Liebesspiele

Interview mit Julia Koschitz zu Der letzte schöne Herbsttag

Heimat ist für Julia Koschitz, 35, nicht mit Orten, sondern eher mit Gefühlen verbunden - und so ist sie in Wien und München, im Theater, im Kino (Der Fall des Lemming) und im Fernsehen (Doctor’s Diary) gleichermaßen zuhause.

SKIP: In Der letzte schöne Herbsttag geht es um die wohl ewige Nummer 1 der Beziehungsprobleme-Hitliste: Die Frau empfindet den Mann als kalt, der Mann empfindet die Frau als nervig - und beide sitzen letztlich einem Missverständnis auf.

Julia Koschitz: Ich fand das total interessant, wie es in diesem Film behandelt wird. Weil man hier die zwei Liebenden nicht einfach nur beobachtet, sondern durch ihre vielen Monologe wirklich kennenlernt. Ich hab mich sehr stark darauf konzentriert, keine "prototypische“ Frau darzustellen, sondern eine ganz eigene, ungewöhnliche Figur - die aber trotzdem mit einem sehr bekannten Problem zu hadern hat. Und ich glaube, dass hier jeder seinen eigenen Film sieht - was ich sehr reizvoll finde.

SKIP: Wenn man Claire und Leo zusieht, taucht schon auch mal die Frage auf: Zahlt sich das überhaupt aus? Soll man wirklich an einer Liebe so hart arbeiten, oder es eher halten wie Woody Allen, der sagt "Eine Beziehung ist doch keine Schulaufgabe”?

Julia Koschitz: Ich glaube, dass nichts von alleine passiert oder sich einfach so ergibt. Und ich bin auch davon überzeugt, dass sich Kompromisse nicht schlecht anfühlen, wenn man weiß, wofür man sie macht. Es ist nichts Falsches dran, sich auch mal selber zu hinterfragen, sich vielleicht sogar zu verändern. Etwas Neues zu lernen, bedeutet ja nicht, sich selbst aufzugeben.

SKIP: Sie machen Fernsehen, Kino und Theater - nicht nur die Herausforderungen sind andere, auch das Publikum.

Julia Koschitz: Ja, schade eigentlich! Vor allem ist es beim Theater viel kleiner.

SKIP: Aber mit Ihrer Rolle als böse Krankenhausärztin in Doctor’s Diary erreichen Sie Millionen Fernsehzuschauer.

Julia Koschitz: Ja, ich freu mich auch total, dass diese Serie so beliebt ist. Es ist ein komplett anderes Genre als alles, was ich bis dahin gemacht habe - aber es ist eine sehr schöne Arbeit.

SKIP: Was steht für Sie als nächstes an?

Julia Koschitz: Ich habe gerade einen Fernseh-Zweiteler namens Vermisst abgedreht, eine österreichisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Andreas Prochaska. Und jetzt bereite mich auf meinen nächsten Film vor, die Kino-Version von Daniel Kehlmanns Roman Ruhm, da freue mich schon sehr darauf. Isabell Kleefeld wird Regie führen, und mitspielen werden u. a. Senta Berger, Heino Ferch und Justus von Dohnanyi.

SKIP: Ihre Eltern stammen aus Wien, Sie haben einen österreichischen Pass, sind aber in Deutschland aufgewachsen und leben derzeit in München. Sehen Sie sich als Österreicherin?

Julia Koschitz: Ich liebe Wien, ganz ohne Anbiederung, ich finde, dass es eine der schönsten europäischen Städte ist. Aber es gibt für mich keine ortsbezogene Heimat. Es gibt Aspekte, denen ich mich zugehörig fühle. Der Wiener Humor zum Beispiel, da fühle ich mich heimisch, oder beim Essen. Ich liebe Krautfleckerl, Kalbsgulasch - und es gibt nirgends so gutes italienisches Eis wie in Wien.

Interview: Gini Brenner / Oktober 2010

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