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Prater

Prater

Dokumentation. Deutschland, Österreich 2007. 104 Minuten.

Regie: Ulrike Ottinger
Mit: Veruschka, Robert Kaldy-Karo, Elfriede Jelinek

Anhand dokumentarischer und inszenierter Szenen erzählt Ulrike Ottinger die Geschichte des ältesten Vergnügungsparks der Welt: des Wiener Praters, seiner Bevölkerung, seiner Geschichte und seiner technischen Veränderungen und Sensationen im Wandel der Zeit.

Filmstart: 21. September 2007

Vor 250 Jahren hat alles begonnen. Damals wurde der Wiener Prater, eine Eindeutschung des lateinischen Wortes Pratum, was Wiese bedeutet, für das Volk geöffnet – als Erholungsgebiet im „Grünen Prater“ und Vergnügungspark im sogenannten „Wurstelprater“. Wo sich zuvor ausschließlich der Kaiser und seine Hofnarren die Rehe und Böcke vor die Büchse treiben hatten lassen, entstand nun schrittweise etwas auf der ganzen Welt Einzigartiges. Schausteller und Gastwirte eröffneten Bude um Bude. Unternehmer fanden eine freie Spielwiese für die neuen, nie zuvor gesehenen bzw. erlebten Sensationen, die das Zeitalter der Industrialisierung im Eiltempo hervorbrachte. Und aus der ganzen Welt zog es Freigeister, Lebenskünstler und Individualisten hierher.

Der Prater als ältester Vergnügungspark der Welt ist ein Fixpunkt im europäischen Vergnügungs- und Kulturprogramm. Er stand Modell für den Park in Budapest, für Coney Island in New York und auch den alten Treptower Park in Berlin. Im Prater tauchte jede technische Erfindung, bahnbrechende Idee oder sensationelle Neuigkeit zuerst auf. Auch das Kino in Österreich fand hier seine Anfänge.

Ulrike Ottingers Doku bietet nicht nur prachtvolle Aufnahmen, ungekannte Perspektiven, hochinteressante Zeitdokumente und brillante Einblicke in die Wandelbarkeit der technischen Attraktionen. Auch die Menschen, die sie in erzählerischen Miniaturen interviewt und proträtiert, sind faszinierend: etwas der „Mann ohne Unterleib“, der um 1900 mit Frau und Kindern zahlreiche Vergnügungsbetriebe gründete, die bis heute existieren, oder die Besitzer des legendären Restaurants Schweizerhaus, oder der Prater-Heinzi, der kaputte Maschinen repariert. Ob die untertags im Prater flanierende Familien oder die Jugendgruppen und Gangs des Nachtpublikums – der Prater als gleichzeitig zeitloser, hochmoderner und hoffnungslos altmodischer Ort der Illusionen und Sensationen bietet für jeden etwas, in dem er sich verlieren und für kurze Zeit aus der Realität verabschieden kann.

„Der Prater ist eine Zeitmaschine“, erklärt die Regisseurin. „Deshalb habe ich zusätzlich zu meinen neuen Filmbildern mit allen Arten von Zitaten gearbeitet.“ So entsteht in ihrem Film aus aktuellen Filmbildern, Gesprächen mit Schaustellern, Kommentaren von in- und ausländischen Besuchern, Filmzitaten, Text- und Fotodokumenten ein umfassendes Porträt des bunten Erscheinungsbilds des Praters im Spiegelbild seiner technischen und  medialen Entwicklung – illustriert mit Texten von Elfriede Jelinek, Josef von Sternberg, Erich Kästner und Elias Canetti.

Text:  Klaus Hübner

Credits

Titel Prater
Originaltitel Prater
Genre Dokumentation
Land, Jahr Deutschland/Österreich, 2007
Länge 104 Minuten
Regie Ulrike Ottinger
Drehbuch Ulrike Ottinger
Kamera Ulrike Ottinger
Schnitt Bettina Blickwede
Musik Klaus Kellermann
Produktion Gerhard Hannak
Darsteller Veruschka, Robert Kaldy-Karo, Elfriede Jelinek
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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