Pirat privat

Interview mit Hugh Grant zu Die Piraten! Ein Haufen merkwürdiger Typen

Kaum jemand ist unpiratenhafter als Hugh Grant, der bislang vor allem als verschroben-verknallter Vorzeigebrite in romantischen Komödien sein Unwesen trieb. Genau das will er aber nie mehr wieder tun - viel lieber fährt er Autorennen und lacht über den Humor aus dem Hause Aardman. Ein SKIP-Interview mit der Originalstimme des Piratenkapitäns.

SKIP: Wie haben Sie Ihren inneren Piraten gefunden?

Hugh Grant: Ich hab das Script gelesen, die Puppe des Piratenkapitäns genau angeschaut und versucht, eine Stimme zu finden, die genau dazupasst. Bei computergenerierter Animation wird ja oft die Figur dem Sprecher angepasst, sodass man vielleicht ein wenig von Tom Hanks oder Will Smith oder wem auch immer darin erkennen kann. Aber die Aardmans sind old school, also muss man sich da eben der Puppe anpassen. Ich war mir nicht ganz sicher ob das hier funktionieren kann, weil der Piratenkapitän und ich physisch so verschieden sind, er ist ein breiter Mann mit einem großen Bart, und ich … naja, schauen Sie mich an! Aber Peter Lord wollte auf keinen Fall typische Piratenstimmen, kein Yarrrrrrr und so Zeugs. Ich musste meine Stimme also erst finden. Aber dieser ungemein alberne, auf clevere Weise kindische Humor bei Aardman ist genau meine Kragenweite.

SKIP: Waren Sie nervös, als Sie im Studio das erste Mal zum Mikrofon gingen?

Hugh Grant: Naja, anfangs war ich ziemlich frustriert. Daheim hatte ich mir den Text selbst laut vorgelesen und fand mich echt brillant. Als ich dann ins Aardman-Studio kam, etwas eingeschüchtert weil die ja ziemlich legendär sind, hat mir Peter Lord eine ausführliche Einführung gegeben in die Figur. Dabei war ich eigentlich der Meinung, ich würde das gar nicht brauchen. Ich wollte nur loslegen, aber als ich endlich dran war, den Mund aufzumachen, kam da nur ein nervöses Quieken raus. Furchtbar! Außerdem gab es da einen technischen Unterschied: Daheim in meiner Küche habe ich ein wundervolles Echo, da konnte ich meine Stimme piratenhaft donnern lassen, aber im Tonstudio sind die Wände so beschaffen, dass es überhaupt kein Echo gibt, und auf einmal klang ich dünn und fad. Aber es half wirklich, dass die Originalfigur des Piratenkapitäns die ganze Zeit bei mir saß, ich schaute ihn immer wieder an. Er inspiriert mich wirklich, besonders sein Bart. Allein schon das Wort: Baaarrrt, damit finde ich schon in die Figur rein.

SKIP: In manchen Interviews haben Sie schon gesagt, Sie würden nie wieder Schauspielen wollen, dann macht es Ihnen offenbar doch wieder Spaß. Wie ist es jetzt gerade?

Hugh Grant: Aaach. Ich habe in den letzten drei Jahren sehr wenig gemacht, was mir extrem gut gefällt. Ich habe überhaupt kein brennendes Verlangen danach, loszugehen und zu spielen. Ich mag allerdings interessante Projekte. Einen Film zu machen wäre interessant, also zu schreiben und Regie zu führen. Und ich habe eine neue Leidenschaft für Autos, auch das ist interessant für mich. Aber ich war nie ein Schauspieler der Sorte, die unbedingt spielen müssen, weil sie sonst zugrunde gehen: "Bring mich zurück ins Theater, Darling, ich MUSS spielen!" Das habe ich einfach nicht.

SKIP: Was ist das für eine neue Autoleidenschaft?

Hugh Grant: Das ist eigentlich fast zu peinlich, um darüber zu sprechen. Es ist offensichtlich ein Symptom der Midlife-Cristis: Autorennen. Ich gehe auf Autorennreisen, ich lasse mir beibringen, wie man da fahren muss, und wenn ich jetzt ins Bett gehe, lese ich auf meinem iPad alles darüber, wie Kurbelwellen funktionieren oder Bremsen. Es ist seltsam, keine Ahnung woher dieses Interesse kommt.

SKIP: Und gibt es konkrete Pläne für einen eigenen Film?

Hugh Grant: Nun, ich habe eine Menge Ideen, aber ich muss doch erst einige andere Dinge abschließen, und dann will ich mich wirklich darauf konzentrieren, wenn endlich einmal nicht den ganzen Tag mein Telefon läutet. Das einzige, was mich wirklich glücklich macht, ist Kreativität - aber Schauspielerei ist auf der Liste der Dinge, die ich machen will, ganz, ganz unten. Und was ich definitiv nicht mehr spielen will, ist der schrullige, zerrupfte, verliebte Engländer. Das war ich wirklich oft genug.

Interview: Magdalena Miedl / Januar 2012

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