Filminfo zu

Schmetterling und Taucherglocke

Le scaphandre et le papillon

Drama. Frankreich, USA 2007. 112 Minuten.

Regie: Julian Schnabel
Mit: Emmanuelle Seigner, Mathieu Amalric

Das ganze Leben in einem einzigen Augenaufschlag. Julian Schnabels mehrfach preisgekröntes Porträt eines ehemaligen Lebemannes, der nach einem Schlaganfall nur noch ein Augenlid bewegen kann.

Filmstart: 28. März 2008

Attraktiv, charmant, erfolgreich und für jeden Genuss zu haben: Jean-Dominique Bauby ist ein Typ, wie man ihn als Normalbürger nur auf den Hochglanzseiten von Lifestyle-Magazinen und durch die Schaufenster von Szenerestaurants zu Gesicht kriegt. Als Chefredakteur der prestigeträchtigen Style-Bibel Elle war Bauby ein wichtiger Faktor der Pariser In-Crowd und ein richtiger Dandy, der dem Wildeschen Prinzip "Ich kann allem widerstehen - außer einer Versuchung" folgend zu gutem Essen oder schönen Frauen nie nein sagt - aber auch seine Rolle als zweifacher Vater recht passabel hinbekommt.

Sein perfektes Leben nimmt jedoch ein jähes Ende, als Bauby im Jahr 1995 einen Schlaganfall erleidet. Er ist 43 Jahre alt, gerade noch in der Blüte seines Lebens - und im nächsten Moment im Koma. Als er zwei Wochen später erwacht, ist sein Geist zwar 100% intakt, sein Körper durch den Schlaganfall allerdings fast vollständig und irreversibel gelähmt, ein Zustand, den man als "Locked in-Syndrom" bezeichnet: Bauby ist völlig bei Bewusstsein, aber wie eingeschlossen in seinem Körper, über den er keine Herrschaft mehr hat - nur den Kopf kann er ein wenig bewegen und mit dem linken Augenlid blinzeln.

Auch wenn er keine Gewalt mehr über seine Arme und Hände hat, bleibt Bauby doch der leidenschaftliche Autor und Journalist, der er vorher war. Und auch derselbe Mann - der nun fast verzweifelt an seinem Zustand, der ihm jede Möglichkeit nimmt, dem, was er denkt und fühlt, Ausdruck zu verleihen. Doch seine Familie und seine Freunde stehen zu ihm - und das rührige Personal des idyllischen Krankenhauses von Berck-sur-Mer. Allen voran die engagierte Sprachtherapeutin Henriette Durand (Marie Josée Croze), die ihm schließlich einen Weg zurück zeigt, zwar mühsam, aber effektiv: Nur mit seinem Augenlid und einer eigens entwickelten Alphabet-Tafel lernt Bauby, seine Gedanken, seine Gefühle und Erfahrungen zu diktieren. Ein gewaltiges Unterfangen, das Monate in Anspruch nimmt. Am 6. März 1997 erscheinen diese Texte unter dem TitelDer Schmetterling und die Taucherglockeals Buch. Drei Tage später starb Bauby an einem Herzversagen, sein letztes Werk ist nach wie vor in den Bestsellerlisten vertreten. Der Multikünstler und Filmemacher Julian Schnabel (Before Night Falls) wagte sich nun daran, Baubys bewegendes Vermächtnis ins Kino zu transportieren - und entstanden ist ein ebenso mitreißendes wie optimistisches und außergewöhnliches Porträt eines Menschen und seiner Menschlichkeit. Und weil es Schnabel auch noch gelungen ist, aus Der Schmetterling und die Taucherglocke keine tränentriefende Krankengeschichte zu machen, sondern ein Hohelied auf das Leben voll echter Spannung und klugem Humor, gab’s dafür nicht nur zahlreiche Festival-Preise wie z. B. den Regiepreis in Cannes, sondern auch zwei Golden Globes und vier Oscar-Nominierungen.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Schmetterling und Taucherglocke
Originaltitel Le scaphandre et le papillon
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich/USA, 2007
Länge 112 Minuten
Regie Julian Schnabel
Drehbuch Ronald Harwood nach dem Buch von Jean-Dominique Bauby
Kamera Janusz Kaminski
Schnitt Juliette Welfing
Musik Paul Cantelon
Produktion Kathleen Kennedy, Jon Kilik
Darsteller Emmanuelle Seigner, Mathieu Amalric, Marie-Josée Croze, Max von Sydow, Patrick Chesnaiz
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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