Teufel mit Elektromotor

Interview mit Roland Düringer zu 3faltig

In Harald Sicheritz’ schwarzer Komödie 3faltig spielt Roland Düringer eine sehr teuflische Figur. Im SKIP-Interview erklärt er, was ihn am Filmemachen wirklich interessiert, wie er seine Kabarett-Programme schreibt und was ihn trotz seiner 47 Jahre noch aufs Motorrad lockt.

SKIP: Wie ist eigentlich Ihre Vorstellung vom Teufel und vom lieben Gott?

Roland Düringer: Naja ... als Kind wurde ich, natürlich ohne gefragt zu werden, in eine Gruppe eingeteilt, die hieß "röm.kath.“, da gehörte ich dann wie so viele in diesem Lande automatisch dazu und genoß den Religionsunterricht in der Schule. Ich war damals also "mit Bekenntnis“, das hab ich allerdings später, als ich selber denken konnte, blitzartigst geändert. Aber eigentlich war der Religionsunterricht ja ein lustiger Unterricht, weil da im Unterschied zu den anderen Fächern Geschichten erzählt wurden, aus dem Alten und dem Neuen Testament. Die sind wie Märchen, mit Mord und Totschlag. Und man konnte viele interessante Dinge fragen, wie: "Tut es weh, wenn man gekreuzigt wird?“ Sowas ist ja super für Kinder. Die ganze Geschichte von der Dreifaltigkeit ist ja nichts anderes als ein Märchen, das ja nicht von denen erzählt wurde, die dabei waren, sondern erst von ein paar anderen Typen 200, 300 Jahre später. Also eine erfundene Geschichte. Und wenn man mal weglässt, warum diese Geschichte erfunden wurde, nämlich um Macht über andere Menschen zu bekommen, ist es eigentlich eine ziemlich gute Geschichte. Daraus kann man viel machen, genauso wie man aus den Piratengeschichten die Pirates of the Carribean machen kann.

SKIP: Sie bekommen ja sicher nicht wenige Filmrollen angeboten. Was hat Ihnen an genau diesem Projekt so gefallen, dass Sie mitgemacht haben?

Roland Düringer: Es ist einfach eine unglaublich witzige Geschichte, außerdem hat es mich gereizt, nochmal mit Christian Tramitz zu arbeiten, den mag ich sehr. Den Harald Sicheritz sowieso. Das ist generell das, was mich am meisten interessiert, wenn ich ein Drehbuch auf den Tisch bekomme: das ganze Drumherum. Der Inhalt ist eigentlich fast nebensächlich. Wenn ich mit lieben Menschen zusammenkomme und ein paar schöne Tage in einer netten Gegend drehen kann, dann wird das für mich interessant.

SKIP: Die Gage ist auch kein Argument?

Roland Düringer: Ich lebe davon, dass ich auf der Bühne stehe und rede. Da kann ich entscheiden, was ich sag und wie und wo ich es sage. Filme sind für mich ganz was anderes, ich möcht das jetzt zwar nicht gerade "Hobby“ nennen, aber jedenfalls muss ich das nicht machen. Wenn mir jemand einen Film anbieten würde, wo ich sechs Wochen lang in Wien im Winter auf der Straße drehe, würd ich sicher nein sagen. Es würde mein Leben nicht bereichern, im Winter zehn Tage am Praterstern rumzulungern.

SKIP: Sie schreiben gerade ja auch an einem neuen Kabarettprogramm …

Roland Düringer: Es ist sogar schon fertig, und ich freu mich drauf, dass ich das jetzt eine zeitlang spielen werde.

SKIP: Wie entwickeln Sie Ihre Programme?

Roland Düringer: Nun, ich hab eine Idee, die schreib ich dann auf. Wenn ichs geschrieben habe, kann ichs eh schon auswendig, dann stell ich mich einfach vors Publikum und spreche. Proben oder so tu ich nicht, ich hab auch keinen Regisseur.

SKIP: Sie testen es auch nicht voher ab, an Freunden oder Verwandten?

Roland Düringer: Nicht wirklich. Meine Frau ist manchmal neugierig und sagt: "Geh lass mich ein bissl was lesen“, dann lass ich sie halt ein bissl was lesen, und das gefällt ihr meistens eh. Aber ich mach meine Programme nicht, weil ich bei den Leuten gut ankommen will, sondern weil ichs machen muss und weil ichs gern tu. Ich hab halt das große Glück, dass meistens das, was mir gefällt, den anderen auch gefällt. Meistens, net immer.

SKIP: Schlechte Kritiken machen Ihnen auch nichts aus?

Roland Düringer: Nein. Ich kann ja niemanden zwingen, dass ihm das gefällt, was ich mach. Jeder steht eben auf was anderes: Manche mögen rote Autos, manche mögen lieber schwarze ... Ich nehm das nicht  persönlich, es ist ja nur ein ganz kleiner Teil meines Lebens, den ich auf der Bühne verbringe. Allerdings freu ich mich dann konsequenterweise auch nicht wirklich über gute Kritiken.

SKIP: Sie sind ein sehr akribischer Beobachter von Menschen. Ist Ihre Arbeit in dem Sinne ein 24-Stunden-Job?

Roland Düringer: Schon, ja. Obwohl das keine bewusste Tat ist, dass ich mir vornehme "Ich muss jetzt Menschen beobachten, weil ich das und das spielen muss“, sondern ich mach das sowieso immer. Und ich würde das niemals als Arbeit bezeichnen. Ich habe noch nie in meinem Leben gearbeitet, außer kurz nach der Schule, da hab ich Geld verdienen müssen für meine Schauspielausbildung. Danach habe ich einfach aufgehört, zu arbeiten.

SKIP: Fahren Sie eigentlich noch Motocross-Rennen?

Roland Düringer: Ich hab das mittlerweile sein lassen, weil jetzt bin ich schon 47, und der Körper kann das nimmer so wie früher. Aber ich hab mir jetzt eine Elektro-Motocross-Maschine gekauft, mit der bin ich jetzt gerade drei Tage lang am Großvenediger rauf- und runtergefahren, das war supergeil.

Interview: Kurt Zechner / September 2010

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.