Quiet Riot

Interview mit Elmar Wepper zu Dreiviertelmond

Nett, bescheiden, unaufhaltsam. Nach vier Jahrzehnten als Fixstern des deutschen Fernsehens geht Elmar Wepper zum Film: In Dreiviertelmond spielt er seine zweite Kinohauptrolle - mögen noch viele weitere folgen.

SKIP: Jetzt werden Sie nach über 40 Jahren Fernsehkarriere noch Filmstar …

Elmar Wepper: Naja, das ist wohl übertrieben. Aber Doris Dörrie hat da sicher eine Tür aufgemacht, ohne ihren Film Kirschblüten - Hanami wäre Dreiviertelmond wohl nicht passiert. Regisseur Christian Zübert kannte ich schon von seinem Film Lammbock, in dem ich eine kleine Rolle gespielt hab. Wir haben schon vor zwei Jahren über eine neuerliche Zusammenarbeit gesprochen, und dann hat er mir einen ersten Drehbuchentwurf geschickt, der hat mir sehr gefallen.

SKIP: Man hat bei Ihrer Filmfigur, dem grantigen Taxifahrer Hartmut, das Gefühl, dass er irgendwann einfach aufgehört hat, sich weiterzuentwickeln.

Elmar Wepper: Ja, das stimmt. Wenn man in die Jahre kommt, lernt man nicht mehr so leicht Neues. Die Optionen beginnen zu schwinden, und man kann nicht mehr sagen: "Das mach ich irgendwann mal, ich hab ja noch Zeit." Der Hartmut empfindet das ganz stark so. Er ist ja nicht wirklich ein böser Mensch, sonst wäre auch seine Wandlung im Film nicht glaubwürdig. Er ist einfach an seinen Mitmenschen verzweifelt, und hat sich in eine latente Gefühllosigkeit geflüchtet.

SKIP: Dazu gehört auch die obligate Ablehnung alles Fremden. Dreiviertelmond ist auch ein sehr schönes Statement zur allgemein verbreiteten Ausländerfeindlichkeit …

Elmar Wepper: Ich finde das ja seltsam. Die Leute fahren ständig in der Weltgeschichte herum, in die Türkei, nach Kenia, nach Thailand - aber haben mit niemandem von dort wirklich Kontakt, kommen zurück nach Hause und schimpfen weiter. Dabei liegt im einander Kennenlernen die einzige Chance, die wir haben. Aber in Dreiviertelmond gehts nicht nur um Ausländerfeindlichkeit, sondern vor allem um die Sprachlosigkeit. Hartmut und Hayat verstehen einander ja wortwörtlich nicht.

SKIP: Wie war die Arbeit mit der kleinen Mercan, der Darstellerin von Hayat?

Elmar Wepper: Sehr interessant. Sie ist ja ein Kind, kein Schauspielprofi, ich musste erst ihr Vertrauen gewinnen, damit sie nicht verschüchtert war, und sehr auf sie eingehen. Aber Kinder wollen trotzdem Ernst genommen werden: Man braucht gar nicht versuchen, die Filmarbeit mit Kindern irgendwie "spielerisch" anzugehen. Ganz im Gegenteil, sie wollen genau wissen, worums da geht.

SKIP: Herr Wepper, Ihre Figuren aus den TV-Serien Der Kommissar, Polizeiinspektion 1 oder Zwei Münchner in Hamburg sind unvergessen. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Elmar Wepper: Mit Freude. Unter den vielen, vielen Sachen, die ich gemacht habe, gab es einige, die gut und wichtig waren. Das heißt nicht, dass ich den Rest ablehne. Aber als Schauspieler versucht man eben verschiedene Dinge - manche gelingen gut und manche weniger.

Interview: Gini Brenner / September 2011

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