Kill, Bill!

Interview mit William Friedkin zu Killer Joe

Nächstes Jahr wird Regielegende William Friedkin (Der Exorzist, French Connection) in Wien eine Oper inszenieren - davor zeigte er in Venedig mit dem ultraharten Killer Joe, dass er das Thiller-Handwerk auch nicht verlernt hat.

SKIP: Sie haben gemeint, dass Killer Joe eine Version des Aschenputtel-Märchens sei. Ein origineller Vergleich …

William Friedkin: Na ja, es ist eine sehr verdrehte Version (lacht). Aber junge Mädchen überall auf der Welt träumen doch von ihrem Märchenprinzen. Und dann enden die meisten mit irgendeinem doofen Lümmel als Ehemann. Unsere Filmfigur des Joe, die Matthew McConaughey verkörpert, ist für das Mädchen ja tatsächlich ein Märchenprinz: Er ist höflich, respektvoll, romantisch. Die Tatsache, dass er auch Leute umbringt, verkommt da fast zur Nebensache (lacht).

SKIP: Killer Joe ist ziemlich brutal. Hatten Sie nie Bedenken, zu weit zu gehen?

William Friedkin: Ich finde den Film nicht sooo brutal. Wie arg man etwas findet, liegt halt immer im Auge des Betrachters. Manche Regisseure wären vielleicht weniger weit gegangen, viele aber eher noch viel weiter. Ein Skript sagt dem Regisseur ja nicht, wie viel er zeigen soll. In Bill Blattys Drehbuch zu Der Exorzist stand damals zum Beispiel, dass die dämonische Stimme "grausig" sein muss, "der schlimmste vorstellbare unmenschliche Laut". Und dann musst du das als Regisseur interpretieren: Wie könnte das klingen? Genauso habe ich bei Killer Joe versucht, den Absichten der Geschichte so weit wie möglich zu entsprechen. Und im Endeffekt, auch wenn ich es nicht beabsichtigt habe, ist es doch ein tief moralischer Film geworden. Also quasi nicht weil, sondern obwohl ich Regie geführt habe (lacht).

SKIP: Macht es Ihnen besondere Freude, eine komplett unmoralische Geschichte zu verfilmen...?

William Friedkin: Finden Sie sie wirklich so unmoralisch? Hm. Es ist jedenfalls ein sehr harter Ritt (lacht). Ich denke eigentlich nie über Moral nach, außer wenns um die menschliche Natur geht. Ich versuche natürlich selbst immer das Richtige zu machen - und scheitere daran, wie wir alle. Aber ich will nicht über andere urteilen, solange ich sie nicht dabei beobachte, wie sie schreckliche Dinge tun. Jemanden zu verletzen, eine Frau zu prügeln oder so was, so wie in diesem Film, das finde ich natürlich falsch. In unserem Film ist das aber keineswegs eine Huldigung so einer Tat. Mir geht es darum, die menschliche Natur in möglichst vielen Facetten zu zeigen.

SKIP: Sie sind längst nicht nur mehr beim Film zuhause, sondern auch erfolgreicher Opernregisseur. Im März werden Sie sogar nach Österreich kommen, um im Theater an der Wien Hoffmanns Erzählungen zu inszenieren. Wie geht das für Sie zusammen?

William Friedkin: In jedem Fall lerne ich von beidem. Wenn ich einen Film mache, profitiere ich sehr von den Erfahrungen meiner Opernarbeit, und umgekehrt. Die wirklich guten Opernsänger, mit denen ich die Ehre hatte, zu arbeiten, wollen das selbe wie gute Schauspieler: Opernsänger wollen nicht einfach rauskommen und ein Konzert abliefern, nein, die wollen ein Rolle spielen. Deshalb brauchen sie auch einen psychologischen Unterbau für ihren Charakter und eine Inszenierung, die funktioniert.

SKIP: So wie Matthew McConaughey als Killer Joe?

William Friedkin: Er ist großartig, nicht? Als ich ihn getroffen habe, war mir klar, dass er den perfekten Killer abgeben würde. Davor konnte ich mir da ja nicht so sicher sein.

SKIP: Würden Sie Killer Joe als Ihre Version eines Film noir bezeichnen?

William Friedkin: Nein. Ganz ehrlich, ich denke nie an irgendeinen Stil, sondern versuche nur, die Geschichte zu erzählen. No Style. Stil ist nicht wichtig, wenn es eine Geschichte und Substanz gibt. Aber die meisten Filme heute, speziell die amerikanischen, scheinen mir den Stil höher zu bewerten als die Substanz. Deshalb mache ich wohl so wenig Filme. Ich habe einfach zu wenig Style, um einfach einen Film über nichts zu machen (lacht).

Interview: Kurt Zechner / September 2011

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