Der Lord der sieben Meere

Interview mit Peter Lord zu Die Piraten! Ein Haufen merkwürdiger Typen

Mitte der 70er gründete Peter Lord mit Freunden die Aardman-Studios in einem Hinterhofgebäude - heute sind seine hinreißenden Plastilinfiguren internationale Filmstars. SKIP traf den charmanten Briten zum Exklusiv-Talk.

SKIP: Wie sind Sie auf die Geschichte für diesen Film gekommen?

Peter Lord: Vor etwa sechs Jahren ist mir zufällig Gideon Defoes Buch in die Hände gefallen, The Pirates! in an Adventure with Scientists (Die Piraten! in einem Abenteuer mit Wissenschaftlern). Ich hab mir sicher schon hunderte Bücher mit dem Gedanken an eine mögliche Verfilmung angesehen, aber keins war in diese Richtung interessant. Aber dieses hat mich so gepackt mit seinem brillanten Witz, ich wusste sofort, das muss ich machen.

SKIP: In diesen wenigen Jahren hat die rasante technische Entwicklung es ermöglicht, dass Piraten! einer der spektakulärsten Aardman-Filme bisher geworden ist.

Peter Lord: Ja, ohne CGI und ohne Digitaltechnik hätten wir das nie so hingekriegt. Was mich überrascht hat, ist, wie einfach die 3D-Technologie einzusetzen war, das hat den Arbeitsprozess kaum beeinflusst.

SKIP: Wie ist Ihre Haltung zur Computertechnik überhaupt? Sind Sie ein Old schooler, der das alles Neue verachtet, oder haben Sie längst Ihren Frieden damit gemacht?

Peter Lord: Ich gebe zu, es gibt viele von uns, die das Material Film lieben. In unserem Studio stehen wahrscheinlich 40 35-mm-Kameras in bestem Zustand herum, die noch ein halbes Jahrhundert funktionieren würden - und keiner will sie mehr, das sind jetzt Antiquitäten. Wir sind auf digital umgestiegen, und nach einem kurzen nostalgischen Moment finde ich diese Technologie nun wunderbar. Sie macht meinen Job so viel einfacher. Wenn etwas schiefgeht, kann man es sofort richten. Damals, wenn am Set was passiert ist, sich der Hintergrund bewegt hat, was umgefallen oder das Licht ausgegangen ist, das war ein Albtraum! Oder als wir Chicken Run gemacht haben, da haben wir die Flugzsenen mit Nylonfäden gedreht - extrem mühsam. Jetzt habe ich Polly, den Dodo, einfach auf ein Drahtgestell gesetzt, das wir dann digital ausradiert haben. Das war sehr befreiend! Wir haben jetzt bei Aardman ein großes Visual-Effects-Team, und was die alles können, ist großartig. Ein bewegtes Meer, Wolken, Explosionen, Staub ... all das hatten wir vorher nicht.

SKIP: Mr. Lord, bei meinem Besuch der Aardman Studios ist mir aufgefallen, dass ich noch nie glücklichere Menschen bei der Arbeit gesehen habe ...

Peter Lord: Vermutlich gabs grad was Gutes in der Kantine. (lacht) Für mich ist extrem wichtig, unter welchen Umständen Animation gemacht wird. Ich glaube einfach, man spürt den Spirit auf der Leinwand. Bzw. hoffe ich das zumindest, weil deshalb machen wir nun mal die Dinge so, wie wir sie eben machen.

Interview: Kurt Zechner / Juli 2011

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.