Weniger ist mehr

Interview mit Thomas Roth zu Brand

Die meisten Österreicher sind mit Thomas Roths Geschichten mehr vertraut, als sie ahnen - neben Kinofilmen von Blutrausch über Falco - Verdammt, wir leben noch bis Brand steht er auch hinter TV-Krimis von Tatort bis Trautmann. SKIP sprach mit ihm über Tabus und Taekwon-Do.

SKIP: Wie sind Sie auf die Geschichte von Brand und seiner verhängnisvollen Affäre gekommen?

Thomas Roth: Ich wollte schon länger einen Kinofilm im Stil eines film noir machen, sehr sparsam, mit wenigen Darstellern und wenigen Schauplätzen, so hat sich das dann entwickelt.

SKIP: Ihr Vater Gerhard Roth ist wie der Filmheld ein recht bekannter Schriftsteller. Haben Sie sich bei der Titelfigur von ihm inspirieren lassen?

Thomas Roth: Nein, eigentlich habe ich ihn überhaupt nicht vor mir gehabt, auch wenn es in der Tat naheliegend ist (lacht). Vielleicht war da ja mein Unterbewusstsein mit im Spiel.

SKIP: Was für ein Mensch ist Brand für Sie? Täter oder doch eher Opfer seiner selbst?

Thomas Roth: Er ist Künstler, und das Schlimmste für einen schöpferischen Menschen ist, wenn er nicht mehr arbeiten kann, wenn die Inspiration versagt. Genau in dieser schwierigen Phase lernen wir ihn kennen. Und das Neue, das Andere, das gebrochene Tabu stellt für einen Künstler immer einen Anreiz dar. Dass man sich in eine andere Welt vorwagt und dort Erfahrungen sammelt und Kraft schöpft. Dazu gehört vielleicht auch, dass man dann Dinge macht, die vielleicht nicht für jeden sympathisch und nachvollziehbar schön sind, aber im wahren Leben gehören sie eben dazu.

SKIP: Die Leistungen Ihrer Schauspieler sind beeindruckend - war es schwierig, einen derart gut funktionierenden Cast zusammenzustellen?

Thomas Roth: Wir haben natürlich sehr viel Sorgfalt darauf verwendet, die richtigen Leute zu finden. Josef Bierbichler in der Hauptrolle war natürlich ein Glücksgriff - er ist bekannt dafür, viele Angebote abzulehnen, hier war er allerdings sofort dabei. Ich denke, ein Schauspieler seines Kalibers hat auch ganz gern einmal eine Rolle in einem kleineren Film, wo er dafür aber seine ganze Breite entfalten kann.

SKIP: Und wo haben Sie Angela Gregovic gefunden?

Thomas Roth: Sie ist umwerfend, nicht wahr? Dabei ist dies ihre erste größere Rolle, davor hatte sie nur einen ganz winzigen Filmauftritt. Sie hatte sich vor Jahren einmal bei mir als Assistentin beworben, und irgendwie ist mir ihr Gesicht wieder eingefallen, also haben wir sie zum Casting geladen - und sie war beeindruckend gut. Sie hat, genau wie ihre Filmfigur, etwas von einer echten Diva, sehr mysteriös und geheimnisvoll. Und einen beeindruckenden Background: Angela ist nicht nur ausgebildete Konzertpianistin, sondern auch ziemlich gut in Taekwon-Do.

Interview: Gini Brenner / März 2011

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