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Kurz davor ist es passiert

Kurz davor ist es passiert

Dokumentation, Drama. Österreich 2006. 72 Minuten.

Regie: Anja Salomonowitz

Unterdrückung, Ausbeutung, Wehrlosigkeit. Die Regisseurin Anja Salomonowitz lässt Laiendarsteller in der Ich-Form über den Missbrauch von Migrantinnen reden - und macht daraus ein packendes Filmereignis zum schwierigen Thema Frauenhandel.

Filmstart: 5. Oktober 2007

Die konkreten Schicksale von fünf Frauen stehen in dem semidokumentarischen Film im Mittelpunkt. Alle wurden sie unter falschen Voraussetzungen oder Versprechen nach Österreich gelockt. Um die Frauen zu schützen, hat Anja Salomonowitz die einzelnen Erzählungen und Leben miteinander verwoben. Die Laiendarsteller üben im wirklichen Leben Berufe aus, in denen sie mit den Betroffenen Kontakt haben hätten können: ein Zöllner, ein Taxifahrer, eine Diplomatin, eine Nachbarin und ein Bordellbesitzer. "Ich habe Verwandte, die auf mich warten", sagt am Beginn der Zöllner in die Kamera. Oder Leo, der selbst mehrere Lokale besessen hat, der "Puff-Kellner", steht hinter der Bar und sagt: "Ich muss immer viel Alkohol trinken. Manchmal gibt mir der Kellner Saft statt Wein. Das ist eine große Erleichterung für mich."

Der Text stammt aus der Erzählung einer Migrantin, die unfreiwillig als Tänzerin in einem Etablissement gelandet ist. Leo hat mit deren Leben nichts zu tun, aber alle Laiendarsteller könnten in ihrem Alltag mit den versklavten Migrantinnen in Kontakt kommen - sei es als Auftraggeber der (natürlich schwarz arbeitenden) ausländischen Putzfrau oder als zufällige Nachbarin einer rechtlos eingesperrten Import-Ehefrau. Die durchdachte Inszenierung zeigt das Thema Menschenhandel nicht, wie sonst, als reißerischen Boulevard, sondern es ist gerade die nüchterne Art, in der die Sprecher das Schicksal der namenlosen Frauen erzählen, die zum Nachdenken anregen ohne nach Mitleid zu haschen. Kurz davor ist es passiert ist keine klassische Dokumentation, und keine der misshandelten oder unglücklichen Frauen ist direkt zu sehen. Es gibt weder verheulte Gesichter noch tränenreiche Erzählungen, und genau das ist das Besondere an Salomonowitz' Film, das dem Zuseher im Gedächtnis bleibt und einen zum Nachdenken bringt.

Entstanden ist der Film in Kooperation mit SOS Mitmensch, Amnesty International, Integrationshaus und dem Verein LEFÖ, der Migrantinnen bei Problemen hilft und sie unterstützt. Zum Filmstart sind Diskussionen mit LEFÖ-Mitarbeiterinnen geplant, um die Zuseher das Thema nicht vergessen zu lassen.

Kurz davor ist es passiert war Anja Salomonowitz' Diplomfilm an der Wiener Filmakademie und konnte bereits international auf diversen Festivals punkten: Bei "Cinema du Réel" in Paris bekam er eine "Special Mention", auf der Viennale 2006 den Wiener Filmpreis und auf der Berlinale 2007 den "Caligari Preis". Anja Salomonowitz, die in Wien und Berlin Film studierte, inszeniert meist politische Themen von hoher sozialer Spannkraft an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation - mit internationaler Resonanz: Auch ihr letzter Film, Das wirst du nie verstehen, wurde auf vielen Festivals weltweit mit begeisterten Kritiken aufgenommen und erhielt den "Prix Regards Neufs" beim renommierten Dokumentarfilmfestival "Visions du Réel" in Nyon.

Credits

Titel Kurz davor ist es passiert
Originaltitel Kurz davor ist es passiert
Genre Dokumentation/Drama
Land, Jahr Österreich, 2006
Länge 72 Minuten
Regie Anja Salomonowitz
Drehbuch Anja Salomonowitz
Kamera Jo Molitoris
Schnitt Frédéric Fichefet, Gregor Wille
Musik Florian Richling, David Salomonowitz
Produktion Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Verleih POOOL Filmverleih

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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