Die Patin

Interview mit Sofia Coppola zu Somewhere

Familienehre. Jetzt räumt Sofia Coppola (Lost in Translation) mit Somewhere schon wieder die Filmpreise ab - sehr zum Stolz von Papa Francis Ford. SKIP traf sie noch vor der Preisverleihung am Lido.

SKIP: So viele Filme werden in Los Angeles gedreht - aber Somewhere ist seit langem wieder mal einer, der auch wirklich in L.A. spielt und es nicht nur als Kulisse für etwas anderes nutzt.

Sofia Coppola: Ja, das hat mich beim Schreiben auch sehr inspiriert. Los Angeles hat sich so verändert seit der Zeit, als ich als junger Twen dort gelebt habe. Damals sind wir auch ins Chateau Marmont gegangen, einfach zum Abhängen, aber da gab es dieses Celebrity-Ding noch nicht in dem Ausmaß wie heute. Es gab keine Reality-Shows, es gab nicht soviele Boulevardblätter wie heute und auch kaum Paparazzi. Wie sich das verändert hat, fand ich schon spannend. 

SKIP: Aber das Chateau Marmont ist nach wie vor ein ziemlich seltsamer Ort, oder? Ein falsches Schloss am Sunset Strip, das ist doch eigentlich recht bizarr ...

Sofia Coppola: Ja, schon. Aber es ist auch irgendwie romantisch, und hat durchaus auch schon seine eigene Geschichte. So viele berühmte Leute haben dort gelebt. Schon allein deshalb wollen viele junge Schauspieler dort sein. Und es ist auch auf eine Art bohemian, nicht zu schick, deshalb gilt es auch als irgendwie cool, wenn man dort lebt.

SKIP: Hatte die Tatsache, dass Sie selbst Mutter geworden sind, eigentlich Einfluss auf die Entscheidung, einen Film über eine Vater-Kind-Beziehug zu machen?

Sofia Coppola: Ja, natürlich. Nach Marie Antoinette bekam ich meine Tochter Romy (Sofia ist mit dem französischen Musiker Thomas Mars zusammen, ihr zweites gemeinsames Kind Cosima wurde heuer im Juni geboren, Anm.) Ich nahm mir eine Auszeit, und als ich dann darüber nachdachte, was ich als nächstes schreiben könnte, kam mir natürlich zuerst in den Sinn, wie die Elternrolle die Perspektiven verändert.

SKIP: Sie haben erzählt, dass die Szene im Film, in der Filmstar Johnny Marco mit seiner 11-jährigen Tocher nach Mailand fliegt, um sich dort einen Filmpreis abzuholen, von ganz ähnlichen Erlebnissen geprägt ist, die Sie mit ihrem Vater hatten. Haben Sie mit ihm öfter solche Trips gemacht?

Sofia Coppola: Meistens sind wir gleich mit der ganzen Familie gekommen, wenn mein Vater gearbeitet hat. Aber ich bin in dem selben Alter wie Cleo im Film auch ein paar mal mit meinem Dad alleine gereist, überall hin. Da dann immer an der Erwachsenenwelt teilhaben zu dürfen, fand ich natürlich sehr aufgegend - vielleicht gerade weil ich im Nachhinein betrachtet nicht immer verstanden habe, was da wirklich abgeht.

Interview: Kurt Zechner / September 2010

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