"Wie Hangover mit Bomben!"

Interview mit Christopher Morris zu Four Lions

Bloody funny. Vier Typen, eine Idee und jede Menge Chaos: Menschen machen überall Blödsinn, ob sie nun Zahnärzte sind oder Terroristen. Im SKIP-Interview erzählt Four Lions-Regisseur Chris Morris vom komischen Potenzial des Dschihad, und wie man Bin Laden zum Schmollen bringt.

SKIP: Four Lions ist in Großbritannien ja schon vor einiger Zeit gestartet. Wie waren die Reaktionen darauf? Das Thema ist ja potenziell recht skandalträchtig ...

Chris Morris: Die meisten Skandal-Rufe kamen, bevor wir den Film überhaupt hergezeigt haben. Die Premiere war dann in Bradford, das ist eine nordenglische Stadt mit einem sehr großen muslimischen Bevölkerungsanteil. Mindestens ein Fünftel des Publikums waren Muslims. Da waren wir schon etwas nervös - aber als der Film startete, lösten sich unsere Sorgen in Luft auf. Die Reaktionen waren durchaus sehr positiv.

SKIP: Wie sind Sie überhaupt auf das Thema gekommen? Waren die Londoner Bombenattentate im Juli 2005 der Auslöser?

Chris Morris: Nein, ich habe schon lange vorher begonnen, mich mit dem Thema zu beschäftigen - aus persönlichem Interesse. Ich wollte einfach wissen, warum ganz normale Menschen so radikale Dinge tun. Und im Laufe der Zeit bin ich auf immer mehr wirklich komische Dinge gestoßen, das hat mich echt überrascht. Dass zum Beispiel Khalid Sheikh Mohammed, ein hochrangiges Al-Quaida-Mitglied, der als einer der Chefplaner von 9/11 gilt, sich oft wie eine Figur aus einer Sitcom benommen hat. Vor einem Interview mit Al Jazeera etwa hat er eine ganze Stunde darauf verschwendet, ein Outfit zu suchen, in dem er nicht dick aussieht. Und während des Interviews hat er die ganze Zeit den Koran falsch zitiert, der Interviewer hat ihn ausgebessert - worauf Khalid rundherum von allen ausgelacht wurde. Oder die Geschichte des britischen Journalisten Robert Fisk, einem Spezialisten für den Nahen Osten, der von Bin Laden gefragt wurde, ob er nicht für ihn arbeiten und Artikel schreiben wolle. Als Fisk höflich ablehnte, setzte sich Bin Laden eine halbe Stunde lang in die Ecke und schmollte. So stellt man sich Terrorbosse eigentlich nicht vor.

SKIP: Also sind die Terroristen wirklich genauso ein Haufen großmäuliger Idioten wie in Ihrem Film?

Chris Morris: Naja, auf diese Sichtweise kommt man schnell, wenn man sich das Ganze in Echt detailliert anschaut (lacht). Aber andererseits - wenn ich Sie drei Wochen lang filmen würde, könnte ich das locker so zusammenschneiden, dass Sie auch wie Idioten rüberkommen würden.

SKIP: Dafür bräuchten Sie aber keine drei Wochen ...

Chris Morris: (lacht) Es ist jedenfalls leicht, andere Personen als Idioten zu sehen, weil wir letztlich alle Idioten sind. Und ein Haufen Typen, die was auf die Beine stellen wollen, haben sehr viel komisches Potenzial. Es muss gar kein Terroranschlag sein, sondern etwa ein Polterabend - insofern ist mein Film auch nichts anderes als Hangover, nur mit Bomben. Typen, die Probleme machen.

SKIP: Typen? Ist das Probleme Machen ein Männerding?

Chris Morris: Schon ein bisschen. Es sind zwar schon auch Frauen mit dabei, in Holland gibt es gut dokumentierte Fälle, wo Frauen die Rädelsführerinnen waren. Aber die Terror-Analysten nennen diese Terror-Zellen aus gutem Grund BOGs (Bunch Of Guys, ein Haufen Typen, Anm.).

Interview: Gini Brenner, & Kurt Zechner / Februar 2011

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