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Freuds verschwundene Nachbarn

Freuds verschwundene Nachbarn

Dokumentation. Österreich 2006. 71 Minuten.

Regie: Kurt Mayer

Sigmund Freud hatte Glück. Er konnte flüchten. Was geschah aber mit seinen jüdischen Nachbarn? Filmemacher Kurt Mayer auf den Spuren der Vertriebenen und Verschleppten.

Filmstart: 1. Dezember 2006

Wohnraum war in Wien Ende der 30er Jahre kostbar und die Arisierung von Wohnungen jüdischer Mitbürger ein willkommenes Mittel um bewährte Parteimitglieder zu belohnen oder neue zu gewinnen, indem man die verarmte Bevölkerung auf Kosten jüdischer Mitbürger beschenkte. Zwischen 1938 und 1945 wurden 150. 000 in Wien lebende Juden und Jüdinnen enteignet, verschleppt und ermordet. Ihre arisierten Besitztümer wurden unter denen aufgeteilt, die sich teils aus wirklicher Not, teils aus Habsucht darauf stürzen. Über das Elend der Enteigneten ist zuwenig bekannt. Präzise verfolgt Filmemacher Kurt Mayer die Spuren der jüdischen Bewohner des Hauses Berggasse 19, im neunten Wiener Gemeindebezirk. Wer sich nicht nicht - wie sein berühmtester Bewohner Sigmund Freud - aus rechtzeitig retten konnte, wurde nachdem er die Wohnung räumen musste, in einer Sammelwohnung untergebracht. Diese Notunterkünfte in Wien waren lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg zur endgültigen Deportation in ein Vernichtungslager. Wer eine arisierte Wohnung zugewiesen bekam, war dankbar und hatte keine Lust Nachforschungen über das Schicksal der Vorbesitzer anzustellen. Das war - wie Kurt Mayer Recherche zu Tage fördert - auch ganz und gar nicht einfach: Um die Spuren der Verschleppten besser verwischen zu können, wurden Eheleute getrennt, Familien auseinandergerissen und die Unglücklichen gezwungen mehrmals zu übersiedeln. Transporte fanden nachts statt und wurden rasch abgewickelt. Unter den Augen der Wiener Bevölkerung verschwanden jüdische Mitbürger wie durch Geisterhand. Ein einziges Foto zeugt von den systematischen Zwangsübersiedlungen, die in Wien stattgefunden hatten.
Anlässlich Sigmund Freuds 150 Geburtstags sucht Filmemacher Kurt Mayer ohne Vorankündigung jene Personen auf, die heute die Berggasse 19 bewohnen. Die Reaktionen der Nachkommen der Nutznießer reichen von Schuld, Verdrängung, Ahnungslosigkeit und dem unverständlichen Gefühl des Sich-im-Recht-Befindens.

Text:  Catherine Holzer

Credits

Titel Freuds verschwundene Nachbarn
Originaltitel Freuds verschwundene Nachbarn
Genre Dokumentation
Land, Jahr Österreich, 2006
Länge 71 Minuten
Regie Kurt Mayer
Drehbuch Kurt Mayer
Kamera Helmut Wimmer
Schnitt Harald Aue
Musik Rupert Huber

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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