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Die Queen

The Queen

Drama. Frankreich, GB, Italien 2006. 97 Minuten.

Regie: Stephen Frears
Mit: Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell

Die Trauer nach dem Tod von Lady Di. Wie Tony Blair (Michael Sheen) die Queen (Helen Mirren) dazu brachte, ihre Schmerzen zu zeigen, um eine Staatskrise zu vermeiden. Ein beeindruckendes Porträt von Macht und Monarchie.

Filmstart: 12. Januar 2007

 

Blair saves the Queen. Während die Nachricht vom tragischen Unfalltod der Prinzessin Diana, damals mit Abstand die berühmteste Person auf Erden, in der britischen Bevölkerung eine bis dato beispiellose Mischung aus Trauer, Anteilnahme und Hysterie auslöst, verschanzt sich die königliche Familie hinter den dicken Mauern von Balmoral Castle, unfähig dem Volk ihre Gefühle zu zeigen. Tony Blair, der junge, populäre und eben erst ins Amt gewählte Premierminister Englands, erkennt den Ernst der Lage. In einer Art diplomatischer Sondermission in eigener Sache durchbricht er die Schranken der Etikette und bringt die Queen dazu, öffentlich zu ihrer Trauer zu stehen. Mit seinem besten Film seit langem gelingt Stephen Frears (The Grifters, High Fidelity) ein stilles Porträt von Macht und Monarchie.
Man könne sagen, dass die Queen länger und tiefer in seinem Bewusstsein verankert sei als jeder andere Mensch, schreibt Frears in einem Text zu seinem Film, seine Mutter, seine Brüder, seine Kinder, seine Frau mit eingeschlossen. In England sei sogar ein Buch veröffentlich worden, das den schönen Titel "Warum träumen Männer von der Queen?" trägt. Andere Nationen mögen eine derartige Besessenheit als übertrieben empfinden. In England versteht das jeder. Diesen Graben locker und klug zu überbrücken, macht den Charme von Frears’ Film aus.
Bleibt nur die berechtigte Frage, welche Schauspielerin eine Frau spielen soll, deren Image in England quasi zur Wohnzimmereinrichtung gehört, während sie selbst abgehoben und elitär hoch überm Volk in einem Palast residiert und dabei wie eine verschrobene Märchenfigur wirkt, die völlig versehentlich Wirklichkeit geworden ist. Helen Mirren meistert den Part mit Bravour, weil sie sich im Umgang mit der Monarchie auf reine Menschlichkeit besinnt. "Meine Mutter, die vor gar nicht mal so langer Zeit gestorben ist, war ungefähr derselbe Jahrgang wie Queen Elizabeth II", erzählte sie am Rande der Filmfestspiele von Venedig. "Ich nenne diese Generation die ”noble” Generation. Ihre Jugend verbrachten sie in der Depression, danach kam der Krieg, dann die Tristesse der Nachkriegszeit. Diese Menschen hatten kein leichtes Leben, aber am Ende hatten sie eine staatliche Krankenversicherung aufgebaut und ein dazu ein Schulsystem, dass auch Leuten, die wie ich aus der Arbeiterklasse stammen, einen Universitätsabschluss ermöglichte. Das war die Generation der Queen. Und jetzt komme ich zum Punkt: Als meine Mutter starb, habe ich nicht nur um sie getrauert. Ich war auch traurig, weil es mit dieser Generation zu Ende geht. Weil mir klar wurde, dass wir all diese noblen Menschen sehr bald verlieren werden."

SKIP-Tipp

Boshaft, nicht respektlos. Provokant, niemals beleidigend. Spekulativ, aber sorgfältig recherchiert. Stephen Frears gewährt fiktive Einblicke ins krisengeschüttelte Leben der Royals. Queen Backstage, sozusagen, aber auf allerhöchstem Niveau.

SKIP-Tipp von Dina Maestrelli

Credits

Titel Die Queen
Originaltitel The Queen
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich/GB/Italien, 2006
Länge 97 Minuten
Regie Stephen Frears
Drehbuch Peter Morgan
Kamera Affonso Beato
Schnitt Lucia Zucchetti
Musik Alexandre Desplat
Produktion Andy Harries
Darsteller Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Paul Barrett, Sylvia Syms
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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