Ab in die Kiste

Interview mit Ryan Reynolds zu Buried - Lebend begraben

Wenn sich ein Mann statt neben seine Ehefrau Scarlett Johansson lieber für Wochen in eine Holzkiste legt, dann muss er dafür schon einen sehr guten Grund haben. Im SKIP-Interview erklärt Ryan Reynolds, was der Sarg im Ausnahme-Thriller Buried mit den Transformers zu tun hat - und warum ihn Scarlett in der Früh immer schimpfen muss.

SKIP: Sie waren zwar für den Filmdreh schon wegen der Kameras nicht wie Ihre Filmfigur die ganze Zeit in einem verschlossenen Sarg eingesperrt - aber doch auf extrem engen Raum beschränkt. Wie war das?

Ryan Reynolds: Arg. Man stellt sich natürlich vorher vor, wie das ungefähr sein könnte, aber als ich dann mal im Sarg lag, erkannte ich, dass das alles totaler Blödsinn war. Und auch wenn ich natürlich wusste, dass ich da jederzeit rausklettern könnte - dieses beklemmende, klaustrophobische Gefühl der Machtlosigkeit ist wirklich gruselig.

SKIP: Stimmt es eigentlich, dass für den Film sieben verschiedene Särge angefertigt wurden?

Ryan Reynolds: Ja!

SKIP: Warum genau sieben?

Ryan Reynolds: Das hatte technische Gründe - ganz genau hab ich das auch nicht verstanden, aber jeder konnte was anderes. Das waren ja nicht nur Holzkisten, sondern totale Hightech-Maschinen, die sich bewegten und veränderten wie Transformers (lacht). Echt! Es hatte auch jeder einen eigenen Namen. Einer hieß "The Joker“ - obwohl der eigentlich der am wenigsten Lustige war (grinst).

SKIP: Wie ist das für einen Schauspieler, wenn der Bewegungsspielraum so derartig limitiert ist?

Ryan Reynolds: Enorm herausfordernd. Man kann nicht schwindeln, es ist alles in Nahaufnahme, und jede kleinste Geste zählt - wenn man in so einem Film einen einzigen Moment lang nicht total wahrhaftig rüberkommt, dann ist man im Arsch. Aber das ist natürlich auch enorm faszinierend, ich habe ganz neue Seiten an mir entdeckt ...

SKIP: Zum Beispiel?

Ryan Reynolds: Etwa, dass ich gar nicht so immun bin gegen Angst und Furcht wie ich immer geglaubt habe. Ich wuchs in einer Polizistenfamilie auf, da hatte man keine Angst zu zeigen, schon gar nicht als Mann. Und hier musste ich einen Mann spielen, der stundenlang von Todesangst getrieben wird, der total in Panik verfällt, und natürlich musste ich das auch selber fühlen und zulassen, denn da im Sarg ist kein Platz, den harten Mann zu spielen. Das war eine sehr verstörende Erfahrung für mich.

SKIP: Haben Sie selbst schon mal eine Situation erlebt, in der es wirklich um Leben oder Tod ging?

Ryan Reynolds: Mit 21 Jahren hat mir mal jemand eine Pistole an den Kopf gehalten - ein Nachbar, dem es an dem Tag, nun ja, nicht besonders gut ging. Ich bin überraschend cool geblieben, da bin ich heute noch stolz drauf. Ja, und mit 19 hat sich beim Skydiven der Fallschirm mal nicht geöffnet. Auch damals hab ichs geschafft, halbwegs cool zu bleiben und den Ersatzschirm gerade noch rechtzeitig zu öffnen. Aber als ich unten war, hab ich mir dann sehr heftig gewünscht, ich hätte eine Erwachsenenwindel angehabt.

SKIP: Mr. Reynolds, Ihre Frau Scarlett Johansson hat gerade ein neues Haus in L.A. gekauft. Sie haben eine Wohnung in New York. Leben Sie in getrennten Haushalten?

Ryan Reynolds: Man kann unsere Haushaltsführung nicht mit herkömmlichen Begriffen definieren, denke ich - unser Leben, und da spreche ich definitiv auch für meine Frau (lacht), verlief generell nie in konventionellen Bahnen. Dennoch führen wir den Umständen enstprechend eigentlich eine sehr normale Ehe. Und wir leben nicht getrennt, sondern halt gemeinsam mal hier, mal dort.

SKIP: Wie sieht denn so ein normaler Tag bei Ihnen aus?

Ryan Reynolds: Naja, ich wache in der Früh auf, gehe mit dem Hund raus, dann trinke ich einen großen Schluck Milch - direkt aus der Packung, und Scarlett ermahnt mich, dass ich gefälligst ein Glas nehmen soll (lacht). Und so weiter. Ich könnte ihnen jetzt den ganzen Tagesablauf runterbeten aber das wäre unendlich langweilig, glauben Sie mir!

SKIP: Sie beide sind ein richtiges Traumpaar. Wann war eigentlich der Moment, an dem Sie wussten: "Das ist es jetzt! Sie ist die Frau meines Lebens!“?

Ryan Reynolds: Schwer zu sagen. In einer Beziehung gehts um so viel. Die Gewissheit, dass man jemanden gefunden hat, mit dem man zusammenbleiben will, die kommt ja nicht über Nacht, nicht so wie im Kino (lacht) - man kann das nicht auf einen einzigen Moment herunterbrechen. Wir haben uns halt genau zum richtigen Zeitpunkt kennengelernt, als wir beide dazu bereit waren, uns aufeinander einzulassen.

Interview: Jenny Cooney / Text: Gini Brenner / September 2010

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