Das Up-Syndrom

Interview mit Antonio NaharroÁlvaro Pastor zu Yo, también - Me Too

Fünf Jahre lang hat es gebraucht, bis Álvaro Pastor und Antonio Navarro die Finanzierung für ihren Film beisammen hatten - und jetzt feiert Yo, también - Me too seit Monaten weltweit Publikumserfolge. Ein SKIP-Talk über Glück, Einzigartigkeit und das, was wir von Leuten mit Down-Syndrom lernen können.

SKIP: Yo, también - Me too ist ein richtiges Feelgood-Movie - was man nicht unbedingt erwarten würde von einem Film, bei dem die Hauptfigur Down-Syndrom hat!

Álvaro Pastor: Ja, das war auch die Idee. Der Film erzählt davon, sich selbst zu akzeptieren - und das gilt für beide Hauptfiguren, sowohl Daniel als auch Laura. Es geht nicht nur darum, zu kriegen was man will, sondern auch zu akzeptieren, was man eben nicht haben kann, seine Grenzen hinzunehmen, und mit ihnen glücklich zu werden.

SKIP: War Pablo Pineda der Grund, weshalb ihr diesen Film gemacht habt?

Álvaro Pastor: Wir wollten einen Film über Menschen mit Down-Syndrom machen, und dann haben wir Pablo Pineda in einer Fernsehdoku gesehen - und alles fügte sich zusammen. Er ist wirklich eine einzigartige Persönlichkeit!

Antonio Navarro: Meine Schwester Lourdes, die auch im Film mitspielt, hat ebenfalls Down-Syndrom, und wir haben uns schon lange für das Thema interessiert. Durch Lourdes hatten wir glücklicherweise die Möglichkeit, Leute mit Down-Syndrom sehr gut kennenzulernen, und das gibt uns wohl eine weniger herablassende, realistischere Sichtweise als es sonst oft im Kino üblich ist. Wir mögen das nämlich gar nicht (lacht)!

SKIP: Lourdes’ Tanzgruppe im Film ist ganz außergewöhnlich. Gibt es die wirklich?

Antonio Navarro: Ja, das ist eine professionelle Contemporary Dance Group in Sevilla. Wir fanden die Mischung sehr gut, mit den Tänzern und Pablo Pineda in einem Film: Pablo ist sehr besonders, er ist ein sehr kluger Mann, ein brillanter Denker, der mittlerweile sogar als Lehrer arbeitet. Und die Leute in der Tanzgruppe sind ganz anders, sie brillieren nicht mit ihrer Intelligenz, sie brillieren mit dem Körper. Ich glaube, das ist gut fürs Publikum, denn wir wollen ja nicht behaupten, dass jeder mit Down-Syndrom all das können muss, was Pablo Pineda kann. Es gibt andere Fähigkeiten. Wir reden hier nicht von Behinderungen, sondern von Fähigkeiten und von Einzigartigkeit.

Álvaro Pastor: Sehr oft, wenn die Leute über Menschen mit Behinderungen reden, fragen wir uns immer, worin besteht denn nun die Behinderung? Wer wunderbar tanzen kann, ist doch nicht behindert!

SKIP: Vor dem Film wusste ich nicht, dass die Diagnose Down-Syndrom so viele Ausprägungen hat und nicht automatisch bedeutet, dass man bestimmte Dinge nicht tun kann. Da gibt es ja unglaublich viele Unterschiede!

Álvaro Pastor: Ja, es gibt so viele Down-Syndrome wie Menschen mit Down-Syndrom. Vielleicht haben alle gemeinsam, dass sie sagen, was sie denken. Sie können nicht falsch sein. Und das ist sehr gut für die Schauspielerei. Die meisten von uns, ach was, alle sind wir manchmal falsch, wir tun als ob. Aber Leute mit Down-Syndrom lügen nicht. Du weißt immer, was sie fühlen, weil sie es dir zeigen, ob sie es dir nun erzählen oder durch ihre Taten offenbaren. Ihre Emotionen sind ganz offen. Das ist wunderschön.

Interview: Magdalena Miedl / April 2010

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