Edelmetall

Interview mit Hugh Jackman zu Real Steel

Singen, tanzen, boxen. Wer Hugh Jackman sieht und automatisch an die Kampfmaschine Wolverine denkt, liegt natürlich nicht komplett falsch. Aber eigentlich ist der 43-Jährige sanft wie ein Lamm, ein versierter Sänger und Tänzer und lieber Vater als Muskelprotz. Ob Sexsymbol, Rebell oder Musical-Darsteller - Hugh ist Australiens Wunderwaffe in Hollywood. Nur mit dem Krafttraining steht er auf Kriegsfuß, wie er im SKIP-Interview verriet.

SKIP: Wenn Sie einen Roboter zu Hause haben könnten, was müsste der können?

Hugh Jackman: Der müsste ein gigantisches Gedächtnis haben und mich immer an alles erinnern. Ich bin enorm vergesslich.

SKIP: Aber Sie müssen sich doch viel Text merken, da kann Ihr Gedächtnis ja nicht so schlecht sein.

Hugh Jackman: Naja, solange ich auf der Bühne spiele, wiederhole ich den Text ja ständig, aber zwei Wochen nach Ende der Spielzeit ist alles weg. Und beim Film braucht man ja eigentlich nur das Kurzzeitgedächtnis - und das funktioniert ganz gut.

SKIP: Real Steel ist auch eine sehr emotionale Vater-Sohn-Geschichte. Wie war das Verhältnis zu Ihrem Vater?

Hugh Jackman: Als ich acht war, hat meine Mutter die Familie verlassen, mein Vater war also immer präsent, aber mit fünf Kindern und einem Vollzeitjob blieb nicht viel Zeit für jeden einzelnen. Trotzdem hat er mich immer zu 100% unterstützt, bis heute.

SKIP: Im Film spielen sie oft den Rebellen, den Outsider - selber sind Sie das genaue Gegenteil, oder?

Hugh Jackman: Stimmt, ich habe auch als Jugendlicher nie gegen irgendwas rebelliert. Meine Frau ist hingegen richtig aufsässig, und ich finde das sehr anziehend, aber nicht bei mir selber. Ich halte mich für so langweilig, dass ich viel lieber Figuren spiele, die mir gänzlich unähnlich sind. Und es ist zugegeben entspannend, von Zeit zu Zeit den Typen zu spielen, der sich überhaupt nichts scheißt.

SKIP: Haben Sie für diesen Film Box-Training gemacht?

Hugh Jackman: Ich boxe schon seit einigen Jahren, da ich ja regelmäßig Rollen spiele, in denen eine gewissen körperliche Fitness von mir erwartet wird. Und wie hat Will Smith richtig gesagt: Es ist leichter, fit zu bleiben, als fit zu werden.

SKIP: Sind alternde Boxer nicht oft außer Form und leicht übergewichtig?

Hugh Jackman: Ja genau, das war anfangs auch der Ansatz von Shawn (Levy, der Regisseur, Anm.). Aber schon bei 10 Kilo mehr hat er dann das Gesicht verzogen und gemeint, es müsse ja nicht ganz so realistisch sein.

SKIP: Wie schaut denn im Vergleich dazu die Wolverine-Vorbereitung aus?

Hugh Jackman: 70% macht die Diät aus, würde ich sagen, der Rest ist hartes Krafttraining. Ich muss in dieser Zeit abartig viel essen, 6000 Kalorien am Tag, das sind zwölf gedünstete Hendlbrüste ohne Haut, ohne Salz. Dazwischen auch mal ein, zwei Steaks oder Fisch. Dazu nur gedünstetes Gemüse - wochenlang.

SKIP: Wie groß ist in dieser Zeit das Verlangen nach einem Burger mit Pommes?

Hugh Jackman: Das einzige Verlangen ist, nichts essen zu müssen, glauben Sie mir.

SKIP: Dann bedanke ich mich jetzt stellvertretend für alle weiblichen Fans für diese Anstrengung - der Wolverine-Body ist ja wirklich legendär! Geht Ihnen das eigentlich auf die Nerven, wenns mehr um Ihr Aussehen geht, als um Sie als Schauspieler?

Hugh Jackman: Als gelernter Theaterschauspieler ist mein Körper natürlich mein wichtigstes Werkzeug. Und für Wolverine ist es unverzichtbar, stark und animalisch auszusehen. Aber als Privatperson würde ich kein Fitnessstudio betreten. Ich liebe Bewegung und Sport, Yoga, Rugby - aber Gewichte stemmen? Wozu, das ist doch idiotisch. Und dann lande ich ausgerechnet in einem Job, in dem ich genau das machen muss.

SKIP: Real Steel ist mit großem technischen Aufwand entstanden. Es gab  bewegliche Robo-Modelle am Set, dann die Roboter aus dem Computer - interessiert Sie dieser technische Schnickschnack?

Hugh Jackman: In diesem Film kommt ja wieder ganz neue Technik zum Einsatz, quasi Avatar zum Quadrat. Ich hab ein paar mal nachgefragt, was da eigentlich läuft, aber letztlich hab ich keine Ahnung. Das sagt mir, dass ich vielleicht doch nicht so sehr daran interessiert bin ...

SKIP: Sie teilen sich die Leinwand nicht nur mit einem Kind, sondern auch mit wirklich faszinierenden Robotern - ganz schön gefährlich für einen Superstar, oder?

Hugh Jackman: Von Dakota Goyo lass ich mir gern die Schau stehlen, der ist alles andere als ein typisches Hollywood-Kind. Er hat es in drei Monaten am Set kein einziges Mal geschafft, mich zu ärgern. Das ist doch wirklich unglaublich, ein Elfjähriger, über den man sich nicht ärgern muss.

SKIP: Wo sehen Sie sich als Schauspieler in den nächsten Jahren?

Hugh Jackman: Was die Filme betrifft, kann ich das Ende meiner Zeit als Wolverine nun definitiv bereits am Horizont erkennen. Und ich werde in einem Filmmusical mitspielen (Les Miserables, Anm.) - damit erfüllt sich ein Traum für mich. Außerdem habe ich im letzten Jahr meine eigene Bühnenshow entwickelt, mit der ich im Herbst auch endlich wieder an den Broadway kommen werde. Da gibts nur mich, ein Orchester und das Publikum - diese Auftritte genieße ich wirklich sehr.

Interview: Dina Maestrelli / September 2011

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