Der Kier-Faktor

Interview mit Udo Kier zu Iron Sky

Ein Auftritt von Udo Kier ist für Filme sowas wie das Bio-Siegel für Lebensmittel - ein Qualitätsmerkmal für Kenner. SKIP wurde in Berlin zur Exklusiv-Audienz gebeten und durfte wieder mal feststellen: Keiner ist so entspannt exaltiert wie König Udo.

Udo Kier: Reden Sie, fragen Sie! Ich muss nur meinen neuen Anzug angucken … (hält einen grauschimmernden Zweiteiler ins Licht).

SKIP: Haben Sie den gerade gekauft?

Udo Kier: Neeein, den hab ich bekommen, nicht gekauft. Von Hugo Boss. Shiny grey, wunderbar! … und Sie sind aus Wien?

SKIP: Ja!

Udo Kier: Ach, herrlich. Wien ist ja meine Entdeckungsstadt, ich habe den ersten Film meines Lebens hier gedreht: Schamlos. Als Boss der Wiener Unterwelt, ein Kultfilm. So wie Hexen bis aufs Blut gequält. Schamlos … jaja (seufzt).

SKIP: Wie fühlt man sich, wenn man in der Früh aufsteht, und das erste, was man sieht, ist Udo Kier?

Udo Kier: Also aufstehen mach ich ja, sehr früh sogar, aber in den Spiegel schaue ich so gut wie nie. Außer beim Rasieren, allerdings kann ich das mittlerweile auch ohne Spiegel. Wenn man so wie ich als junger Mann so gut ausgesehen hat, dann ist ein Blick in den Spiegel eher deprimierend. Und warum sollte ich mich jeden Morgen deprimieren? Dann schneide ich mich lieber beim Rasieren und blute ein bisschen.

SKIP: Ihr Gesicht ist immer noch sehr gefragt - alleine im letzten Jahr haben Sie gleich mehrere Filme gedreht.

Udo Kier: Ja, ich musste so viel machen, weil ich so viele gute Projekte angeboten bekam! Vom Papst bis zum Nazi auf dem Mond hab ich in einem einzigen Jahr alles gespielt, ist doch eine schöne Bilanz (lacht). Iron Sky war ein hochinteressantes Projekt, sehr außergewöhnlich und lustig. Ich freue mich, dass der überall so gut ankommt.

SKIP: Sie haben seit längerem keine Hauptrolle gespielt, Ihre Spezialität sind vor allem kleinere, aber sehr markante Parts.

Udo Kier: Es ist viel besser, kurz aufzutreten, und etwas zu machen, was dem Publikum wirklich in Erinnerung bleibt. Wenn ich ein Drehbuch bekomme, lese ich zuerst mal nur meine Rolle. Dann erst das ganze Buch - und wenn die Geschichte bestehen kann ohne meine Rolle, dann muss ich es nicht machen. Und manchmal geht das gut, manchmal geht das nicht gut.

SKIP: Mittlerweile leben Sie auf Ihrer Ranch in Californien, sind versorgt und können sich Ihre Parts  aussuchen - aber sicher gabs auch in Ihrer Karriere mal Durststrecken?

Udo Kier: Aber natürlich hatte ich auch Zeiten, wo ich einige Jahre vom Arbeitsamt gelebt habe. Da habe ich mich aber nicht geschämt deswegen. Ich hatte es ja eingezahlt. Außerdem ist das eine gute Sache. Man muss Tiefen erlebt haben, um bei den Höhen gut zu sein.

Interview: Gini Brenner / Februar 2012

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