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Zorros Bar Mizwa

Zorros Barmizwa

Dokumentation. Österreich 2006. 90 Minuten.

Regie: Ruth Beckermann
Mit: Tom Sattler, Moishy Ortner, Sharon Mamiostvalov

Vier Kinder feiern mit ihren Familien den Übertritt vom Kindes- ins Erwachsenenalter: Homemad(e)-Regisseurin Ruth Beckermann porträtiert mit respektvoller Ironie den Alltag praktizierend jüdischer Familien in Wien.

Filmstart: 15. Dezember 2006

Zurückgehend auf ein religöses Zeremoniell aus dem 14. Jahrhundert, besagt die Glaubenspraxis im Judentum, dass die Sünden eines Sohnes bis zu dessen 13. Lebensjahr sein Vater tragen muss. Seit 1922 gilt dies auch für Mädchen bis zwölf. Üblicherweise am Sabbat (Samstag) nach dem entsprechenden Geburtstag feiert die Familie dann ein Fest, das den Übertritt des Nachwuchses in die Religionsmündigkeit markiert - ab dann ist der Sprößling kein Kind mehr und für seine Taten selbst verantwortlich. Die Party wird Bar Mizwa genannt, bzw. Bat Mizwa bei Mädchen. Was soviel heißt wie Söhne bzw. Töchter des Gebots. Es gibt strenge Regeln, wie die Bar Mizwa anzugehen ist, zumindest im orthodoxen Judentum - das betrifft z. B. Moishy. Auch Tom folgt eher traditionellen Pfaden: Er reist nach Jerusalem, um an der Klagemauer erstmals die Gebetsriemen anzulegen. Sharon dagegen hat seine Bar Mizwa unter das Motto "Zorro" gestellt. Er wird kostümiert auftreten, von einem Pferd springen und ein Fechtduell bestehen müssen. Alles vor laufender Kamera: André Wanne, der gefragteste Spezialist für private Erinnerungsvideos jüdischer Feiern und Zermonien in Wien, wird nämlich auch dabeisein - diesmal ausnahmsweise in Begleitung von Ruth Beckermann.
Vier Jugendliche auf ihrem Weg in die Religionsmündigkeit begleitet die Regisseurin in ihrer neuen Dokumentation - und porträtiert zeitgleich den Videofilmer Wanne bei seiner Arbeit. So gelingt es ihr, wie unbemerkt in die Privatsphäre der Familien vorzudringen und fast beiläufig ihren Umgang mit religiös motivierten Initiationsriten und Geschlechterunterschieden darzustellen. Es ist ein ambivalenter Blick, den die Regisseurin auf ihr Religionsthema wirft. "Vielleicht wollte ich eine verrückte Wiener-jüdische Doku-Soap machen", meint Beckermann und spielt dabei auf derzeit beliebte TV-Formate an, in denen sich Privatpersonen bereitwillig vorführen lassen. Aber Beckermann führt niemanden vor, sie provoziert und inszeniert nicht, sondern verlässt sich völlig auf die Güte ihres bzw. Wannes Filmmaterial, das rundherum für sich selbst spricht - amüsant, aber auch denkwürdig.

"Für mich ist Zorros Bar Mizwa absolut ein politisches Statement", erklärt die Regisseurin. "Es kommt fast einer Verweigerung gleich, sich nicht anzusehen, wie Juden und Jüdinnen heute leben. Für mich ist es auch wichtig, dass sie wieder die Freiheit gewinnen, sich selbst zu ironisieren, wieder zu einem Humor zu finden. Es ist kein Zufall, dass Zorros Bar Mizwa vor allem AmerikanerInnen sehr gut gefällt und auch schon nach Amerika verkauft ist, weil die Menschen dort viel mehr Ironie haben - auch Selbstironie. Während hier und in ganz Europa den Menschen die Angst zum Teil noch tief in den Knochen sitzt oder mitunter auch eine unberechtigte Furcht zu spüren ist, dass der Antisemitismus morgen wieder pogromartig ausbrechen wird. Auch wenn man Angst hat, ist es doch furchtbar, seinen Humor zu verlieren oder die Fähigkeit, sich selbst anzusehen. Manche haben sich darin eingerichtet, dem akzeptierten Bild des verfolgten, von seiner Vergangenheit gequälten Juden und der dazupassenden Jüdin, die darüber schreibt oder Filme macht, zu entsprechen. Ich meine, Schubladen sind dazu da, um aus ihnen rauszuspringen."

Text:  Klaus Hübner

Credits

Titel Zorros Bar Mizwa
Originaltitel Zorros Barmizwa
Genre Dokumentation
Land, Jahr Österreich, 2006
Länge 90 Minuten
Regie Ruth Beckermann
Kamera André Wanne, Nurith Aviv, Leena Koppe
Schnitt Dieter Pichler, Thomas Woschitz
Produktion Ruth Beckermann
Darsteller Tom Sattler, Moishy Ortner, Sharon Mamiostvalov, André Wanne, Sophie Landesmann
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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