Bissfest!

Interview mit Ferzan Ozpetek zu Männer al dente

Ferzan Ozpetek ist zwar ein türkischer Regisseur, lebt aber seit seinem Filmstudium in Italien - und hat uns in den letzten Jahren einige der schönsten Porträts turbulenter italienischer Großfamilien geschenkt.

SKIP: Woher kommt eigentlich die schräge Grundidee zu diesem Film?

Ferzan Ozpetek: Ich habe vor Jahren in New York bei einem Abendessen zwei Brüder kennengelernt, zwei sehr gutaussehende junge Männer. Der eine von ihnen war ganz traurig, und als ich ihn gefragt habe, was denn los sei, erklärte er mir: "Ich wollte meiner Familie endlich erzählen, dass ich schwul bin. Und nun ist mir mein Bruder zuvor gekommen mit demselben Geständnis, und ich weiß nicht, was ich tun soll. Meine Mutter sagt nun, ich sei so wichtig für die Familie, und mein schwuler Bruder würde gar nicht mehr zählen - und ich müsse nun unbedingt heiraten, Kinder kriegen und den Familiennamen weiterführen!“ Für ihn war die Situation wirklich schwierig, weil er das Gefühl hatte, nicht mit der Mutter reden zu können - und diese Geschichte war die Grundidee.

SKIP: Im Film diskutieren die beiden Brüder, dass noch vor ein paar Jahren ein Coming-out einfacher gewesen wäre als heute. Liegt das vielleicht am italienischen Regierungschef Berlusconi, der vor laufenden Nachrichtenkameras Witze über Schwule macht? Und: Ist es heute schwieriger, in Italien einen solchen Film zu drehen?

Ferzan Ozpetek: Zum Glück spielt die Politik für mich keine große Rolle, weil ich nie irgendwelche Finanzierungen von öffentlicher Hand gebraucht habe. Ich bin in der beneidenswerten Lage, gleich vom ersten Film an, Hamam, erfolgreich gewesen zu sein - und das gibt einem finanzielle Sicherheit und die Freiheit, sich seine Themen selbst wählen zu können. Es hat sich aber tatsächlich die Einstellung verändert, die Art des Humors, und leider auch das, was rundherum in der Welt passiert.

SKIP: Im Zentrum des Films steht eigentlich die Beziehung der beiden Brüder zum Vater. Ist das autobiografisch?

Ferzan Ozpetek: Ja, aber nicht was mein Coming-out angeht, sondern was die Akzeptanz meines Vaters gegenüber meinen Entscheidungen betrifft. Bei meiner Filmfigur ist es die Schriftstellerei, bei mir war es das Filmemachen: Ich studierte in Italien, und mein Vater finanzierte mir das Studium. Aber er war mit meiner Berufswahl Filmemacher nicht einverstanden und wollte unbedingt, dass ich als Übersetzer im Tourismusinstitut arbeitete! Ich hätte da viel Geld verdient, hätte ein Auto haben können und ein Haus - aber ich hätte meinen Traum verraten, und das habe ich ihm auch gesagt. Mein Vater war stocksauer auf mich und strich mir alle Unterstützung - aber zugleich spürte ich auch seine Bewunderung für meinen Mut. Meinen Erfolg nahm er aber nie zur Kenntnis. Erst als ihn später jemand ansprach und fragte, ob er denn nicht der Vater des wunderbaren Regisseurs Ferzan Ozpetek sei - da war er dann endlich stolz auf mich (lacht)!

Interview: Magdalena Miedl / Juni 2010

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