Junger Schwede

Interview mit Daniel Espinosa zu Safe House

Nach dem großen Erfolg seines Action-Thrillers Snabba Cash (Schnelles Geld) in seiner Heimat klopfte gleich Hollywood an. Warum der 34-jährige Schwede mit chilenischen Roots da nicht gleich in Jubel ausbrach, erzählte er SKIP in London.

SKIP: Gerade haben Sie noch vergleichsweise kleine Filme in Ihrer Heimat Schweden gedreht, nun einen Blockbuster in Hollywood. Wollten Sie dort immer schon hin?

Daniel Espinosa: Nein. Ich hatte nie dern Ehrgeiz, nach Amerika zu gehen. Ich war mehr schockiert als erfreut, als ich das Angebot bekommen habe, in den USA zu arbeiten - ich konnte nicht verstehen, wie sie in meiner Arbeit was finden konnten, was nach Hollywood passt. Aber andererseits haben viele meiner Idole auch in den USA gearbeitet, und es war in der amerikanischen Filmtradition immer Raum für europäische oder lateinamerikanische Regisseure. Trotzdem - für jeden Inñaritù oder Cuaron gibt es 40 andere, die es versucht haben und dann verschwunden sind. Also hab ich die Sache als Herausforderung genommen: Ist mein Stil stark genug, um innerhalb dieses Systems bestehen zu können?

SKIP: Und? War er es?

Daniel Espinosa: Ich bin happy mit mit dem Ergebnis, aber es war sehr hart. Man braucht, wie es auf Spanisch so schön heißt, cojones. Ich habe vor dem Dreh mit meinem Landsmann Tomas Alfredson gesprochen, der kurz davor seine erste internationale Produktion Dame König As Spion gemacht hat - und er hat gesagt: "Wir haben immer ein Killerargument im Ärmel. Wie können jederzeit sagen: 'Wenn ich das nicht so und so machen kann, dann gehe ich halt wieder nach Hause!‘" In Nordeuropa habe ich keinerlei Probleme, die Filme zu machen, die ich möchte. Und das gibt einem automatisch Macht. Das ist wie in der Liebe: Wenn man sich total abhängig macht von jemandem, wird die Beziehung nie stark werden können. Und als Regisseur in Amerika braucht man diese Stärke, sonst fressen sie einen bei lebendigem Leibe (lacht).

SKIP: Wie war die Arbeit mit Denzel Washington, Ryan Reynolds, Brendan Gleeson? Gabs keine Allüren oder Zickereien?

Daniel Espinosa: Nein, sie sind ganz normale Stars. Sie sind brillant, egozentrisch, aber wenn man ihre Kunstfertigkeit und ihr Talent fordert, dann läuft es perfekt. Diese Leute sind ja nicht aus Zufall dort, wo sie stehen, sondern weil sie hervorragende Schauspieler sind. Und so jemand wie Denzel Washington hat große Befriedigung darin gefunden, wieder mal so richtig schauspielen zu können und mehr als der Stichwortgeber für die nächste Explosion zu sein.

SKIP: Wieviel Budget hatten Sie für diesen Film zur Verfügung?

Daniel Espinosa: 85 Millionen Dollar.

SKIP: Und wieviele Autos wurden zerstört?

Daniel Espinosa: Oh ... viele. Absurd viele (lacht).

Interview: Gini Brenner / Dezember 2011

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