Otto, der Große

Interview mit Götz Otto zu Iron Sky

Als aufrechter Nazi hinterm Mond sorgt Schauspiel-Hüne Götz Otto (Die Wanderhure, Der Morgen stirbt nie) in Iron Sky für gepflegte Lacher. SKIP taf den versatilen Sympathieträger in Berlin.

SKIP: Iron Sky ist ein sehr schräges Projekt, das schon lang vor seiner Fertigstellung Schlagzeilen gemacht hat. Wieviel Spaß hat es Ihnen gemacht, da dabeizusein?

Götz Otto: Sehr viel. Man bekommt nur sehr selten die Gelegenheit, es so weit treiben zu können. Der Dreh war allerdings etwas chaotisch - vielleicht kann man das ja "kreatives Chaos" nennen (lacht).

SKIP:Sie haben nun schon ein paar Mal "den Nazi" gespielt …

Götz Otto: Ja, aber diesmal war es das erste Mal, dass ich einen Nazi spiele, der definitiv kein Mensch ist, sondern eine Abziehfigur. Ein Schubladen-Nazi, der noch dazu in der untersten Schublade zuhause ist. Und das ist lustig, weil man ohne Genierer ausprobieren kann, wie weit man gehen kann. Bei Schindlers Liste als SS-Mann in Polen Statisten durch die Gegend zu scheuchen ist mir viel schwerer gefallen, als bei so einer Satire das Arschloch zu geben.

SKIP: So bizarr die Story von Iron Sky sein mag, sie beruht auf einem kleinen wahren Kern: Die Nazis betrieben wirklich recht ernsthafte Raumfahrts-Versuche …

Götz Otto: Ja, bis 1936 gabs ein Raumfahrtprogramm, und aus dem heraus ist ja sogar die V2 entstanden. Und es gibt einige Leute, die der festen Überzeugung sind, dass es die Nazis wirklich bis in den Weltraum geschafft haben. Hoffentlich bleiben sie da (lacht).

SKIP:Herr Otto, Ihre Filmographie könnte bunter kaum sein. Haben Sie vor gar nichts Angst?

Götz Otto: Ich mach nicht alles, aber ich probiere gern viel aus. Vor allem habe ich eine große Familie, die ernährt werden will (lacht). Wenn man als Schauspieler über 1.95 m groß ist, ist das Rollenangebot limitiert. Seit ich in Der Morgen stirbt nie den Bond-Bösewicht war, mach ich relativ viel international, darüber bin ich sehr froh. In Deutschland alleine würde ich wahrscheinlich nicht satt werden. In letzter Zeit produzieren ja auch viele Amerikaner hier, und wenn z. B. der Tom Cruise nach Deutschland kommt, dann wird kategorisch nur unter 1.80 m gecastet.

SKIP: Stimmt es, dass Sie ursprünglich gar nicht Schauspieler werden wollten?

Götz Otto: Ja, ich war früher Ruderer, und dachte immer, mein Leben muss geradeaus gehen. Schauspielerkarrieren gehen aber nie geradeaus (lacht). Dann bekam ich ein Buch über Schauspielschulen in die Hand, und das fand ich toll. Ich wollte diese Ausbildung machen! Ich dachte, das ist eine Schule fürs Leben, diese Sachen, die in dem Buch alle beschrieben werden. Und so bin ich da reingekommen.

Interview: Gini Brenner / Februar 2012

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