Der unglaubliche Mr. Smith

Interview mit Will Smith zu Men in Black 3

Eine schwierige Kindheit, eine jahrzehntelange Hollywood-Karriere, zwei halbwüchsige Kids im Haus, tausende Gerüchte um sein Privatleben - trotz allem bleibt Will Smith der ewige Lausbub mit den Segelohren, den man einfach gern haben muss. Beim SKIP-Talk in Cancun erzählte er freimütig über Kino-Gefühle, Kindererziehung und Mutterwitz.

SKIP: Wenn Sie sich wie Agent J in die Vergangenheit versetzen könnten - wo würden Sie da am liebsten landen?

Will Smith: Tja, eigentlich läuft es für uns Schwarze in der Gegenwart bisher so ziemlich am besten (lacht). Ich schaue nicht so gern zurück. Aber wenns unbedingt sein müsste, dann ins alte Ägypten. Ich würde gern wissen, wie das mit den Pyramiden wirklich war.

SKIP: In Men in Black 3 bekommen Sie es gleich mit zwei Versionen von Agent K zu tun. Wie war die Arbeit mit Josh Brolin, der die junge Version von Tommy Lee Jones spielt?

Will Smith: Wenn man mit jemandem länger zusammenarbeitet, so wie Tommy und ich, dann entwickelt sich da eine gewisse Chemie. Das ist wie bei einem Liebespaar - anfangs tapst man noch irgendwie herum, bis man immer mehr aufeinander eingespielt ist. Ja, und dann hat man auf einmal eine neue Freundin und muss wieder ganz von vorn anfangen (lacht). Aber bei Josh wars wirklich schräg - er hatte die gleichen Vibes wie Tommy, den selben Rhythmus. Von Tag eins an. Es gab nichts bei ihm, auf das ich mich hätte neu einstellen müssen.

SKIP: Der dritte Teil von Men in Black ist ein bisschen emotionaler als die vorigen beiden.

Will Smith: Ja, das stimmt. Meine Tochter Willow macht das mit mir. Sie ist ein Mensch, der sofort spitzkriegt, wenn man seine wahren Gefühle verbirgt. In ihrer Gegenwart kann man einfach nicht den harten Mann spielen (lacht).

SKIP: Apropos Willow: Jedes Mitglied der Familie Smith scheint geradezu zwangsläufig eine erfolgreiche Showbiz-Karriere zu machen …

Will Smith: Ja, es ist ziemlich spannend zur Zeit - und die Kinder lieben es. Gerade drehe ich gemeinsam mit Jaden an After Earth, dem neuen Film von M. Night Shyamalan … es ist das Familien-Business. Unser Business (lacht). Aber Jada und ich haben immer nach einem ganz wesentlichen Erziehungsprinzip gehandelt: dem der persönlichen Freiheit. Wir sind dazu da, unseren Kindern dabei zu helfen, die zu werden, die sie sein wollen - und nicht, um sie dazu zu zwingen, so zu werden, wie wir sie haben wollen. Es ist eine gute Basis, wenn man einem Zweijährigen erlaubt, die Wände seines Zimmers zu bemalen, wenn er sie bemalen will. Warum auch nicht? Es ist sein Zimmer, und man streicht ja sowieso alle paar Jahre mal drüber. Oder einer Neunjährigen zu erlauben, ihre Haare abzuschneiden, wenn sie das will. Es sind ihre Haare. Meine Haare sind allerdings Tabu (lacht). Aber so bekommen sie ein Gefühl der Verantwortung und Selbstbestimmung, und das ist gerade im Showbiz recht förderlich.

SKIP: Jada und Sie sind beide sehr erfolgreich. Haben Sie da gar keine Angst, dass Ihre Kinder irgendwann mal das Gefühl haben, immer in Ihrem Schatten zu stehen?

Will Smith: Ach, als Eltern kann mans sowieso nur falsch machen. Egal, was wir tun, es wird irgendwann mal zum Problem werden (lacht). Schauen Sie, ich bin mitten in Philadelphia aufgewachsen. An einem schönen Sommernachmittag habe ich zusehen müssen, wie ein Typ mit neun Schüssen niedergestreckt wurde. Wir haben daneben gerade Basketball gespielt. Meine Eltern haben das wahrscheinlich ziemlich problematisch gefunden.

SKIP: Also ist für Sie das Showbiz eigentlich eine sehr sichere Umgebung, um Ihre Kinder darin aufwachsen zu lassen? Normalerweise gilt die Entertainment-Welt ja als nicht gerade kinderfreundlich …

Will Smith: Ja, tatsächlich! Für mich ist das Showbusiness viel, viel sicherer als die Welt, in der Jada und ich aufgewachsen sind. Und wenns nur deshalb ist, weil es eine Welt ist, die wir wirklich gut kennen. Aber es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg, Kinder großzuziehen.

SKIP: Was machen Sie persönlich denn, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren?

Will Smith: Ich versuche immer, das zu tun, was sich für mich gerade am besten anfühlt. Ich habe eine Liste mit Ideen, Konzepten und Gedanken, um meinen Schädel immer mit etwas Positivem, Sinnvollen beschäftigen zu können. Auch wenn ich mich dazu zwingen muss. Sie würden überrascht sein, wie leicht das ist, wenn man sich mal dran gewöhnt hat. Ich lehne negative Gedanken einfach ab.

SKIP: Wenn Ihnen was Schlimmes passiert, ignorieren Sie es einfach?

Will Smith: Neinnein, nicht ignorieren, das nicht. Ich meine, es werden immer schlimme Dinge passieren, das kann man nicht ändern. Aber auch schlechte Erfahrungen haben immer zwei Seiten. Die Problemseite und die Lösungsseite. Und sich mit der Lösung zu beschäftigen, ist einfach sinnvoller und produktiver, als sich zu ärgern. Wissen Sie, meine Mutter hat z. B. schwere Diabetes. Sie mussten ihr ein Bein abnehmen. Da könnten wir ewig drüber reden, wie furchtbar das ist, und weinen. Oder wir nehmen es einfach, wie es ist: Das Bein ist ab. Was machen wir jetzt? Nachwachsen wird es nicht mehr. Also, was könnte daran komisch sein?

SKIP: Ähm, es fällt mir trotz allem positiven Denken schwer, mir vorzustellen, welchen Witz man da machen könnte …

Will Smith: (lacht) Als man sie in den OP geführt hat, habe ich zu ihrem Arzt gesagt: "Hey Doc, ich weiß, sie wird jetzt ein Bein verlieren. Aber ich kenne da einen Typen namens Rick Baker (der mehrfach oscargekrönte MIB-Make-up-Artist, Anm), der kann da in Windeseile was Neues, Cooles dranbasteln!" Der Arzt hat mich angesehen wie einen Außerirdischen. Und meine Mutter meinte nur: "Du bist so ein dummer Bub!"

Interview: Gini Brenner / April 2012

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