Für alle Fälle Naomi

Interview mit Naomi Watts zu Fair Game

Vor 10 Jahren war Naomi Watts noch vor allem Nicole Kidmans beste Freundin - mittlerweile ist die 42-jährige selbst der Superstar. Mit Ich sehe den Mann deiner Träume und Fair Game hat sie nun gleich zwei Filme am Start, SKIP traf sie zum Doppel-Interview in Cannes.

SKIP: Woody Allen ist berühmt dafür, dass auch die größten Stars nie Nein zu ihm sagen. Mussten Sie lang überlegen, ob Sie bei Ich sehe den Mann deiner Träume mitmachen würden?

Naomi Watts: Ganz im Gegenteil! Ich musste ihm ja schon mal absagen, weil ich damals schon anderweitig verpflichtet war, und das war furchtbar für mich. Ich wusste ja nicht, ob ich nochmal die Chance bekommen würde. Und dann kam sogar ein Brief von ihm, mit der Schreibmaschine geschrieben und die Fehler mit Tipp-ex übermalt! Ein wunderschöner Brief, ich war so begeistert.

SKIP: Woody stellt die These auf, dass es sinnlos ist, an einer Beziehung zu arbeiten. Sie sind jetzt schon seit fünf Jahren mit Ihrem Kollegen Liev Schreiber verheiratet, haben zwei kleine Kinder - kommt das Glück da wirklich von alleine?

Naomi Watts: (lacht) Ich glaube, er hat das nicht wirklich ernst gemeint. Ich finde, Beziehungen brauchen unglaublich viel Arbeit, und das hört nie auf. Man kann nicht einfach den Partner auswählen und das ist es dann. Gerade, wenn man eine Familie hat, ist das viel, viel komplizierter. Aber wenn man sich um etwas gar nicht bemühen muss, dann wird es doch schnell uninteressant, nicht? Ich jedenfalls hab Freude an der Beziehungsarbeit.

SKIP: Was hält Ihre Liebe frisch?

Naomi Watts: Puh, das ist eine gute Frage ... Ehrlichkeit ist wichtig. Und dass man, so gut wie möglich, positiv denken soll. Ich habe im Moment zwei Kleinkinder daheim, und es geht immer nur um die beiden - wir schaffen es derzeit kaum, mal nur zu zweit was zu unternehmen. Trotzdem versuchen wir, die gemeinsame Zeit zu genießen: Um die Liebe frisch zu halten ist es toll, wenn man es schafft, spontan zu sein, im Moment zu leben. Und sich trotzdem immer bewusst zu sein, dass so eine Beziehung ja auf längere Zeit geplant ist - also wenns heute mal nicht ganz so rund läuft oder stressig ist, dann sollte man nicht gleich alles hinhauen, sondern schauen, dass es morgen besser wird. Oder halt übermorgen.

SKIP: Nach der Babypause arbeiten Sie ja auch wieder ganz schön viel, nach Ich sehe den Mann deiner Träume erzählen Sie in Fair Game die Geschichte der CIA-Agentin Valerie Plame. Man kann sich immer noch kaum vorstellen, dass das alles wirklich passiert ist ...

Naomi Watts: Ja, das stimmt, es ist schockierend, nicht? Valerie lebte ein so perfektes Spionage-Doppelleben, dass nicht mal ihre Freunde und Familie etwas mitbekommen haben. Sie wusste einfach, wie groß das Risiko ist, wenn in ihrer Position ihre reale Identität aufgedeckt würde. Dass es dann ausgerechnet durch ihre eigene Regierung geschieht, war extrem schockierend für sie, es war ein unglaublicher Verrat. Wie jemand so viel Kraft aufbringen kann, um das dann alles durchzustehen, ist bewundernswert:Sie hat fast alles verloren, fast sogar ihre Familie.

SKIP: Sie haben beim Dreh ja auch mit ihr zusammengearbeitet, wie war sie?

Naomi Watts: Sehr cool. Und schon das Kennenlernen war wirklich schräg. Ich war zu der Zeit mächtig im Stress, hatte gerade mein Kind bekommen und überhaupt keine Zeit für irgendwas. Plötzlich läutete das Telefon, Valerie war dran und sagte: "Treffen wir uns am Chicago Airport!“ Und ich dachte mir: "Wer bitteschön verabredet sich auf einem Flughafen?“ (lacht). Aber klar, sie war ja Spionin! Sie wusste auch über unsere Produzenten schon alles, bevor sie sie zum ersten Mal getroffen hat.

SKIP: Können Sie persönlich es nachvollziehen, wie es ist, von wie Valerie Plame von der Öffentlichkeit fast verfolgt zu werden?

Naomi Watts: Es gibt einige Parallelen zwischen uns. Ich nehme auch verschiedenen Identitäten an, was sie in ihrer Welt ja auch ständig machte. Bloß: Wenn ich das schlecht mache, dann beschimpfen mich maximal die Kritiker. Bei ihr kann das mit einer Kugel im Kopf enden. Das ist schon ein großer Unterschied.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2010

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.