Killer Cop

Interview mit Denzel Washington zu Training Day

Wieviel Spaß es Denzel Washington gemacht hat, in der coolen Cop-Blutoper Training Day auf der dunklen Seite der Macht zu stehen, erzählte er Gini Brenner in Venedig.

SKIP: Denzel, in deiner bisherigen Kino-Karriere schienst du immer auf die guten, heldenhaften Rollen abonniert, von Steve Biko über Malcolm X bis Rubin "Hurricane" Carter. In Training Day spielst du erstmals die böse Hauptrolle. Wie kam’s zum Sinneswandel?

Denzel Washington: Nun, ich suche meine Rollen sicher nicht danach aus, ob ich jetzt den Guten oder den Bösen spiele. Ich halte mich ausschließlich daran, wie sehr mich das Drehbuch packt. Wenn ich’s in einem Zug durchlese – gut, wenn ich für die ersten fünf Seiten zwei Stunden brauche – schlecht. Mit dem Skript von Training Day war ich sehr schnell durch.

SKIP: Und, hat es Spaß gemacht, der Fiese zu sein?

Denzel Washington: Absolut! Das hat einfach viel mehr Sex. Die Leute stehen auf den Bösen, und als Schauspieler hat man auch ganz andere Freiheiten: Du kannst alles tun, alles sagen was du willst, keiner kann’s dir übel nehmen – du bist ja der Böse (lacht)! Mein Co-Star Ethan Hawke, der den guten Cop spielt, war richtig neidisch.

SKIP: Du hast in Hollywood den Ruf, immer optimal vorbereitet an eine Rolle heranzugehen. Wie war das bei Training Day?

Denzel Washington: Nun, diesen Ruf hab’ ich jetzt wohl verloren ... (grinst). So methodisch wie sonst habe ich mich auf diese Rolle nicht vorbereitet. Es gab ja auch niemanden, an den ich sie hätte anlehnen können – und wenn es jemanden gäbe, würde der mir das wohl kaum sagen. Aber ich habe vor dem Dreh einige Polizeibeamte in L.A. beim Dienst begleitet.

SKIP: Und hast du auch Amtshandlungen durchgeführt?

Denzel Washington: Klar – ich habe bei allen schönen Frauen Ausweiskontrollen veranlasst!
(lacht)

SKIP: In Training Day wird die Polizeiarbeit zum Teil als sehr schmutziges Geschäft dargestellt. Gibt’s eigentlich noch gar keine offiziellen oder auch inoffiziellen Reaktionen von Seiten der Polizei?

Denzel Washington: Noch nicht, der Film ist ja noch nicht angelaufen. Ich glaube auch nicht, dass es wirklich Grund für Proteste gäbe.

SKIP: Weil Training Day so nahe an der Realität ist?

Denzel Washington: Nun, die Geschichte ist an keine wahre Begebenheit angelehnt – aber man findet nichts in unserem Film, was es im wirklichen Leben nicht gibt.

SKIP: Training Day enthält sehr heftige Gewaltszenen ...

Denzel Washington: Heftig? Findest du? Wir zeigen aber nicht, wie einem Verhafteten ein Ventilkolben in das Rektum gestoßen wird, wie das vor ein paar Jahren in Brooklyn geschehen ist. Oder wie ein Cop 41 Mal auf einen Verdächtigen schießt, wie das in der Bronx der Fall war.

SKIP: Manche Kritiker sprechen jetzt schon davon, dass deine Leistung in Training Day einen Oscar verdient. Was denkst du über solche Gerüchte?

Denzel Washington: Ist mir relativ egal. Mein Job ist es, eine Rolle zu spielen. Zu entscheiden, wer kleine goldene Statuen in die Hand gedrückt bekommt, ist der Job von jemand anderem.

Interview: September 2001

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