Elfe in Cinemascope

Interview mit Alba Rohrwacher zu Was will ich mehr

In Italien ist sie längst ein Star, bald wird die grazile Florentinerin auch diesseits der Brenner-Grenze kein Geheimtipp mehr sein. Schließlich hat Alba Rohrwacher in den letzten vier Jahren über 20 Filme gedreht. SKIP traf sie in Berlin.

Als wir Alba Rohrwacher in Berlin gegenübersitzen, ist sie noch ein bisschen blasser als sonst, fast gläsern ist ihre Erscheinung. Das liegt nicht nur daran, dass die Tochter einer Italienerin und eines Deutschen in den letzten Jahren gearbeitet hat wie ein Tier - über 20 Filme in vier Jahren, darunter I Am Love mit Tilda Swinton oder Stilles Chaos mit Nanni Moretti: In Silvio Soldinis Bestseller-Verfilmung Die Einsamkeit der Primzahlen spielt Alba eine Magersüchtige, und die heruntergehungerten Kilos sind immer noch nicht alle wieder da. Doch die körperliche Zartheit kompensiert die 32-Jährige mühelos mit Charisma und Esprit - und einem hinreißenden italienischen Akzent.

SKIP: Die Liebesgeschichte, die im Film erzählt wird, ist fast untypisch - im Kino fällt sowas doch sonst viel dramatischer aus, oder?

Alba Rohrwacher: Das ist die Kraft dieses Films - es geht um ganz normale Menschen. Jeder Zuseher kann die Gefühle dieser Leute verstehen. Schließlich kennen wir wohl alle jemanden, dem das schon mal passiert ist. Sowas kommt nicht nur im Kino vor oder bei berühmten Stars in der Klatschspalte, das betrifft Menschen wie dich und mich. Fremdgehen ist eben keine VIP-Sache.

SKIP: Dabei führt Anna, Ihre Filmfigur, doch eine glückliche Beziehung, ihr Verlobter Alessio ist eigentlich ein perfekter Partner, oder?

Alba Rohrwacher: Alessios Stärke ist, dass er Anna einfach liebt - und er fordert im Gegenzug nichts von ihr, erwartet nichts. Das ist eigentlich im Grunde die schönste, reinste Form der Liebe, finde ich. Aber es müssen eben beide mitmachen (lächelt).

SKIP: Anna fängt sich stattdessen eine Affäre mit Domenico an, in der es aber gar nicht nur um Sex geht ...?

Alba Rohrwacher: Es geht wohl um das gemeinsame Geheimnis. Sie haben gewisse Orte, ihre Verstecke, die was Besonderes für sie sind. Ich denke da an dieses absurde Motel-Zimmer mit all den Spiegeln, das ist eines davon. Und ja, es ist nicht so sehr wegen dem Sex, der da stattfindet. Sondern weil es etwas ist, das sie teilen.

SKIP: Mailand ist der Schauplatz der Geschichte, Regisseur Silvio Soldini meinte, sie könnte nirgendwo anders spielen.

Alba Rohrwacher: Darüber haben wir am Set oft geredet. Die Stadt ist der Rahmen für all die Szenen, da ist auch jeder Schauplatz echt. Vom Hauseingang, in dem wir uns zum ersten Mal heimlich küssen, oder dem Pub, wo wir eine Nacht lang reden und tanzen, die Straße, auf der wir uns treffen, das ist alles real. Mailand spielt eine der Hauptrollen. Der Rhythmus wäre ein völlig anderer gewesen, hätten wir beispielsweise in Turin gedreht.

SKIP: Erzählt der Film auch etwas über Italien?

Alba Rohrwacher: Es ist Silvios besondere Qualität, dass er die Menschen nicht von oben herab als arme Trotteln betrachtet, sondern ihre eigene Perspektive zeigt. Silvio macht ehrliches Kino, das abseits künstlerischer Sozialpornographie, wie man sie oft sieht, davon erzählt, was echten Leuten im echten Leben passiert. Die Wirtschaftskrise kommt da genauso zum Tragen in Domenicos Geldsorgen wie Mailand als Stadt der Arbeit oder das große italienische Thema der Familie.

SKIP: Der Film wurde ganz unüblich in Cinemascope gedreht, dem Filmformat der alten Western …

Alba Rohrwacher: Ja, das sieht man auch an den schönen panoramahaften Bildern des Films. Beim Dreh allerdings war das ganz schön schwierig, sowohl für uns Schauspieler als auch für den Kameramann. Er drehte mit einer Handkamera und war in den ganzen intimen Szenen immer sehr nah an uns dran. Da war auch bei den Sexszenen kein Raum für Improvisation - es war nicht so, als ob wir da rumgelegen wären und gesagt hätten, jetzt legen wir uns so hin und dann drehen wir uns so herum.

Interview: Julia Pühringer / Februar 2011

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