Dr. Feelgood

Interview mit Antonio Banderas zu Die Haut, in der ich wohne

In Pedro Almodóvars verstörendem Horror-Thriller Die Haut, in der ich wohne spielt Antonio Banderas einen genialen Chirurgen - mit einem dunklen Geheimnis. In Cannes war der quirlige Spanier wieder ganz der Alte, und so gabs für SKIP eine äußerst unterhaltsame Exklusiv-Sprechstunde.

SKIP: In Die Haut, in der ich wohne spielen Sie einen berühmten Schönheitschirurgen. Was halten Sie persönlich nach langjähriger Hollywood-Erfahrung davon, Körper mittels Chirurgie zu modellieren?

Antonio Banderas: In Hollywood ist der Druck, perfekt schön zu sein, vor allem auf Frauen enorm - und so wechseln sich heute schon 20-Jährige einfach ihre Möpse aus, um irgendwelchen Standards zu entsprechen. Das ist sehr beängstigend, vor allem, weil sich diese Standards in den Köpfen der ganzen Welt festzusetzen scheinen.

SKIP: Sie haben mit Pedro Almodóvar in Spanien Ihre ersten Filme gedreht, bevor Sie nach Hollywood gingen. Wie war es, nach über zwei Jahrzehnten in Pedros doch recht bizarres Universum zurückzukehren?

Antonio Banderas: Es ist für mich sehr befruchtend, zu sehen, wie lebendig er mit seinen mittlerweile über 60 Jahren geblieben ist. Er will nach wie vor sein Publikum fordern und liefert nie das ab, was man von ihm erwarten würde. Als ich Die Haut, in der ich wohne in Cannes zum ersten Mal mit Publikum gesehen habe, fühlte ich mich, als würde ich ein Vierteljahrhundert in der Zeit zurückgehen: Ich kann mich noch genau erinnern, wie wir damals mit Filmen wie das Gesetz der Begierde oder Matador exakt dieselben verstörten Reaktion hervorgerufen haben. Und über die Jahre sind diese Titel dann zu Klassikern des europäischen Kinos geworden. Das ist sehr beeindruckend. Speziell für jemanden wie mich, der jetzt seit 22 Jahren in einer völlig anderen Kinoszene arbeitet. Ich bin sehr glücklich darüber, was mir Amerika gegeben hat. Aber Pedros Spirit, der keine Gefahr und kein Risiko scheut, war da für mich wieder mal extrem erfrischend. Genau das habe ich jetzt gebraucht, ich möchte in Zukunft wieder mehr anspruchsvolle Projekte realisieren.

SKIP: Können Sie sich noch erinnern, wann Sie Pedro das erste Mal getroffen haben?

Antonio Banderas: Klar. Damals war ich Theaterschauspieler in Madrid. Ich saß mit Kollegen in einem Café, als dieser Typ mit seiner roten Tasche daherkam. Er setzte sich zu uns und war sehr lustig, begann sofort, von Gott und der Welt zu quatschen. Und als er ging - ich trug zu dieser Zeit einen Schnurrbart und langes Haar - schaute er mich so an und sagte: "Du hast ein sehr romantisches Gesicht, du solltest Filme machen!" Ich fragte meine Freunde, wer das überhaupt war. Die meinten, er heißt Pedro und hat gerade seinen ersten Film gedreht, aber aus dem wird sicher nichts. (lacht).

SKIP: Was sagt Pedro eigentlich zu Ihrer Hollywood-Karriere?

Antonio Banderas: Ich weiß, dass er mich öfter mal öffentlich kritisiert hat für die Filme, die ich in den USA mache (lacht). Aber er darf das, er ist ja fast schon Familie. Als Zorro fertig war, machte Steven Spielberg ein exklusives Screening für 20 Leute, da hab ich ihn mitgenommen, weil er grade in L. A. war. Und danach hat er nur gesagt: "Jesus, jetzt wirst du wohl richtig berühmt. Du wirst mir viel zu teuer werden!" (lacht)

SKIP: Wenn Sie sich künftig mehr nach ambitionierteren Projekten umschauen wollen - gibts denn in Hollywood überhaupt noch so viele?

Antonio Banderas: Ich habe ohnehin nicht vordringlich solche in Hollywood gemeint, sondern weltweit. Hollywood ist doch fast nur mehr so was wie ein Markenname. Als realer Platz existiert das gar nicht mehr (lacht)!

SKIP: Hat diese Marke Hollywood in den letzten 20 Jahren eher verloren?

Antonio Banderas: Ich finde schon. Zum Beispiel werden heute zu viele Remakes gemacht, ein sicheres Zeichen dafür, dass es zu wenig Ideen gibt. Es gibt kaum Investitionen in Neues, man wiederholt lieber immer wieder dieselbe Formel. Das sagt aber nichts über das Talentpotential aus - die Amerikaner wissen nach wie vor sehr gut, wie man Filme macht (lacht). Heute blickt man nostalgisch auf das Hollywood der 70er, wo risikofreudige Produzenten das Business belebt haben, indem sie sich einfach mutig auf eine originelle Idee draufgesetzt haben. Ich habe gehört, es gibt jetzt bereits einen Zusammenschluss von Produzenten, die gemeinsam neues Terrain erobern wollen, weil die berechtigte Sorge besteht, dass wir durch das ständige Wiederholung alter Erfolgsrezepte sonst eine ganze Generation fürs Kino verlieren.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2011

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