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Lichter der Vorstadt

Laitakaupungin valot

Drama. Finnland 2006. 78 Minuten.

Regie: Aki Kaurismäki
Mit: Janne Hyytiäinen, Maria Heiskanen, Maria Järvenhelmi

Die vier Jahreszeiten der Einsamkeit. Der neue Film von Aki Kaurismäki ist ein lakonischer Krimi mit großen Gesten, viel Gefühl, grandiosen Bildern und gewohnt wenig Dialogen. Finnland für Feinschmecker.

Filmstart: 26. Oktober 2006

Als Aki Kaurismäki vor vier Jahren mit der zärtlich-traurigen Sozial-Komödie Der Mann ohne Vergangenheit im Wettbewerb um die Goldene Palme von Cannes angetreten war, ließ er ganzseitige Anzeigen in den Fachblättern der Filmindustrie buchen. "Vergesst nicht", stand da zu lesen, "Die Gnade Gottes gibt es nur im Himmel. Auf der Erde müssen wir uns selber helfen. Freundliche Grüße, AK. Regisseur. Finnland - das Land wo Tellerwäscher Filmemacher werden."
Dieses Jahr hatte der wortkarge Witzbold keine Botschaft mitgebracht. Dafür hat "Akilandia", so sagen die Finnen zu jenem dunkelbunten Teilzeit-Vergnügungspark zwischen Tango und Tristesse, der Kaurismäkis ganz persönliches Disneyworld verkörpert, eine neue Attraktion bekommen. Maria Järvenhelmi ist so blond wie eine Elfe für Eskimos und so böse wie eine Femme Fatale nur sein kann, die im Trenchcoat durch Helsinki schlendert und einem armen Nachtwächter zuerst die Liebe und dann auch noch die Lust am Leben nimmt. "Im Grunde besteht meine Figur nur aus Zigarettenrauch", sagt die aparte Schönheit über ihre Rolle in Lichter der Vorstadt. Lakonisch wie ein Cowboy beim Pinkeln. Genau jene Form von Witz, mit der man in Finnland Weltmeister wird.
Koistinen (Janne Hyytiäinen) ist ein Mann, der Träume hat. Er will sich eine schönere Zukunft aufbauen. Mit harter Arbeit raus aus dem Trübsal seines Alltags kommen. Überall auf der Welt ginge das womöglich sogar gut. Bei Kaurismäki kann so ein Vorhaben nur direkt ins Verderben führen. Der kleine Wurm verliert sein großes Herz in den traurigen Augen einer mysteriösen Frau (Maria Järvenhelmi), die auf Unschuld aus der Vorstadt macht und dabei doch nur die Puppe eines Gangsters (Ilkka Koivula) ist, der einen armen Idioten als Werkzeug und Sündenbock für seinen aktuellen Einbruch braucht. Koistinnen ist der ideale Kanditat dafür.
Aki Kaurismäki macht Filme über Menschen, denen das Glück vorenthalten wird. Aber noch nie war seine Welt so grausam wie hier. "Lichter der Vorstadt ist der Abschluss einer Trilogie, die mit Wolken ziehen vorüber und Der Mann ohne Vergangenheit begonnen hat", sagt der Edel-Melancholiker. "Der erste Film handelte von Arbeitslosigkeit, der zweite vom Leben der Obdachlosen. Diesmal geht es um Einsamkeit. So wie Chaplins kleiner Tramp sucht auch mein Held nach einer kleinen Spalte, um in einer harten Welt nach Oben zu krabbeln. Aber sowohl seine Mitmenschen als auch die Gesellschaft zertrampeln seine bescheidenen Hoffnungen, eine nach der anderen."

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel Lichter der Vorstadt
Originaltitel Laitakaupungin valot
Genre Drama
Land, Jahr Finnland, 2006
Länge 78 Minuten
Regie Aki Kaurismäki
Drehbuch Aki Kaurismäki
Kamera Timno Salminen
Schnitt Aki Kaurismäki
Musik Melrose
Produktion Aki Kaurismäki
Darsteller Janne Hyytiäinen, Maria Heiskanen, Maria Järvenhelmi, Ilkka Koivula
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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