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Interview mit Nick FrostSimon Pegg zu Paul - Ein Alien auf der Flucht

Sie sind die größten britischen Komödianten des Jetzt: Nick Frost und Simon Pegg werden von Hollywood dafür bezahlt, dass sie den Amis auf der Nase herumtanzen. SKIP traf die zwei Freunde, die es gemeinsam geschafft haben, indem sie das tun, was sie lieben, in London.

SKIP: Wenn man euch so zusieht, wie ihr euren Humor spielen lässt, fragt man sich: Wie sehr ähneln Graeme und Clive euch selbst?

Simon Pegg: Man könnte annehmen, dass Graeme und Clive eigentlich wir selbst sind, aber das ist nicht unbedingt so, oder?

Nick Frost: Jeder Film, den wir gemeinsam gemacht haben, ist vor dem Hintergrund unserer Beziehung in jener Zeit zu verstehen.

Simon Pegg: Clive und Graeme sind viel weniger sozial funktional als wir. Wir sind schon auch Geeks, aber die beiden können mit der Außenwelt viel schlechter umgehen als wir, deshalb hilft ihnen Paul, darin besser zu werden. Nick und ich sind eher die abgebrühten Checker …

Nick Frost: … und ziemlich von uns selbst überzeugt.

Simon Pegg: Die Art, wie Graeme und Clive kommunizieren, hat sicher viel damit zu tun, wie Nick und ich als Freunde miteinander umgehen. Ich glaube fest daran, dass man über Dinge schreiben soll, die man kennt, und dass man die eigenen Stärken nutzen muss. Die Idee zu Paul hatten wir vor langer Zeit. Sie hat sich über die Jahre, die wir zur Comic Con gefahren sind, immer weiter entwickelt. Und das ist nun unser Liebesgruß an diese Kultur.

SKIP: Wie oft wart ihr bei der Comic Con?

Nick Frost: Viele Male.

Simon Pegg: Ja, seit Shaun Of The Dead waren wir immer wieder dort. Auch mit Hot Fuzz und ich mit Spaced. Aber die Leute, die dort feiern, sind das Herz jenes Publikums, an das sich unsere Filme wenden. Deshalb ist es heute schwierig für uns, dort hinzugehen. Letztes Mal haben wir die ganze Zeit im Hotel Filme geschaut.

Nick Frost: Ich hatte eine Karte von der Convention und eine Route zu den Plätzen, wo ich hinwollte, und die bin ich in zehn Minuten abgelaufen.

Simon Pegg: Nick hat gemeint, es war, als wäre man als Beatle bei einer Beatles-Convention. Ich bin bloß froh, dass es im echten Leben nicht so ist. Die Comic Con ist schrill und voller Leute mit schrägen Kostümen, aber es ist ein wunderbar positiver Ort, wo Fans, Geeks und Nerds ganz sie selbst sein können und niemand sie mit Zynismus behandelt. Diese Leute sind nun mal ein Nischenpublikum, da dreht sich alles um Science Fiction.

SKIP: Was tut ihr, wenn ihr zusammen ein Drehbuch schreibt?

Simon Pegg: Wir sitzen uns in einem Büro gegenüber und haben einen Riesenspaß dabei, uns die Ideen zuzuspielen.

Nick Frost: Manchmal haben wir auch Meinungsverschiedenheiten.

Simon Pegg: Und wenn man sehr gut befreundet ist, können die ganz schön heftig ausfallen.

Nick Frost: Du kommst mit einer Idee, er sagt, er mag sie nicht. Das geht ein paarmal so und nach dem fünften Mal schreist du "Was ist dein verficktes Problem?“, weil das dann fast so ist, als wärs persönlich. Dann herrscht für ein paar Minuten betretenes Schweigen, bis einer "Tee“ murmelt. Und dann trinken wir eine Tasse …

Simon Pegg: … und schließlich finden wir eine Lösung. Man lernt dabei auch, dass Konflikt und Meinungsverschiedenheiten nicht das Ende der Welt sind, man kann gut damit umgehen. Und ich liebe diesen gesamten Prozess. Das ist viel leichter und angenehmer als z. B. Situationen wie dieses Interview, wo es darum geht, sein Kind Leuten vorzusetzen, die es vielleicht nicht so lieben wie man selbst. Das kann ganz schön einschüchtern. Im Büro sitzen und kreativ sein, das ist einfach das Beste, deshalb liebe ich diesen Job.

Nick Frost: Ja, und manchmal gehen wir auch lieber ins Kino, als zu arbeiten.

Simon Pegg: Genau. Als Nick mit dem Namen Lorenzo Zoil rüberkam, haben wir drei Wochen Urlaub genommen, weil wir der Ansicht waren, dass das der beste Witz sei, der je geschrieben wurde.

SKIP: Hatte das Studio beim Drehbuch Einwände? War es zu britisch?

Nick Frost: Clive und Graeme waren am Anfang viel bizarrere Charaktere. Ich hatte mir einen Bart wachsen lassen. Aber das Studio hat gemeint, dass Bärte zur Zeit nicht so gut gehen würden.

Simon Pegg: Dann kam Zach Galifianakis, und Bärte gingen plötzlich wieder. Da war seiner aber schon ab. Und die Sprache war auch kein Problem, höchstens bei ein paar feinen Details mussten wir "amerikanisiseren“.

SKIP: Wie kam eigentlich Steven Spielberg ins Spiel?

Simon Pegg: Es war seine Idee. Bei den Dreharbeiten zu Tim & Struppi hab ich ihm von Paul erzählt, und er hat vorgeschlagen, ein Cameo zu machen.

Nick Frost:  Wir hätten nie gewagt, ihn zu fragen. Auf die Idee ist er von selbst gekommen. Er war voll dabei und hat das ganz entspannt durchgezogen.

Interview: Klaus Hübner / Februar 2011

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