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Taxidermia - Der Ausstopfer

Taxidermia

Drama. Frankreich, Österreich, Ungarn 2006. 91 Minuten.

Regie: György Pálfi
Mit: István Gyuricza, Adám Dérényi, Marc Bischoff

Quer durch Tabus, Normen und drei Generationen: Radikaler filmischer Wahnsinnstrip des jungen ungarischen Regisseurs György Pálfi (Hukkle - Das Dorf), der Aufreger der letzten Filmfestspiele von Cannes.

Filmstart: 9. Februar 2007

Großvater, Vater, Sohn. Die erste von drei Stories, aus denen Taxidermia besteht, erzählt vom kleinen, minderbemittelten Soldaten Vendel, der während des Zweiten Weltkriegs im strategischen Nirgendwo aus seinem tristen Alltag in bizarre Fantasien von Sex und Liebe flüchtet. Er giert nach den Töchtern seines Vorgesetzten, heißen Sex hat er vorerst nur mit sich selber, das aber dafür im wahrsten Sinne des Wortes so lange, bis sogar Feuer aus seinem Schwanz schießt. Sein einziges Abenteuer mit einer lebendigen Frau wird ihm zum tödlichen Verhängnis, sorgt aber für die Entstehung von Kálmán.
Kálmán findet seinen Lebenszweck im Wettessen. Er frisst sich zu einem grotesken Fettberg hoch, findet eine ebenso fette Frau, die ihn noch in der Hochzeitsnacht mit einem weiteren Vielfraß betrügt. Sein Leben lang hofft er, dass die wahnwitzigen Viel- und Esswettbewerbe, bei denen er unschlagbar ist, endlich offiziell zu den Olympischen Spielen zugelassen werden. Und die korrupten kommunistischen Machthaber unterstützen ihn mit entsprechender Propaganda, denn Leistungssport ist schließlich Leistungssport - und bringt somit Ruhm und Ehre fürs sozialistische Vaterland.
Kálmáns Sohn Lajos wiederum ist schlank und feingliedrig, aber von mindestens ebenso monströsen Begierden getrieben wie Vater und Großvater. Er lebt im kapitalistischen Heute, doch seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit einem uralten Gewerbe: Er stopft Tiere aus. Sein mittlerweile verwitweter und pflegebedürftiger Vater hat sich unterdessen bei ihm breit gemacht und tyrannisiert Lajo, wo er nur kann. Als der dann eines Tages Kálmán tot im Wohnzimmer findet, schon halb aufgefressen von seinen eigenen, ebenso fetten Katzen, beginnt er, ihn auszustopfen - und entdeckt dabei seine Erfüllung. Das Ausstopfen - die Taxidermie - ist nicht nur sein Job. Es ist sein Lebenszweck, seine Kunst, sein größtes Talent. Und er selbst soll nun sein größtes Kunstwerk werden. Lajos will sich selber ausstopfen.
Bereits in Hukkle - Das Dorf zeigte der ungarische Regisseur György Pálfi sein Ausnahmetalent, das sich nicht mit bloßen Neuinterpretationen von vorhandenen Visionen zufrieden gibt. Seine Werke sind außergewöhnlich in jeder Hinsicht, und mit Taxidermia hat er sich noch einmal selbst übertroffen: Die surreale Geschichte von drei Männern dreier Generationen ist bizarr witzig, tabulos ordinär und extrem exzentrisch - und gleichzeitig von einer derart berückenden Ästhetik und Bildgewalt, dass man von diesem Film weniger verstört als überwältigt wird, bis zum irrwitzigen Finale im Wiener Museumsquartier. Das aber mit eiserner Konsequenz und Drastik, wie die zahlreichen hymnischen Kritiken und Festival-Preise beweisen. "Ein visueller Schock, der Quentin Tarantino wie einen Schüler von Bergman aussehen lässt", fasst die Pariser Tageszeitung L'Humanité treffend zusammen. Egal wie viele oder wie wenige Filme Sie schon gesehen haben: Etwas mit Taxidermia Vergleichbares war sicher nicht dabei.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Taxidermia - Der Ausstopfer
Originaltitel Taxidermia
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich/Österreich/Ungarn, 2006
Länge 91 Minuten
Regie György Pálfi
Drehbuch Zsófia Ruttkay, György Pálfi nach dem Roman von Lajos Parti Nagy
Kamera Gergely Pohárnok
Schnitt Réka Lernhényi
Musik Amon Tobin, Albert Márkos
Produktion Péter Miskolczi, Gábor Váradi, Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Darsteller István Gyuricza, Adám Dérényi, Marc Bischoff, Géza D. Hegedüs, István Hunyadkürti, Zoltán Kóppany, Csaba Czene, Gergö Trócsányi, Piroska Molnár, Gábor Máté
Verleih POOOL Filmverleih

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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