Oh behave!

Interview mit Russell BrandHelen Mirren zu Arthur

Reife Frau und junger Mann. Bestimmt würden Helen Mirren und Russell Brand auch als Liebespaar einen spannenden Film abgeben, aber als energische Nanny und spätpubertärer Geldsack sind sie unschlagbar witzig. Und von wegen steife Briten: Beim SKIP-Interview in London machte das gar nicht so ungleiche Duo keine Anstalten, ernst zu bleiben.

Ein Herz und eine Seele: Auch abseits der Kameras hat die wunderbare Helen Mirren, 66, den Schlingel Russell Brand, 36, ganz gut im Griff. Ihr geniales Rezept: Sie blödelt einfach mit.

SKIP: Könnt ihr euch noch erinnern, wann ihr den Originalfilm gesehen habt?

Russell Brand: Den hab ich schon tausendmal gesehen. Als Kind, als Vorbereitung auf diesen Film, während des Drehs, eigentlich immer. Es ist einer meiner Lieblingsfilme.

Helen Mirren: Ich weiß nur, dass ich den Film nicht besonders gemocht habe. Er ist brillant gespielt, aber die weiblichen Rollen sind einfach nur ärgerlich. Und dass sich Liza Minelli am Ende dafür entscheidet, ihr Leben mit einem Alkoholiker zu verbringen, das finde ich einfach nicht besonders lustig.

Russell Brand: Gute Antwort. Nächste Frage?

SKIP: Russell, der Regisseur hat mir erzählt, dass du anfangs enormen Respekt vor Helen hattest ...

Russell Brand: Moment, da muss ich unterbrechen. Ich weiß ganz genau, was und wie er es gesagt hat: (imitiert den Regisseur Jason Winer) "Es gab eine Zeit, zu Beginn, bei den Proben, da hat Helen Russell einen Klaps auf die Hand gegeben und gesagt "Russell, du musst aufhören so viel Respekt vor mir zu haben". (spricht wieder normal) Hab ichs ungefähr hinbekommen?

SKIP: Nicht ungefähr, ganz genau so hat ers geschildert.

Russell Brand: Ha, ich wusste es!! Ist eh eine nette Geschichte. So was erzählt man halt bei Interviews ...

Helen Mirren: Aber es stimmt doch! Und ich wollte nicht, dass man mich ansieht als Dame Helen Mirren, die seriöse Schauspielerin. Ich wollte behandelt werden wie alle anderen auch.

Russell Brand: Ach, deswegen bist du in diesem Bikini am Set erschienen ...

SKIP: Russell macht ständig Unsinn. Wie ist es Ihnen beim Dreh gelungen, ernst zu bleiben?

Helen Mirren: Ohja, das war manchmal wirklich eine Herausforderung. Russell ist ein unfassbar brillanter Improvisator. Und er hält sich auch nicht zurück.

SKIP: Mrs. Mirren, Sie haben Ihre Karriere bei der Royal Shakespeare Company gestartet, haben etliche Auszeichnungen bekommen, nicht zuletzt den Oscar - was um Himmels Willen hat Sie bewogen, in einem Film die Nanny eines erwachsenen Mannes zu spielen?

Helen Mirren: Ganz einfach: Russell. Ich liebe ihn und wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Ich wusste, es würde eine Herausforderung werden, ich würde mich außerhalb meiner Wohlfühlzone bewegen müssen. Aber darauf war ich vorbereitet.

SKIP: Russell, du bist als Comedian zur Zeit enorm erfolgreich. In welche Richtung möchtest du mit deiner Karriere gehen? Träumst du von einem Oscar?

Russell Brand: Helen ist ja das beste Beispiel dafür, was in einer Karriere alles möglich ist mit Einsatz, Engagement, Hingabe und Talent. Ich sollte es so machen wie Gus Van Sant mit Psycho: Ich imitiere einfach vollständig die Karriere von Helen Mirren. Wobei - ich frage mich halt schon, könnte ich in Heißer Verdacht mitspielen? (imitiert Helen Mirren): "Verdammt, da gabs einen Mord!"

Helen Mirren: (schlüpft in ihre Rolle als Kommissarin Jane Tennison aus der britischen TV-Serie Heißer Verdacht) "Schwing deinen Arsch herein!"

Russell Brand: Yeah, das wäre doch mal ein lohnenswertes dadaistisches Experiment. Ich mache absolut alles, was du mal gemacht hast, Die Queen, Heißer Verdacht, Caligula ... herrlich. Was sagst du dazu, Helen? (Helen Mirren hat derweil einen Lachanfall und kann nicht antworten, Anm.). Also ganz im Ernst, Helen ist eine Inspiration für jeden Schauspieler!

SKIP: Russell, wie ähnlich bist du Arthur Bach?

Russell Brand: Schon ein bisschen, er macht ja auch dauernd Späße, nimmt das Leben nicht so ernst, ist Alkoholiker auf dem Weg der Besserung, da gibts schon Parallelen. Aber ich glaube, dass man in Wirklichkeit mit seinem Ausmaß an Naivität nicht lange überleben würde.

SKIP: Und Sie, Helen, könnten Sie es mit einer Person wie Arthur aushalten?

Helen Mirren: Hm, ja, ich denke schon. Und ich glaube, dass Russell viel mehr wie Arthur ist, als er zugibt. Er hat diese unglaubliche Lebensfreude in sich, die er jetzt gottseidank nicht mehr durch Alkohol und Drogen ausdrückt, wie früher. Aber dieser Drang, das Leben zu genießen und auf Menschen zuzugehen - das steckt in Russell drin. Und das ist es auch, was Arthur so liebenswert macht. Aber ohne seinen Charme wäre er unerträglich.

SKIP: Wie warst du als Kind, Russell?

Russell Brand: Scheu, nachdenklich, rundlich ...

Helen Mirren: Du warst mal rundlich? Ich war auch rundlich als Kind. Ich meine, das bin ich immer noch, aber es hat begonnen, als ich ein Teenager war.

Russell Brand: Echt? Sehr süß!

SKIP: Und hatte einer von euch eine Nanny?

Helen Mirren: Good Lord, dort wir wir aufgewachsen sind - wir kommen aus der selben Ecke von London - gibts keine Nannys!

Russell Brand: Genau, die kosten nämlich ganz schön viel Geld!!

SKIP: Helen, werden Sie eigentlich mehr in den USA oder hier in England als Dame Helen Mirren angesprochen?

Helen Mirren: Eigentlich sagt man ausschließlich bei British Airways Dame zu mir.

Russell Brand: Es ist total cool, eine Dame zu kennen, wer kann das schon von sich behaupten. Darum muss man sie dann auch ständig so ansprechen. Hallo, Dame Helen Mirren ...

Helen Mirren: Ich mag es nicht besonders, so angesprochen zu werden.

Russell Brand: Ja, Dame Helen Mirren, ich weiß, dass dir das peinlich ist. Aber du bist die einzige Dame die ich kenne, und ich muss es einfach sagen. Aber ich kann versuchen, es möglichst in mich hineinzunuscheln ...

SKIP: Und du bereitest dich wohl schon darauf vor, einmal ein Sir zu werden?

Russell Brand: Der Sir für mich ist unausweichlich.

Helen Mirren: Sir Russell Brand - das klingt sogar sehr gut.

Russell Brand: Selbstverständlich!

Interview: Dina Maestrelli / April 2011

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