Business fürs Leben

Interview mit Mark Wahlberg zu Contraband

Mark Wahlberg ist nicht nur ein bekannter Schauspieler. Hinter den Kulissen Hollywoods ist er ein äußerst erfolgreicher Player und mischt als Produzent in einigen der erfolgreichsten Projekte dieser Tage mit. SKIP hat er in Berlin erzählt, was ihm heute wichtig ist.

SKIP: Du hast deinen neuen Film Contraband auch produziert. Ist das eine Methode, dir selbst gute Rollen zu verschaffen?

Mark Wahlberg: Wenn du auf gute Rollen wartest, kannst du lange warten. In unserer Branche muss du aggressiv gute Stoffe unter deine Kontrolle bringen. Wenn die bei uns von einem guten europäischen Film Wind kriegt, ziehen sofort sämtliche Wölfe los und reißen sich um den Stoff. Es gibt unüberschaubar viele Leute, die am Weltmarkt guten Stories hinterherlaufen und versuchen, die Rechte zu kaufen. Da muss man auf Zack sein. Die unabhängige europäische Filmszene birgt am ehesten interessantes Material. Hollywood ist derzeit ein wenig uninspiriert.

SKIP: Contraband ist doch eindeutig amerikanisches Entertainmentkino. Betrachtest du dich und deine Arbeit nicht als Teil von "Hollywood"?

Mark Wahlberg: Ja … weißt du was: Ich liebe Hollywood. Aber ich liebe auch meine Privatsphäre, meine Familie ist mir wichtiger als meine Arbeit … und ich sollte eigentlich überhaupt nicht an irgendwas herumkritisieren angesichts all des Glücks, das ich in meinem Leben gehabt habe. Von dort, wo ich herkomme, hierhin zu kommen, wo ich heute bin, ist wirklich außergewöhnliches Glück.

SKIP: Aber wie jeder andere in Hollywood versucht du, mit deinen Filmen möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften …

Mark Wahlberg: Natürlich, klar. Wenn du Filme selbst produzierst, bist du immer an erster Stelle Produzent und denkst wie ein Businessman: Du musst Filme machen, die finanziell erfolgreich sind. Sonst kannst du deinen Job bald nicht mehr weitermachen. Sehr viele Leute haben zwar einen Oscar bekommen, aber schon lange keinen Job mehr. Außerdem liebe ich den geschäftlichen Aspekt am Filmemachen genauso sehr wie den kreativen. Das Produzieren hat sich bei mir ganz natürlich entwickelt, dank meines Talents, Dinge zu managen. Ich kann Leute gut dazu anspornen, ihr Bestmögliches zu geben. Dafür zu sorgen, dass andere zeigen können, was sie draufhaben, empfinde ich als eine sehr befriedigende Erfahrung.

SKIP: Contraband steckt voller moralischer Fragestellungen. Helden, die stehlen … steckt da mehr dahinter?

Mark Wahlberg: Ich bin damit groß geworden, dass man zu den bösen Jungs hält. Das war immer so. Typen wie James Cagney oder Steve McQueen … Typen, mit denen ich mich identifizieren konnte, die mich an meinen Vater erinnerten … das waren meine Helden.

SKIP: In Contraband sehen wir einen mit Flaggen des globalen Bank-Giganten HSBC übersäten Stadtteil von Panama. Hängt dieser Shot mit dem Thema des Films zusammen? Ja. Aber es war nicht meine Entscheidung, dass der Shot da drin ist.

Mark Wahlberg: SKIP: Du bist auch Produzent von Martin Scorseses mit Preisen überschütteter TV-Serie Boardwalk Empire. Warum spielst du nicht mit?

Mark Wahlberg: Ich bin fast lieber hinter als vor der Kamera tätig. Ich habe irgendwann kapiert, dass den unscheinbaren Anzug-Typen alles gehört und sie alles entscheiden. Und ich dachte: Diese Art von Typ will ich sein. Karrieren können sehr kurzlebig sein. Aber eine Geschäftstätigkeit, ein Business, das kann dir ein Leben lang erhalten bleiben. Das kannst du auch an nachfolgende Generationen weitergeben. Berühmt zu sein war gut, als ich jung und Single war. Damals kam ich nach Deutschland, um Mädchen kennenzulernen. Aber diese Tage sind vorbei. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Ich brauche nicht mehr berühmt sein.

SKIP: Wieviel hat Contraband mit deiner eigenen wilden Jugend zu tun?

Mark Wahlberg: Ich glaube, dass viel Authentizität in meiner Rolle steckt, und klar bringe ich meine Erfahrungen mit ein, wenn ich eine Rolle spiele. Manche Schauspieler sind darin ausgebildet, Emotionen oder Zustände zu erzeugen. Mir fällt es leichter, aus etwas Realem zu schöpfen.

SKIP: Wird es jemals wieder einen Marky-Mark-Song geben?

Mark Wahlberg: Ich habe gerade einen Film gemacht, Ted, in dem ich tanzen und singen musste, und das hat mich total angefuckt. Den Film finde ich super. Es ist das Regiedebüt von Family Guy-Erfinder Seth MacFarlane. Seth ist ein extrem witziger und verrückter Typ. Aber das Singen und Tanzen war mir unangenehm. Ich finde es immer ein wenig peinlich.

SKIP: Stimmt es, dass du dir ein Tattoo entfernen hast lassen?

Mark Wahlberg: Ja. Ich lasse sie alle entfernen. Das ist sehr schmerzhaft. Es ist eine Sache von ein paar Bier und wenigen Stunden, dann hast du so ein Tattoo. Aber es dauert Monate und dutzende Laserchirurgie-Sitzungen, bis du sie wieder los bist.

Interview: Kurt Zechner / Februar 2012

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