Es gibt Rois, Baby!

Interview mit Sophie Rois zu Drei

Die Oberösterreicherin Sophie Rois gilt nicht erst seit ihrem Buhlschaft-Gastauftritt als eine der faszinierendsten Schauspielerinnen der Gegenwart. Tom Tykwer verführte sie zu einem ihrer raren Filmauftritte, SKIP erfuhr am Lido, warum.

SKIP: Frau Rois, Sie sind in Drei in einigen Szenen zu sehen, mit denen viele Ihrer Kolleginnen wohl ein Problem gehabt hätten - etwa wenn Sie über die Porno-Sujets von Jeff Koons mit Cicciolina tagträumen ...

Sophie Rois: Wirklich? Also, andere Kollegen machen doch da ganz andere Sachen im Film, wo mir die Schamesröte ins Gesicht steigt. Ich kann da oft gar nicht hinschauen und denke mir "Oh nein, warum tust du das?“

SKIP: Dabei gelten Sie doch eher als jemand, der gern provoziert ...

Sophie Rois: Aber nein! Wenn, dann würde ich nur mich selber provozieren. Ich möchte mich immer nur beliebt machen, wirklich! Nein, ich will niemanden provozieren, ganz und gar nicht. Ich möchte die Menschen unterhalten, Verwirrung und Ergriffenheit stiften. Eventuell (lacht).

SKIP: Wir haben Sie jetzt schon sehr lange nicht mehr im Kino gesehen.

Sophie Rois: Faktum ist, dass sich für mich in meiner Karriere beim Theater, vor allem mit der Volksbühne Berlin einfach die weitaus interessanteren Arbeitsmöglichkeiten ergeben haben. Ich mein, wär jetzt ein Film nach dem anderen gekommen, wo ich gedacht hätte: "Scheiße, das hätte ich spielen müssen!“, dann wärs was anderes gewesen. Aber ehrlich gesagt denke ich das nie. Ich denke meistens: "Na, Gott sei Dank bin ich da nicht dabei.“

SKIP: Dann drängt sich natürlich die Frage auf, warum dann jetzt und für Tom Tykwer?

Sophie Rois: Als weiblicher Schauspieler macht man die Erfahrung, dass es gerade im Film und TV eine Tendenz gibt, Frauenfiguren erstens mit einer moralischen Überlegenheit auszustatten, und zweitens haben sie im Endeffekt dann auch immer Recht. Die Männer machen die tollen verrückten Sachen, und die Frauen stehen nur beleidigt in der Küche und sagen: "Jetzt müssen wir aber wieder mal reden“, oder so nen Quatsch. Man schaut sich so was an und denkt sich: Will ich solche Sätze aus meinem Mund in die Welt setzen? Sollen die erscheinen? Meistens denke ich mir dann: Soll machen wer will, aber ich muss so einen Blödsinn nicht auch noch unbedingt fördern (lacht). Bei diesem Film war das ganz anders, da musste ich mich nicht - und ich halte mich nicht für besonders schlau - noch doofer stellen als ich eh schon bin. Bei diesem Drehbuch verlangte das niemand von mir, und da durfte mal die weibliche Figur genauso fragwürdig und widersprüchlich sein wie die männlichen auch. Und wurde auch nicht so auf ihren weiblichen Part festzementiert - außer natürlich, als sie dann schwanger wird. Das ist natürlich schwer weiblich (lacht).

Interview: Kurt Zechner / September 2010

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