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Interview mit Vanessa RedgraveJoely Richardson zu Anonymus

Die große Vanessa Redgrave spielt in Anonymus die alternde Queen Elizabeth I, ihre Tochter Joely Richardson (bekannt aus Nip/Tuck) die Königin als junge Frau. SKIP traf die beiden zum gemeinsamen Interview in Cancun.

SKIP: War es schön, gemeinsam an einem Film zu arbeiten?

Vanessa Redgrave: Der Dreh war wunderbar und anstrengend, und dabei ist es natürlich ein feiner Bonus, dass wir zwischendurch Zeit miteinander verbringen konnten. Wobei man dazusagen muss: Wenn man Elizabeth I spielt und dieses Kostüm anhat, ist es ziemlich schwierig, sich mal schnell irgendwo hinzusetzen, weil alles so sperrig ist. Trotzdem war in den Drehpausen Gelegenheit für einen gemeinsamen Espresso, und einfach einmal zu sich selbst zu kommen. Und … wenn man am Krankwerden ist, kann man sich gegenseitig um Aspirin fragen (lacht).

Joely Richardson: Wir waren beide ziemlich krank, ein Virus hat die Runde gemacht in ganz Berlin, und jeder an jedem Set hat was abgekriegt. Eine Menge Freunde von uns hat zur gleichen Zeit im Studio Babelsberg gedreht, an anderen Projekten, und wir habens uns zwischendurch immer wieder gesehen. Es war witzig, in den elisabethanischen Kostümen auf den anderen Sets vorbeizuschauen, wo vielleicht gerade eine hypermoderne Kampfszene gedreht wurde. Aber das schönste war wirklich, gemeinsam mit meiner Mutter da zu sein. Bei jeden Dreharbeiten gibt es Momente, in denen man sich nicht wohlfühlt, und dann ist es wunderbar, sagen zu können: "Oh Mum, ich glaube, das hab ich nicht gut hinbekommen" - und dann wurde ich getröstet.

SKIP: Sie spielen dieselbe Person in verschiedenen Lebensaltern. Haben Sie darüber diskutiert?

Joely Richardson: Wir haben nicht besprochen, wie wir welche Szene spielen wollen, aber wir haben schon gemeinsam überlegt, was wir von der jeweiligen Situation halten, in der sich Elizabeth befindet. Aber als Schauspieler muss man selbst entscheiden, wie man eine Rolle anlegt. Die Elizabeth, die ich spiele, ist noch jene, bevor die wirklich harten Schicksalsschläge gekommen sind. Mum spielt sie fast wie ihr Gegenteil.

Vanessa Redgrave: Richtig. Aber wir haben die geschichtlichen Zusammenhänge besprochen und auch einiges nachgelesen.

Joely Richardson: Ich hatte gerade erst die Dreharbeiten des Fernsehmehrteiles Die Tudors hinter mir, in dem ich in der Rolle der Catherine Parr viele Szenen mit der jungen Elizabeth hatte, also war mir das alles noch ganz präsent. Und dann hat Mum ja Maria Stuart, Königin von Schottland (1971) gespielt, in dem Film spielt die wunderbare Glenda Jackson Elizabeth I – ich bin also quasi damit aufgewachsen. Diese Geschichte ist einfach so sehr Teil unserer Kultur, wir haben Elizabeth quasi intravenös verabreicht bekommen.

SKIP: Welchen Einfluss hat Lebenserfahrung auf die Arbeit als Schauspielerin?

Vanessa Redgrave: Nun, hauptsächlich arbeiten wir mit unserer Vorstellungskraft. Wissen und Erfahrung nähren und verändern und entwickeln natürlich die Vorstellungskraft. Aber wir müssen uns dessen bewusst sein, dass zwischen der Realität und den Geschichten ein gewaltiger Abgrund gähnt. Das ist ja das Geniale an Shakespeares Werken - mit seinen Worten konnte er diese Abgründe überspringen.

Interview: Magdalena Miedl / Juli 2011

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