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Full Metal Village

Full Metal Village

Dokumentation. Deutschland 2006. 90 Minuten.

Regie: Sung-Hyung Cho

Headbangen am Heuhaufen: Jedes Jahr wird das verschlafene Nest Wacken in Norddeutschland für drei Tage zum Schauplatz eines der weltgrößten Heavy-Metal-Open-air-Festivals. Preisgekrönte Dokü über das Dorfgeschehen abseits der Bassverstärker.

Filmstart: 14. September 2007

Der Sommerwind streicht sanft über goldene reife Ähren. Ein paar Vögel zwitschern entspannt vor sich hin, dazwischen muht die eine oder andere Kuh … das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein, hoch oben im Norden der Bundesrepublik, ist nicht gerade bekannt als Zentrum des Geschehens. Im kleinen Örtchen Wacken etwa tummeln sich an 353 Tagen im Jahr nicht einmal 2000 Leute. Doch an drei Tagen im Jahr sind es über 70.000. Jedes Jahr im August geht hier eins der weltweit größten Heavy-Metal-open-airs über die Bühne, und statt sanften Kühen und glücklichen Vögelchen wummern die Gitarren und krachen die Verstärker. Zehntausende Besucher kacken die Mobilklos voll, kaufen den örtlichen Gemischtwarenladen leer und stellen die dörfliche Ordnung auf den Kopf.
1990 ging das Wacken Open Air erstmals über die wackelige Bühne, vor 800 Zusehern, als Freizeitspaß von einigen Dorfbewohnern organisiert, „weil sonst is ja nichts los hier.“Mittlerweile reißen sich sämtliche Metal-Giganten um einen Slot im dichten Festival-Programm: Motörhead, Whitesnake, Ministry, Machinehead, Saxon, Anthrax und Hunderte mehr: Wer unter den Metalheads einen Namen hat, war schon mal in Wacken.
Der Kontrast zwischen dem fröhlich satanischen Gegröle auf der einen Seite und dem emsig friedlichen Dorfalltag auf der anderen war für die südkoreanische Dokumentarfilmerin Sung-Hyung Cho, seit 17 Jahren in Deutschland wohnhaft, ein prächtiger Anlass für einen Film. Doch aus der anfänglichen Idee, das Festivalgeschehen vor dem Hintergrund des Dorfes abzubilden, wurde genau das Gegenteil: Ein berührendes Porträt des ländlichen Lebens, das von dem alljährlichen Irrsinn teils maßgeblich, teils fast gar nicht beeinflusst wird. Cho: „Schon kurz nach Beginn der Produktion bin ich draufgekommen, dass die Dorfbewohner die viel interessanteren Protagonisten abgeben als die Metalheads. Die sind einfch nur drei Tage lang happy – und es ist doch langweilig, Leuten beim Glücklichsein zuzusehen. Das wirklich Interessante sind doch die Dramen!“ Und bei den Dorfbewohnern fand Cho ihre Dramen – kleine, große, skurrile und ernste, die alle genug Raum bekommen, sich zu entwickeln. Die zwei Cousinen z. B., Dorfschönheiten im Teenageralter, die von einer Karriere im Modelbusiness träumen und davon, mal rauszukommen aus Wacken, „in den Süden … nach Bayern vielleicht!“ Oder die ältliche Dame, die als junge Frau aus Ostpreußen vertrieben wurde und nun nach vielen Entbehrungen ihr Glück bei Gruppentanz und Kaffeekränzchen sucht – und gar nicht versteht, warum sich nur wenige hundert Meter weiter Tausende junge Leute satanischem Lärm hingeben und das auch noch gut finden. Oder die örtlichen Bauern, die mit ganz unterschiedlichen Mitteln versuchen, sich den rasanten Veränderungen ihres uralten Berufsstandes zu stellen und dabei fast nebenbei Lebensweisheiten ablassen, mit denen andere ganze Bestsellerlisten füllen würden.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Full Metal Village
Originaltitel Full Metal Village
Genre Dokumentation
Land, Jahr Deutschland, 2006
Länge 90 Minuten
Regie Sung-Hyung Cho
Drehbuch Sung-Hyung Cho
Kamera Marcus Winterbauer
Schnitt Sung-Hyung Cho
Musik Peyman Yazdanian
Produktion Helge Albers, Konstantin Kröning
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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