Tomboy

Interview mit Tom Hanks zu Larry Crowne

Seit über drei Jahrzehnten macht uns Tom Hanks den liebenswerten Lausbuben - und er wird immer besser dabei, wie er in Larry Crowne fröhlich zur Schau stellt. SKIP traf den Gerade-noch-54-jährigen (am 9. Juli hat er Geburtstag) in Berlin zum Exlusiv-Talk über Supermärkte, das Superstar-Leben und den unbekannten Elvis.

SKIP: Schön, dass Sie zu uns nach Europa gekommen sind!

Tom Hanks: Ich hatte keine Wahl. Der Regisseur von Larry Crowne hat mich angerufen und gesagt: "Du musst sofort nach Berlin fliegen, deinen Film promoten!“. Es war aber dann doch nicht so dringend, also hab ich statt dessen den Drehbuchautor geschickt (grinst).

SKIP: Und was hat der Produzent dazu gesagt?

Tom Hanks: Den haben wir nicht erreicht, der ist grad irgendwo auf Urlaub (lacht). Jedenfalls bin ich leider nur einen Tag hier in Berlin, morgen gehts schon wieder ab nach Singapur! Hoffentlich werde ich mit einem meiner nächsten Projekte mehr Zeit hier verbringen können, ich arbeite an einem Film über Dean Reed - kennen Sie den?

SKIP: War das nicht ein DDR-Rockstar?

Tom Hanks: Ja, genau. Er kam ursprünglich aus Denver, Colorado, lebte dann eine Zeitlang in Lateinamerika und zog schließlich in den damaligen Ostblock. In den Seventies war er in Ostdeutschland berühmter als Elvis, und im Westen kannte ihn keiner! 1986 ist er dann unter sehr seltsamen Umständen ertrunken. Der deutsche Schauspieler, mit dem ich in Illuminati gespielt habe ... äh, wie hieß der nochmal schnell ... Armand Stuhler?

SKIP: Armin Mueller Stahl?

Tom Hanks: Ja, genau, so hieß der, sorry. Der kannte Reed jedenfalls tatsächlich persönlich. Hochinteressante Story.

SKIP: Und wo ist Ihnen Larry Crowne über den Weg gelaufen?

Tom Hanks: Ach, vor vielen vielen Jahren haben Nia Vardalos (Hanks’ Co-Drehbuchautorin und langjährige gute Freundin, Anm.) und mal so mit Ideen rumgespielt, und da kamen wir auf das Thema "Neubeginn im mittleren Alter“. Ein 55-Jähriger, der auf einmal wieder in die Schule geht, das klang witzig. Warum könnte das passieren? Wie würde das sein Leben verändern? Und was würde passieren, wenn Julia Roberts seine Lehrerin wäre?

SKIP: Woher nehmen Sie eigentlich die Inspiration für "Normalos“ wie Larry? Wie schreibt man über Leute, die ganz normal im Supermarkt einkaufen gehen - Sie können das wohl nicht mehr so einfach?

Tom Hanks: Oh doch, in Los Angeles schon. Und auch sonst vielerorts. Wenn die Menschen wissen, dass man gerade in der Stadt ist, dann ist das überhaupt kein Problem - sie sehen einen und sagen: "Ah, da ist er ja wirklich“. Nur wenn man wo völlig unangekündigt auftaucht, dann ist manchmal echt die Hölle los (lacht). Aber gerade in L. A. bin ich nur irgendein Typ aus der Nachbarschaft. Dort gibt es so viele Celebrities, da fällt eher jemand auf, den man nicht kennt.

SKIP: Aber Sie sind schon ein Ausnahmefall - seit drei Jahrzehnten managen Sie eine Karriere frei von Skandalen und Misstönen. Was ist Ihr Geheimnis?

Tom Hanks: Ich bin seit 23 Jahren verheiratet, gehe in keine Clubs und vermeide Schlägereien ... Und ich bin nicht über Nacht berühmt geworden, sondern ganz langsam. 1980 hab ich im Fernsehen begonnen, dann 1983 angefangen, Filme zu machen, und es war ein langer Prozess, bis ich dort ankam, wo ich heute bin. Ich kann mir schwer vorstellen, wie das ist, wenn man irgendwo aus dem Nichts gecastet wird und plötzlich der berühmteste Kerl des Universums ist.

SKIP: Wie schwierig ist es eigentlich, über Tom Hanks Regie zu führen?

Tom Hanks: Nicht sehr. Als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor arbeitet man so intensiv an einem Film - wenn man auch noch mitspielt, ergibt sich das irgendwie von selbst, ich hatte schließlich jahrelang Zeit, mich für diese Rolle vorzubereiten. Am besten waren aber doch die Tage, in denen wir Szenen drehten, in denen ich nicht mitspielte - keine Maske, kein Kostüm, das ist ein klein wenig entspannter.

SKIP: Haben Sie nie daran gedacht, jemand anderen als Larry Crowne zu besetzen?

Tom Hanks: Hell no! Es ist die beste Rolle im Film! Ich bin egoistisch, ich wollte sie selber spielen. Wem hätte ich sie denn auch sonst geben sollen, George Clooney vielleicht? Screw him (lacht).

SKIP: Sie haben mit That Thing You Do! schon einmal Regie geführt, und sind als Produzent und Autor sehr aktiv - wollen Sie sich langsam ganz von der Schauspielerei zurückziehen?

Tom Hanks: Oh nein, sicher nicht. Das Leben als gut bezahlter Schauspieler ist mehr oder weniger ein einziger langer Urlaub - blöd wäre ich, das aufzugeben. Ich ziehe mich sicher nicht aus diesem Moviestar-Gig zurück, das macht echt Spaß.

SKIP: Wie gehts Ihnen mit dem Älterwerden? Midlifecrisis schon überstanden?

Tom Hanks: Krise? Sicher nicht. Ich mag das Älterwerden. Schon allein, weil man es eh nicht verhindern kann. Und es hat so viele Vorteile: Alle meine Kider sind mittlerweile aus dem Haus. Alle vier. Wissen Sie, wie frei einen das macht? Meine Frau und ich können endlich alles tun, was wir wollen. Jederzeit. Das ist sensationell. Und ich genieße es, solang ich kann: Meine Hüften und meine Knie sind noch in Ordnung, ich trinke nicht zu viel, ich habe nie geraucht, ich treibe mäßig Sport - also bin ich noch mindestens sechs, sieben Jahre lang voll dabei.

Interview: Gini Brenner / Juni 2011

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