Only the Lonely

Interview mit Urszula Antoniak zu Nothing Personal

Mit ihrem Erstlingsfilm Nothing Personal erzählt die Regisseurin Urszula Antoniak eine zutiefst persönliche Geschichte, im SKIP-Interview erklärt sie die Hintergründe - und warum ein bisschen Alleinsein uns allen gut tut.

SKIP: Ihre Hauptdarstellerin Lotte Verbeek hat sich beschwert, Sie hätten ihr einiges abverlangt zur Vorbereitung auf die Rolle ...

Urszula Antoniak: Ja, ich bat sie um ein paar Dinge. Das erste war, nicht in den Spiegel zu schauen. Sie ist eine sehr schöne Frau, wie Sie wissen, und sie macht sich gern hübsch, das war also richtige Folter für sie (lacht). Außerdem durfte sie keine Musik hören, ihre Haare nicht waschen, keine E-Mails schreiben und lesen, sie sollte möglichst wenig mit Menschen reden - also sich möglichst gut auf diesen Status der Isolation vorbereiten, um den es im Film geht. Wenn man tagelang mit niemandem spricht, wird die Stimme ganz rau. Wenn man zwei Wochen keine Musik hört und dann zum ersten Mal wieder, dann hat das eine unglaubliche Wirkung. Wenn man lange nicht in den Spiegel schaut, denkt man nicht mehr über sein Aussehen nach. Und wenn man keine anderen Menschen trifft, sieht man sich selbst auch nicht mehr durch die Augen anderer Leute. Einsamkeit ist nicht unbedingt schlecht, sondern ein Zustand, der eine gewisse Dynamik hat. Ich habe versucht, sie in diesen Zustand zu versetzen, ohne dass sie am Straßenrand schlafen musste (lacht).

SKIP: Wie Sie diese Einsamkeit beschreiben, klingt das nach einer Erfahrung, die uns allen gelegentlich gut tun würde.

Urszula Antoniak: In der westlichen Kultur ist Einsamkeit meistens mit Versagen verknüpft. Wenn man nicht ständig mit einem erfüllten Sozialleben beschäftigt ist, dann muss etwas falsch mit einem sein! Im Osten hingegen ist es nicht ungewöhnlich, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, zu meditieren. Alleinsein kann sehr bereichernd sein. All die Gurus und Zen-Meister haben sich nicht beschwert, dass sie alleine sind, sie haben sich nicht als Versager gesehen. Wenn man sich absichtlich für die Einsamkeit entscheidet, ist das etwas Nobles, finde ich, ein Zeichen der Stärke.

SKIP: Sie haben selbst Einsamkeit nach einem großen Verlust erlebt. Empfinden Sie den Film als autobiografisch?

Urszula Antoniak: Nun, Nothing Personal handelt von einer Frau, die die Einsamkeit wählt, und am Ende wird sie dann allein gelassen. Das sind zwei unterschiedliche Schattierungen des Zustands, allein zu sein. Bei mir war es aber umgekehrt. Mein Partner starb und ließ mich allein zurück, und in den Jahren danach fand ich meinen Weg in die Einsamkeit und erkannte sie als menschlich bereichernden Zustand, in dem man gut nachdenken kann. Es ist nicht so schlimm, allein zu sein. Ich wollte einen Film machen über das Alleinsein aus freiem Willen, als Zeichen der Freiheit, der Stärke, der Rebellion sogar.

SKIP: Warum haben Sie Stephen Rea und Lotte Verbeek engagiert?

Urszula Antoniak: Wir wissen sehr wenig über die Psychologie der Figuren, die beiden sind fast ikonische Beispiele einer Rebellin und eines Weisen. Deswegen fand ich, die Gesichter der beiden Schauspieler müssten ebenso diese ikonischen Verkörperungen sein. Für mich hat Lotte das Gesicht einer ewigen Rebellin, ein androgynes, sehr verschlossenes Gesicht, wie eine Maske, man kann nicht vorhersagen was in ihrem Kopf passiert und was sie als nächstes tun wird. Ihr Gesicht kann sehr verletzlich, aber auch sehr grausam wirken. Ich finde diese Zweideutigkeit sehr interessant.

SKIP: Und was sprach für ihn?

Urszula Antoniak: Ich dachte mir: Was ist das wichtigste Element im Gesicht eines Weisen, eines Gottes, eines ewigen Wissenden? Es muss ein Hauch Sarkasmus sein - und das hat Steven in seinem Gesicht, diesen ironischen Zug. Es war zwar nicht immer einfach mit ihm am Set, aber es hat sich ausgezahlt, die beiden sind eine wunderbare Kombination.

Interview: Magdalena Miedl / März 2010

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