Sinn & Sinnlichkeit

Interview mit Brad Pitt zu The Tree of Life

In Terrence Malicks Festival-Siegerfilm The Tree of Life sucht Immer-noch-Sexsymbol Brad Pitt in seiner wohl besten Performance seit langem nach dem Sinn des Lebens. In Cannes suchte er eine neue Bleibe für sich, Angie und die sechs Kids - und das Gespräch mit SKIP.

SKIP: Alle warteten heuer sehnsüchtig auf Terrence Malick und seinen The Tree of Life - aber der notorisch öffentlichkeitsscheue Regisseur läßt sich beim Festival wieder nicht blicken …

Brad Pitt: Er war hier! Er hat sich kurz ins Screening geschlichen, um zu sehen, wies lief - dann ist er wieder abgehauen (grinst). Er war einfach glücklich, wieder nach Hause zu kommen.

SKIP: Und wie war die Arbeit mit dem geheimnisvollen Herrn Malick?

Brad Pitt: Er ist ein sehr lieber, sehr bescheidener und sehr interessanter Mann. Mit ihm zusammenzusein, ist ein bisschen so, als wenn man jeden Sonntag in die Kirche geht. Man beschäftigt sich zwangsläufig mit den ganz großen Fragen des Lebens.

SKIP: Sie waren bei The Tree of Life auch als Produzent tätig. Wieviel haben Sie zum kreativen Prozess beigetragen?

Brad Pitt: Mehr als ursprünglich geplant (lacht), ich war anfangs nur als Produzent und nicht als Darsteller im Spiel. Als Producer ist mein Auftrag rein finanzieller Art - wir wollen Filmemachern ermöglichen, Filme zu drehen, die sonst nicht gemacht würden. Aber nach Monaten der Vorarbeit musste der Schauspieler, der meine Rolle spielen hätte sollen, plötzlich aus familiären Gründen absagen. Das hat dann das ganze Projekt ins Wackeln gebracht - also bin ich eingesprungen.

SKIP: In The Tree of Life spielen Sie einen Vater - wieviel von Ihren eigenen Erfahrungen haben Sie in die Rolle einbringen können?

Brad Pitt: Nicht allzu viele - meine Filmfigur ist ein ganz anderer Vater als ich es bin, hoffe ich zumindest (lacht). Kinder sind so unglaublich sensibel. Ich will, dass meine Kids niemals von meinem Seelenmüll belastet werden. Meine Filmfigur macht das genaue Gegenteil: Er ist ein verbitterter Mann, der immer das Gefühl hat, zu kurz zu kommen - und das lässt er an den noch Schwächeren aus.

SKIP: Sie haben einmal gesagt, Sie hätten große Angst vor dem Tod. Hat die Tatsache, eigene Kinder zu haben, daran etwas verändert?

Brad Pitt: Es hat alles verändert! Klar fürchte ich mich vor dem Tod, wer nicht? Trotzdem kommt er irgendwann, daran kann ich nichts ändern. Meine größte und einzige Angst ist die um meine Kinder. Ich gebe einen Scheiß drauf, was mit mir passiert, ich will, dass es ihnen gut geht.

SKIP: Beeinflusst die Tatsache, dass Sie Kinder haben auch Ihre Rollenwahl?

Brad Pitt: Klar. Ich bin mir jetzt immer bewusst, dass meine Kinder sich meine Filme irgendwannmal anschauen werden. Und ich möchte, dass sie einmal stolz auf ihren Dad sein können, wenn sie groß sind.

SKIP: Kennen Ihre Kinder jetzt schon einige Ihrer Filme?

Brad Pitt: Nein, noch nicht. Ich glaub, nicht mal Angie hat sie alle gesehen (lacht). Wir haben nicht sehr viel Zeit zum Filme schauen.

SKIP: War Ihre Familie mit am Set von The Tree of Life?

Brad Pitt: Klar, wir nehmen die Kinder immer mit. Wir sind richtige Nomaden, es ist uns wichtig, die Familie immer zusammenzuhalten. Also haben wir am Drehort eine Ranch gemietet, mit Pferden und allem Drum und Dran.

SKIP: Was halten Ihre Kinder von Ihrer Arbeit?

Brad Pitt: Sie wissen, dass wir irgendwie Geschichten erzählen und Filme machen - aber sie verstehen nicht wirklich, was das ist und finden es auch nicht besonders interessant. Ganz im Gegenteil, es ist immer doof, wenn Mummy oder Daddy wieder zur Arbeit müssen.

SKIP: Sind Sie mit Ihrer Familie ständig unterwegs, oder haben Sie schon auch sowas wie eine Homebase?

Brad Pitt: Wir haben ein Basecamp in L. A., und versuchen, hier in Südfrankreich auch noch was zu finden. Aber wir fühlen uns eigentlich sehr wohl mit dem Leben aus dem Koffer. Die Kinder haben alle einen eigenen Rucksack - und wenn sie ihn mal wo liegenlassen, dann ist er halt weg (lacht). Aber ihre Mutter ist eine extrem gute Kofferpackerin. Sie macht das mit wissenschaftlicher Genauigkeit. Und die Kids sind dran gewöhnt, auch mal früh aufzustehen, weil wir immer nachts reisen, wenn alle schlafen. Sonst wird es immer sehr schwierig, weil jede unserer gemeinsamen Aktionen zwangsläufig ein Riesenchaos verursacht, wo immer wir hinkommen.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2011

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