Sturm und Drang

Interview mit Helen Mirren zu The Tempest

Ihr Wunsch ist Befehl: Wenn Helen Mirren die Hauptrolle in Shakespeares Der Sturm spielen will, dann wird der Klassiker eben verändert - und aus dem Zauberer Prospero wird eine Prospera. Regisseurin Julie Taymor (Frida) gefällts, und uns erst recht!

SKIP: Voriges Jahr haben wir Sie als Madame Tolstoi in Ein russischer Sommer gesehen, heuer in Der Sturm. Als nächstes kommt der Actionfilm R. E. D. – woher nehmen Sie die Energie für all diese Filme?

Helen Mirren: Ach, die feiern nur zufällig innerhalb kurzer Zeit ihre Weltpremieren. Aber ich habe immer konstant viel gearbeitet, und es macht mir große Freude. Wenn man sich meinen Lebenslauf ansieht, gibt es kein einziges Jahr, in dem ich nicht zwei oder drei verschiedene Sachen gemacht habe, Filme, Theater, alles Mögliche. So ist mein Leben!

SKIP: Sie sind eine erfahrene Shakespeare-Darstellerin. Wie fanden Sie die Idee eines weiblichen Prospero?

Helen Mirren: Nun, Julie Taymor und ich hatten, ohne es voneinander zu wissen, dieselbe Idee. Als wir uns kennenlernten, fragte sie mich, was ich gerne spielen würde, und ich hatte kurz zuvor Der Sturm im Theater wiedergesehen und mir dabei gedacht: Diese Rolle könnte doch von einer Frau gespielt werden, ohne viel am Text zu verändern! Sie meinte: "Ich habe Der Sturm zweimal inszeniert, und ich wollte auch immer eine Prospera haben. Also tun wirs!“ Und hier sind wir nun.

SKIP: Sie spielen hier eine Herzogin und Zauberin, Sie haben die Queen of England gespielt - mögen Sie royale Rollen?

Helen Mirren: Oh ja, weil ich die Kostüme so großartig finde. Wenn man Königinnen spielt, darf man so wunderbare Kleider anziehen! In Die Queen allerdings nicht, gebe ich zu. Ich habe geweint, als ich die Kostüme sah (lacht)! Und erst gestern habe ich Kostümprobe gehabt für einen Film, in dem ich eine ungarische Magd spiele. Das ist noch weniger glamourös ... (kichert)

SKIP: … und etwas ganz anderes als in R. E. D., wo Sie sogar mit Waffen hantieren!

Helen Mirren: Ja, da bin ich eine Actionheldin! Der Titel bedeutet "Retired and Extremely Dangerous“, also "pensioniert und extrem gefährlich“, und wir sind alle ehemalige CIA- und KGB-Agenten, Bruce Willis, John Malkovich, Morgan Freeman und Brian Cox, und kennen einander aus der guten alten Zeit. Der Dreh hat großen Spaß gemacht!

SKIP: Sie sind ganz schön spät in Ihrer Karriere zum Actionfilm gekommen. Hatten Sie schon immer Lust, herumzuballern?

Helen Mirren: Ja, das war ein geheimer Wunsch von mir. Wobei mich ja die Leute lange Zeit kannten als Polizistin aus den Heißer Verdacht-Fernsehfilmen, die ich in den Neunziger Jahren gedreht habe. Dann erst wurde ich die Queen, und alle haben vergessen dass ich einmal bei der Polizei war (lacht). Und als nächstes bin ich dann eben die ungarische Magd!

Interview: Magdalena Miedl / September 2010

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.