Crash Test Funny

Interview mit Rowan Atkinson zu Johnny English - Jetzt erst recht

Spion mit Blechschaden. Den rechten Arm in einer Schlaufe, aber trotz allem zum Plaudern aufgelegt, tritt Rowan Atkinson in London vor die Presse. Öffentliche Auftritte sind dem 56-Jährigen ein Graus, aber sobald sein Lieblingsthema zur Sprache kommt, brummt das Interview entspannt dahin wie ein 6-Zylinder Boxermotor.

SKIP trifft Mr. Atkinson wenige Tage nach seinem spektakulären Crash mit seinem McLaren F1. Seinem zweiten Unfall mit dem zweiten Auto dieser Art, um genau zu sein. Seinen ersten McLaren F1 (von dem sündteuren, straßenzugelassenen Supersportwagen gibt es weltweit nur 71 Exemplare) fuhr Mr. Bang, wie die britische Presse damals titulierte, 1999 zu Schrott. Nun, es trifft ja keinen Armen, die lädierte Schulter verheilt wieder und über seinen verletzten Stolz kann sich der passionierte Rennfahrer mit einer PS-starken Neuanschaffung hinwegtrösten. Rolls Royce, anyone?

SKIP: Mr. Atkinson, wie geht es Ihnen?

Rowan Atkinson: Meine Schulter tut etwas weh, aber es geht schon.

SKIP: Ihre große Leidenschaft für schnelle Autos haben Sie auch in diesem Film wieder untergebracht ...

Rowan Atkinson: Ja, Johnny English fährt diesmal einen Rolls Royce Phantom, einer meiner persönlichen Favoriten. Das Filmauto sollte sich aber etwas vom Standardmodell abheben, und die von Rolls Royce waren glücklicherweise so freundlich, einen 9 Liter V16-Motor da hineinzustopfen. Ein unglaubliches Entgegenkommen!

SKIP: Wie schon im ersten Teil, fährt Johnny English auch diesmal wieder ins Radar. Damit haben Sie persönlich doch sicher auch Erfahrung, oder?

Rowan Atkinson: Ich muss leider zugeben, dass ich wohl schon einige Strafzettel wegen Schnellfahrens bekommen habe. Aber, sind es viele? Das ist relativ, ich kenne einige Leute, die mehr gesammelt haben als ich.

SKIP: Sie empfehlen das Rasen grundsätzlich also eher auf der Rennstrecke als im Straßenverkehr?

Rowan Atkinson: Natürlich, und ich versuche alles, um mich zusammenzureißen. Es ist auch sehr schwer, nicht erwischt zu werden hier in Großbritannien. Und bei den Autorennen, ich fahre da hauptsächlich mit Wagen aus den 50ern und 60ern, kann ich mich dann ja austoben.

SKIP: Der Motorsport hat Sie ja auch schon mal nach Österreich gebracht ...

Rowan Atkinson: Ja, ich habe am Ennstal Classic teilgenommen - eine bezaubernde Rallye.

SKIP: Und Johnny Englishs Rolls Royce - steht der jetzt bei Ihnen in der Garage?

Rowan Atkinson: Leider nein, ich konnte ihn weder behalten noch kaufen. Aber sobald die diesen Motor nicht nur für den Film einbauen, bin ich wohl einer der ersten Kunden.

SKIP: Als zweites spektakuläres Fortbewegungsmittel benutzt Johnny English einen irrwitzigen Rollstuhl ...

Rowan Atkinson: Allerdings, der ist schon fast ein Auto. Das eine Modell für die Verfolgungsjagd auf The Mall ging sicher so an die 70, 80 km/h. Die Fahreigenschaften lassen natürlich zu wünschen übrig, weil der Schwerpunkt so hoch liegt.

SKIP: Mr. Bean und Johnny English - was haben die gemeinsam?

Rowan Atkinson: Die sind eigentlich ziemlich verschieden, wie ich finde. Ich war damals, als der erste Johnny-English-Film rauskam, erschüttert, als ich gelesen habe, was eine Marketingperson sich hat einfallen lassen, um den Film zu beschreiben: Bean meets Bond hieß es da, und ich finde das eine sehr gewagte, billige Verkürzung. Es ist natürlich nicht komplett daneben, aber es war definitv nicht, was wir bezweckt hatten.

SKIP: Wie würden Sie Johnny English also beschreiben?

Rowan Atkinson: Er ist im Grunde eine recht nette Person - was man von Mr. Bean ja nicht behaupten kann. Allerdings hat Johnny English deutlich mehr Ambitionen als Fähigkeiten, er ist bei weitem nicht so begabt und geschickt ist, wie er glaubt, zu sein.

SKIP: Johnny English ist im zweiten Film deutlich gealtert ...

Rowan Atkinson: Ja, wir haben uns vorgestellt, dass mit dem Alter die Weisheit kommt und English nun die Fähigkeit besitzen würde, Probleme durch den Einsatz von Hirnschmalz zu lösen. Johnny English - Jetzt erst recht ist etwas erwachsener ausgefallen als Teil 1, die Story ist aber nur eine Spur weniger lächerlich als im vorigen Film.

SKIP: Einiges in Johnny English - Jetzt erst recht erinnert stark an Bond-Filme, beispielsweise die Verfolungsjagd mit dem Schneemobil, die Gondel-Szene, der Katzen-Gag zu Beginn und nicht zuletzt, dass Rosamund Pike mitspielt ...

Rowan Atkinson: Nun, man erliegt natürlich der Versuchung, sich davon inspirieren zu lassen, was man kennt und gesehen hat, aber wir hatten keine direkte Bond-Parodie im Sinn. Über die Zusammenarbeit mit Rosamund bin ich allerdings besonders froh. Beispielsweise in dieser Szene, in der Mr. Bean - verdammt, Johnny English diesen seltsamen Tanz aufführt und mit den Händen wachelt, ist es erst ihre Reaktion, die den Witz ausmacht. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin.

SKIP: Mr. Atkinson, Sie sind ein äußerst angenehmer Gesprächspartner. Aber ein wirklicher Spaßvogel scheinen Sie abseits Ihrer Rollen nicht zu sein.

Rowan Atkinson: Natürlich nicht, ich bin als Privatperson überhaupt nicht witzig. Das merken Sie ja an diesem Gespräch. Ich sehe auch gar keine Notwendigkeit dazu.

SKIP: Und was bringt Sie zum Lachen?

Rowan Atkinson: (überlegt lange) Hm, ich bin kein Fan von Stand-up-Comedy. Mir gefallen eher Schauspieler, die Charaktere verkörpern, nicht Persönlichkeiten, die sich selbst darstellen. Mir fallen da zum Beispiel Leute ein wie John Cleese oder Barry Humphries.

Interview: Dina Maestrelli / August 2011

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