Life on Mars

Interview mit Taylor Kitsch zu John Carter - Zwischen zwei Welten

Wer ihn aus der umjubelten TV-Serie Friday Night Lights kennt, weiß eh Bescheid. Allen anderen sei gesagt, dass sie an Taylor Kitsch in den nächsten Jahren unmöglich vorbeikommen werden. Mit John Carter legt das Kurzzeit-A&F-Model einen Blitzstart als Action-Hero mit Tiefgang und Sixpack hin. Beim Interview in München präsentierte sich der knapp 30-jährige Kanadier als ernsthafter, unkomplizierter und sympathisch authentischer Gesprächspartner.

SKIP: Taylor, dein Familienname klingt nach deutschsprachigen Wurzeln. Weißt du was darüber?

Taylor Kitsch: Ja, der Name ist eindeutig deutsch, aber ich hab das nie nachverfolgt. Schlimm genug, dass auch im englischen Sprachraum jeder weiß, was Kitsch bedeutet.

SKIP: Als John Carter zeigst du ordentlich Muskeln. Welche Diät macht so einen Körper?

Taylor Kitsch: Jedenfalls keine, die Spaß macht, das kann ich dir versichern. Was man hineinsteckt, kommt am Ende raus: unfassbare Mengen an fettarmen Proteinen, komplexe Kohlenhydrate und tägliches Trainig - man wird wie ein Roboter. Aber wenn ich mir das Ergebnis anschaue, dann bin ich schon ein bisschen stolz drauf, dass ich durchgehalten haben.

SKIP: Wolltes du nicht eigentlich Profi-Eishockeyspieler werden?

Taylor Kitsch: Klar, als Kanadier aus einer Kleinstadt ... Ich bin aufgewachsen zwischen einem zugefrorenen Teich und einer Apfelplantage. Eishockey musste ich nach einer Knieverletzung mit Zwanzig aufgeben. Aber ich würde absolut nichts ändern wollen aus heutiger Sicht. Die Verletzung hat mir die Chance gegeben, etwas Neues zu machen. Und vom Sport profitiere ich heute noch, denn ohne Disziplin und die richtige Einstellung kommt man nicht weit. Genau wie beim Film. Ich hab also die Chance ergriffen, nach New York zu gehen und eine Schauspielausbildung zu machen.

SKIP: Wie war das von Kanada nach New York City zu kommen?

Taylor Kitsch: Überwältigend, in jeder Hinsicht. Damals ist mir klar geworden, dass man ohne Risiko nichts Wertvolles erreichen kann. Als Kanadier hatte ich keine Arbeitserlaubnis, mir ist also ziemlich schnell das Geld ausgegangen und ich bin eine zeitlang obdachlos dagestanden, hab in der U-Bahn oder bei Bekannten auf der Couch geschlafen. Meine Schauspiellehrerin hat mich damals gratis unterrichtet. Und nach meinem ersten Film habe ich sie bezahlt.

SKIP: Und es gab keine Alternative zur Schauspielerei?

Taylor Kitsch: Nicht wirklich. Das war sicher auch der Grund, warum ich die Tiefs in Kauf genommen habe. Ich habe zwar auch eine Ausbildung zum Ernährungsberater gemacht, aber wirklich nur für den allerschlimmsten Notfall.

SKIP: Als John Carter vollführst du am Mars abenteuerlich weite und hohe Sprünge ...

Taylor Kitsch: Die Springerei ist ein ganz eigenes Thema. Ich bin so dankbar, dass die im fertigen Film so aussieht, wie sie aussieht. Das ist am Set nämlich echt nach dem Prinzip Versuch und Irrtum abgelaufen, bis es endlich nicht mehr total peinlich gewirkt hat. Die Sprünge waren technisch enorm aufwändig und mühsam, weil das ganze Team unendlich viel Geduld aufbringen musste.

SKIP: Du bist also wirklich gesprungen, nicht virtuell?

Taylor Kitsch: Gar nicht virtuell. Ich bin an Drähten von 50 Meter hohen Kränen gehangen und wurde herumgeschleudert.

SKIP: Viele Szenen sind aber auch vorm Green Screen entstanden - wie bist du damit zurechtgekommen?

Taylor Kitsch: Trotz Green Screen waren viele Sets, zumindest teilweise, real aufgebaut. Als Schauspieler helfen einem auch die Requisiten, mit den man selber hantiert. Und die Tharks, mit denen ich ja viele gemeinsame Szenen habe, wurden von richtigen Darstellern gespielt, und die waren natürlich sehr oft wirklich mit mir in der Szene. Ein Problem bringt dieses Motion-Capture-Verfahren allerdings mit sich, aufgrund der post production: Man muss von jeder Szene noch 10 bis 15 Takes mehr drehen, als normalerweise.

SKIP: Apropos motion capture: Ist es nicht schwer, sich aufs Spielen zu konzentrieren, wenn Willem Dafoe in einem grauen Strampelanzug auf Stelzen und mit einem Gestell vorm Gesicht vor einem steht?

Taylor Kitsch: Natürlich hat man Momente, wo gar nichts geht. Aber Unsinn haben wir hauptsächlich in den Drehpausen getrieben. Für Willem war es ja nicht ganz so witzig mit den Stelzen auf dem unebenen Boden.

SKIP: Du hast dank der TV-Serie Friday Night Lights schon eine große Fangemeinde. Jetzt bist du dabei, mit zwei Blockbustern und einem Oliver-Stone-Film Hollywood zu erobern. Angst davor, was dich erwartet?

Taylor Kitsch: Dass gerade heuer drei Filme mit mir ins Kino kommen, war natürlich nicht geplant. FNL habe ich sowohl als Person als auch als Schauspieler enorm viel zu verdanken: Wir hatten wirklich gute Kritiken, wurden gleichzeitig aber nie so gehypt, dass es mühsam geworden wäre. Was mir jetzt möglicherweise bevorsteht, versuche ich gar nicht an mich ranzulassen. Ich lebe in Austin, Texas, man sieht mich nicht in den Tabloids und das wird auch in Zukunft so bleiben. Meiner Erfahrung nach hat man als Superstar die Wahl, in der Klatschpresse vorzukommen oder nicht. Ich habe meine Wahl getroffen, und wenn irgendwann nur mehr Independentmovies für mich rausschauen, dann ist das eben so und ich werde trotzdem der glücklichste Mensch auf der Welt sein.

SKIP: Und dass die Rolle des John Carter an dir pickenbleiben könnte ...

Taylor Kitsch: Naja, wenn es für den Rest meines Lebens wäre, das wäre furchtbar. Aber wenn wir von den nächsten fünf oder zehn Jahren sprechen, ist das schon in Ordnung. Ich kenne ja die Bücher für Teil 2 und 3, und Andrew Stanton hat wirklich wunderbare Stories geschrieben.

SKIP: Da würden wir dann auch mehr von Woola sehen, deinem Mars-Hund. Der stiehlt dir ja manchmal ein bisschen die Show ...

Taylor Kitsch: Ja, er ist der absolute Geheimtipp dieses Films. Es ist unglaublich, was die Animatoren da zusammengebracht haben, er wird garantiert ein Publikumsliebling.

SKIP: Und jetzt die wirklich wichtige Frage: Gibt es Leben da draußen?

Taylor Kitsch: Selbstverständlich! Es ist ja viel witziger, an Aliens zu glauben, als nicht.

Interview: Dina Maestrelli / Januar 2012

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.