Brandbeschleuniger

Interview mit Russell Brand zu Männertrip

Sexsüchtig, drogensüchtig, abgewrackt, von Auftraggebern gefürchtet, von Paparazzi verfolgt: Das war Russell Brand mal. Mittlerweile ist er clean und brav mit Katy Perry verlobt - dafür pflegt der geniale Brit-Comedian das Rock-‘n‘-Roll Image auf der Leinwand um so heftiger.

SKIP: Wenn man deine Biografie durchblättert, wirkt es so, als hätte dieser Film durchaus das eine oder andere autobiografische Element - oder täuscht das?

Russell Brand: Ach, da gibt es schon ein paar spezifische Details… Als Nicholas Stoller den Film schrieb, sprachen wir eine Menge über meine Erfahrungen, und da hat er einiges eingebaut. Es ist aber noch nicht so nah an der Wahrheit dass es wehtut, sondern macht echt Spaß - und ist wohl gewissermaßen auch eine Art Läuterung für mich.

SKIP: Deine Filmfigur, den Rockstar Aldous Snow, kennen wir schon aus einem kleinen Auftritt in der Komödie Nie wieder Sex mit der Ex. Was ist das für ein Typ?

Russell Brand: Er ist ein rücksichtsloser, selbstzerstörerischer, genusssüchtiger wilder Mann, ein Wirbelwind aus Kreativität und Zerstörung, so à la Hindu-Gottheit Shiva. (lacht) Man könnte doch meinen, da gibt es Ähnlichkeiten zu mir. (grinst)

SKIP: Und woher wusstest du, wie das Leben eines Rockstars abläuft?

Russell Brand: Unglücklicherweise zähle ich einige waschechte Rockstars zu meinen Freunden, also ja, da habe ich einige Bezugspunkte. Aber sind wir nicht alle insgeheim Rockstars? Für den Film hatte ich da diesen Gig vor 3000 Statisten im Greek Theater und musste Rock-‘n‘-Roll-Songs performen. Die haben mich gefragt: Brauchst du Proben? Und ich sagte: Ach was, ich hab schon geprobt, seit ich sieben Jahre alt war: Vor dem Badezimmerspiegel, allein, und die Zahnbürste war mein Mikrofon! Dieser Film ist also echt die Erfüllung. Nicht alle einsamen Badezimmeraktivitäten meiner Jugendzeit haben solche Früchte getragen! (lacht)

SKIP: Welcher Rockstar wolltest du sein mit sieben?

Russell Brand: Mit sieben? Elvis! Zwölf, dreizehn? Morrissey! Und jetzt - der fiktive Aldous Snow!

SKIP: Wie viel von Aldous Snow hast du selbst erfunden?

Russell Brand: Oh, jede Menge! Als ich für Nie wieder Sex mit der Ex vorgesprochen habe, war die Figur ein Bücherwurm, ein Hugh-Grant-artiger Schriftsteller. Alles, was an Aldous Snow nicht bücherwurmig und Hugh-Grant-artig ist, ist meine Erfindung! (grinst)

SKIP: Jason Segel, der Hauptdarsteller in Nie wieder Sex mit der Ex, hatte in dem Film zwei sehr offensive Nacktszenen. Sehen wir sowas nun auch von dir?

Russell Brand: Nein, sorry! Aber wir haben überall unterschwellig Bilder von Jasons nacktem Penis im ganzen Film eingebaut. Darauf hab ich bestanden!

SKIP: Ich hab gehört, dass es Überlegungen gibt, deine wilde Autobiografie My Booky Wook zu verfilmen. Was ist da der letzte Stand?

Russell Brand: Das haben wir bis auf weiteres auf Eis gelegt. Ursprünglich wollte ich mich da selbst spielen, der geniale Michael Winterbottom hatte für die Regie zugesagt. Aber ich hab grade überhaupt keine Lust, mich selbst spielen, das ist scheißanstrengend!

SKIP: Lag es daran, dass du manche deiner Erfahrungen nicht noch einmal durchleben wolltest?

Russell Brand: Nein, die meisten Sachen, die da hart wären, kommen ohnehin schon in Männertrip vor: Die Qualen des kalten Entzugs, die blöden Streitereien wer jetzt Drogen auftreibt, nein, daran lags nicht. Es geht eher darum, das richtige Projekt zur richtigen Zeit zu machen, und es war einfach nicht der rechte Moment.

SKIP: Viele Leute, die auf Entzug waren, haben keine besondere Lust, auch nur in ein Pub zu gehen. War das kein Problem, jetzt einschlägige Situationen nachzuspielen?

Russell Brand: Ach, ich hab keine Angst vor der Nähe zu meiner Vergangenheit, ich hab damit Frieden geschlossen. Und ich fand es witzig, das zu spielen. Ich denke, jeder abstinente Süchtige wünscht sich insgeheim, wieder zu trinken und Drogen zu nehmen ohne Konsequenzen. Und das zu spielen ist verdammt nah dran - zumindest so nah wie ich irgend kommen kann. Ob ich es durchhalte? Wer weiß. Für heute bin ich okay. Und was morgen ist, darum kümmere ich mich morgen.

SKIP: Wird‘s wieder ein Musikvideo von Aldous Snow geben, wie schon in Nie wieder Sex mit der Ex?

Russell Brand: Ja, eine Menge (gibts schon auf youtube, Anm.), ich hab schon einen richtigen Back-Katalog, wie ein echter Popstar. Wir haben 15 Songs aufgenommen und drei oder vier Videos gedreht. Wenn ich aus dieser Sache hier nicht als total globaler Rockstar rauskomme, werde ich meine Zeit als verschwendet betrachten. So eine Parallelkarriere, das wär doch reizend, nicht?

SKIP: Wenn dir jemand einen Plattenvertrag anbieten würde, würdest du den annehmen?

Russell Brand: Im Ernst? Ich glaube nicht. Natürlich ändern sich meine Grundsätze manchmal, wenn mir jemand viel Geld anbietet, aber ich denke nicht dass mich das interessieren würde. Ich bin Komiker, kein Sänger. Echte Rockstars nehmen sich so schrecklich ernst - und mir fällt es ganz schön schwer, mich ernst zu nehmen. Dazu kenne ich mich selbst viel zu gut.

SKIP: Du hast im Film etliche Szenen mit Puff Daddy. Wie nennst du ihn?

Russell Brand: Ich hab ihn am Anfang Shaun genannt, dann Diddy, jetzt Puffy. Wer weiß, was er sich als nächstes einfallen lässt!

Interview: Magdalena Miedl / August 2009

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