Cop in Unterhosen

Interview mit Brendan Gleeson zu The Guard - Ein Ire sieht schwarz

In einem der besten und dem mit Sicherheit lustigsten Film der Berlinale gibt Brendan Gleeson (aka Mad-Eye Moody aus den Harry-Potter-Filmen) einen Polizisten der anderen Art. Mit SKIP sprach der 55-Jährige Dubliner über Kunst, Kids und knallbunte Dessous.

SKIP: Gratuliere, mit der Figur des Sergeant Gerry Boyle in The Guard haben Sie etwas ganz Großes erschaffen - und das bis ins kleinste Detail, seine knallfarbene Unterwäsche ist hinreißend. Haben Sie sich die nach dem Dreh eigentlich behalten?

Brendan Gleeson: Das musste ich nicht, das waren alles meine eigenen Unterhosen (lacht)! Aber Boyle hat ja insgesamt einen sehr ungewöhnlichen Kleidergeschmack. Seine Pullover sind Ihnen ja sicher auch aufgefallen?

SKIP: Aber sicher! Wie leicht war es, sich für diese Rolle zu entscheiden?

Brendan Gleeson: Sehr (lacht). Es war das fuckin’ beste Drehbuch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Ich musste nicht mal drüber nachdenken.

SKIP: War das schon nach der ersten Szene klar?

Brendan Gleeson: Nein, ich lese Skripts immer bis zum Ende, bevor ich eine Meinung habe. Es gibt so viele Drehbücher, die mit einem großartigen Einstieg beginnen und denen dann nach 20 oder 40 Seiten die Luft ausgeht. Ich lese immer bis zum Ende. Es ist wie mit Menschen - man kennt jemanden nicht nach einer Seite.

SKIP: Im Film gehts auch ein bisschen um die Rivalität der beiden irischen Städte Dublin und Galway. Was denken Sie als Dubliner darüber?

Brendan Gleeson: Ressentiments gegen die Hauptstädter gibts doch überall. Und am Ende läuft es immer auf eins hinaus: Bei einem coolen Typen ist es egal, wo er herkommt. Das einzige wirkliche Verbrechen ist ein schlechter Witz.

SKIP: Wie schwierig war es eigentlich, aus dieser Figur wieder herauszukommen? Es muss doch furchtbaren Spaß gemacht haben, sie zu spielen!

Brendan Gleeson: Ja, so eine Rolle findet man wirklich nur einmal im Leben. Aber das Problem war, dass ich unmittelbar nach The Guard schon das nächste Engagement hatte. In einem Kurzfilm meines Sohnes Domhnall spiele ich ausgerechnet wieder einen Polizisten, aber einen ganz, ganz schlechten. Ich hab mir einen völlig idiotischen Schnurrbart wachsen lassen, das hat es ein bisschen leichter gemacht.

SKIP: Domhnall Gleeson, ihr ältester Sohn, ist Regisseur und Schauspieler, heuer war er in Berlin sogar Irlands offizieller "Shooting Star“ - sind Sie sehr stolz auf ihn?

Brendan Gleeson: Natürlich! Aber ich bin auch dankbar, dass er erst jetzt, mit 28, beginnt, Erfolg zu haben, und nicht mit 18. Es gibt keinen Ersatz für Erfahrungen, die man selbst gemacht hat.

SKIP: Sie selber haben ja recht spät mit der Schauspielerei begonnen ...

Brendan Gleeson: Ich habe immer schon gespielt, aber mich erst Mitte 30 dafür entschieden, das hauptberuflich zu machen. Vorher war die Angst zu groß, dass ich Waschmittelspots würde drehen müssen, um die Miete zu bezahlen, oder tagelang zuhause sitzen und drauf warten würde dass das Telefon läutet und mir jemand eine Rolle anbietet. Lustigerweise war diese Angst völlig unbegründet: Ab dem Zeitpunkt, wo ich "offiziell“ Schauspieler war, war es mir scheißegal, wer mich anrief (lacht).

SKIP: Was fasziniert Sie am meisten an der Schauspielerei?

Brendan Gleeson: Hm, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber in der Kunst geht es darum, sich weniger allein zu fühlen. Es ist großartig, festzustellen, dass es sowas gibt wie gemeinsam erlebte Erfahrungen. Meine Arbeit ist es, herauszufinden, was unser Sein und unser Handeln ausmacht. Es ist wie eine Reise an den Beginn der Zeit, zum Urknall, von wo aus sich alles in verschiedene Richtungen ausgebreitet hat.

Interview: Gini Brenner / Februar 2011

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.