Hustlers

USA, 2019

TragikomödieDrama

Die Wäschegelderei: Im stylish-feministisch pulsierenden Überraschungs-Hit des US-Kinoherbstes legen Jennifer Lopez und Constance Wu als Luxus-Stripperinnen zuerst fachfräulich ab – und ihre schmierige Spekulanten-Klientel später ungeniert rein.

Min.110

Start11/29/2019

Wie hätte das gern verschmähte Showgirls wohl ausgesehen, wenn es nicht von einem alten Saubartl wie Paul Verhoeven verantwortet worden wäre, sondern von einer Filmemacherin? Lorene Scarfia bietet nun eine Auflösung dieses Gedankenexperiments – dann aber auch wieder nicht. Denn genauso gut könnte man Hustlers eine Verwandtschaft mit Martin Scorseses Meisterwerk Goodfellas attestieren – oder dem unterschätzten Widows aus 2018. Aber der Reihe nach: Die (wahre) Geschichte heftet sich an die Fersen von Dorothy (Constance Wu) – weil sie konstant klamm ist, heuert sie in einem Edel-Stripschuppen an, wo sie die erfahrene Ramona (Jennifer Lopez) unter ihre Fittiche nimmt und „Destiny“ (wie sie sich nun nennt) zeigt, wie das geht mit den Moves an der Stange und dem Aussackln von Wall Street-Typen. Und siehe da: Es kommt dabei tatsächlich gut Geld rum – zumindest bis 2008 die Finanzkrise hart zuschlägt und die Kunden knausriger werden und nach Zusatzleistungen verlangen lässt. Die Frauen nehmen nun das Heft des Handels selbst in die Hand: Sie schalten ihre mitschneidenden Mittelsmänner aus, ködern reiche Typen auf eigene Faust, betäuben sie mit Drogen-Cocktails und „leihen“ sich ihre Kreditkarten, um diese bis zum letzten Cent auszureizen. Irgendwie muss man sich an den gierigen Spekulanten, die einem den ganzen Schlamassel eingebrockt haben, ja auch schadlos halten …

Strippers are doin’ it for themselves – und das ist verdammt vergnüglich anzuschauen. Weil Regisseurin Scarfia hier einen visuell sensationellen Film vorlegt, der zwar an der Stange spielt, aber nicht von der Stange ist. Weil sie ihre Figuren und deren Beweggründe ernst nimmt, dabei aber auf den guten Schmäh nicht vergisst. Und weil Jennifer Lopez ihren stärksten Auftritt seit "Out of Sight" hat. In den USA langte diese kraftvolle Kombi für den Überraschungs-Blockbuster des Herbstes – und das völlig zurecht.


 Text: Christoph Prenner

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