der Kabarettist Josef Hader und viele andere kommen, um den Besetzern ihre Solidarität zu übermitteln. Und ganz Europa schaut zu: Innerhalb kürzester Zeit weitet sich der studentische Ungehorsam auf Universitäten in Deutschland, Italien, Frankreich und England aus, an insgesamt 130 Unis fasst die Bewegung Fuß - und wird damit zur größten Protestbewegung seit den Studentenprotesten von 1968.

Von Anfang an sind Handykameras dabei. Und als sich eine Struktur zu bilden beginnt, ist ein Teil der Bewegung die AG Doku - eine Gruppe, die sich zur Aufgabe macht, den Studentenprotest mit der Kamera zu dokumentieren. #unibrennt ist das hochspannende Ergebnis, benannt nach dem mittlerweile berühmten Twitter-Stichwort. Über 900 Stunden dokumentarisches Material, Interviews mit Studenten, Professoren und Politikern, Vorträge und Konzerte im Audimax, darin verwoben die Pro- und Contrakommentare, die die Proteste über Twitter begleitet haben: #unibrennt ist nicht nur das Dokument einer Bewegung, sondern auch eine Anklage. Denn wie Uni-Rektor Winkler am Ende des Films feststellt: "Die Grundsituation hat sich auch nach Ende der Besetzung für die Studierenden nicht geändert. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es wieder zu Protesten kommt.“

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel #unibrennt - Bildungsprotest 2.0
Originaltitel #unibrennt - Bildungsprotest 2.0
Genre Dokumentation
Land, Jahr Österreich, 2010
Länge 91 Minuten
Regie coop99, AG Doku
Kamera Valentin Renoldner, AG Doku
Schnitt Dominique Gromes
Produktion Antonin Svoboda
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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