Apocalypse Now!

Interview mit Harald Sicheritz zu 3faltig

Das Ende ist nah! Macht nix, wir sind dann mal im Kino. Der Verkünder der frohen Botschaft, Regisseur Harald Sicheritz (Hinterholz 8, Poppitz, MA2412), über Jesus-Casting, religiöse Gefühle und künstliche Azkente - ein SKIP-Gespräch zwischen Wunder und Weltuntergang.

SKIP: Der Heilige Geist verkauft religiösen Ramsch, Jesus kehrt als Christl auf die Erde zurück - wer denkt sich sowas aus?

Harald Sicheritz: Die ursprüngliche Idee stammt vom Christian Tramitz, der mich schon 2005 gefragt hat, ob ich Regieführen möchte.

SKIP: Gabs nie Befürchtungen, wegen des religiösen Themas anzuecken?

Harald Sicheritz: Nein, diese Sorge habe ich gar nicht. Unser Film ist ja das seit langem Angenehmste, das der katholischen Kirche passiert ist (lacht). Davon abgesehen verspotten wir ja nichts. Und sich die Frage zu stellen, wie es dem Heiligen Geist denn 2010, 2011 so geht, finde ich sehr charmant und spannend.

SKIP: Eine gewisse Unruhe wird sich aber nicht vermeiden lassen ...

Harald Sicheritz: Mag sein, aber in diesem Zusammenhang würde ich gern darauf hinweisen, dass das Christentum - wie ich finde auch zurecht - die Grundtugend der Toleranz für sich in Anspruch nimmt. Kritikfähigkeit gegenüber dem eigenen Gebäude aufzubringen, halte ich für sehr wesentlich - für jede Weltreligion. Wenn man nicht mit Menschen verglichen werden will, die es nicht ertragen, dass Mohammed karikiert wird, muss man ertragen, dass jemand sich mit der Bibel auseinandersetzt.

SKIP: Wie schwer war es, die Rolle des Christl zu besetzen?

Harald Sicheritz: Es war von Anfang an klar, dass Christian Tramitz die Idealbesetzung für den Heiligen Geist sein würde, aber über den Christl gabs Gespräche. Letztlich wars aber nicht schwierig, die Leute von Matthias Schweighöfer zu überzeugen. Gleich beim ersten Treffen war klar, dass es mir gut ging mit ihm, und dass er auch mit den anderen harmonieren würde.

SKIP: 3faltig ist eine bayrisch-österreichische Koproduktion - mit überraschendem Sprachengewirr ...

Harald Sicheritz: Ja, alle haben eine eigene Sprache: Christian Tramitz spricht bayrisch, Matthias Schweighöfer berlinerisch, Adele Neuhauser tschechisch, und Roland Düringer versucht sich mit großer Hingabe in vorarlbergerisch. Ich lege ja eigentlich Wert darauf, dass die Menschen so sprechen, wie sie wirklich sprechen und keine Kunstsprache. Aber mit wienerisch gibts oft Schwierigkeiten, da mussten wir leider auch schon hintennach darübersynchronisieren. Diesmal gibts in Deutschland aber nicht das geringste Verständlichkeitsproblem.

SKIP: Sie arbeiten öfter mit den selben Leuten zusammen, wie Düringer und Dorfer. Ist das Zufall oder sind sie einfach auf einer Wellenlänge?

Harald Sicheritz: Dazu muss ich sagen, dass die Wahrnehmung wohl so ist, aber mit Matthias Schweighöfer habe ich zum Beispiel überhaupt noch nie gearbeitet, mit Alfred Dorfer schon seit MA2412 nicht mehr. Der Eindruck täuscht also. Mit Roland Düringer arbeite ich relativ oft, einfach weil er ein unheimlich guter und wandelbarer Schauspieler ist.

SKIP: Sie haben jetzt schon länger keine Komödie mehr fürs Kino gemacht ...

Harald Sicheritz: Ich habe viel fürs TV gearbeitet (11er-Haus, Mutig in die neuen Zeiten, Vier Frauen und ein Todesfall, Anm.), Themen, die im Qualitätsfernsehen gut aufgehoben waren. Aber natürlich mache ich immer lieber Kinofilme. Kino ist die Kathedrale der Bilder. Und 3faltig war reizvoll, weil der Film auf keiner gewohnten Schiene läuft, deshalb waren ja auch die Schauspieler gern und mit großer Spannung dabei. Wie oft im Leben hat man schon die Chance, Christl oder Hage zu spielen?

SKIP: Wollen Sie mit 3faltig auch eine Botschaft anbringen oder nur unterhalten?

Harald Sicheritz: "Nur unterhalten" - das könnte ich gar nicht. Weil, jeder Moment, in dem man die Menschen zum Lachen bringt, beinhaltet ja automatisch eine Auseinandersetzung mit gerade eben diesem Moment. Vielleicht ist meine Botschaft am ehesten, dass es eine durchaus würdige Sache ist, zu glauben. Aber dass es den Menschen nicht schadet, zu wissen, dass es etwas gibt, was sie erleben, und etwas, das sie glauben. Und dessen sollte man sich stets bewusst sein.

Interview: Dina Maestrelli / August 2010

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