Frau für Härtefälle

Interview mit Noomi Rapace zu Prometheus - Dunkle Zeichen

Nach ihrer Rolle als Lisbeth Salander in der Millennium-Trilogie kann sie nicht mehr viel erschüttern, sollte man glauben? Weit gefehlt, ein Ridley-Scott-Dreh ist schließlich kein Kindergeburtstag! Im SKIP-Interview erzählt Noomi Rapace von Gummi-Tentakeln, Albträumen und Blutergüssen.

SKIP: Alle reden über die Szene mit der Krake in Prome­theus - die ist ja wirklich heftig. Wie war das beim Drehen?

Noomi Rapace: Arg. Vor dieser Szene hatte ich ja schon im Vorfeld am meisten Angst. Ich habe zuvor noch nie SciFi gemacht und noch nie einen Film gedreht, der nicht auf der Erde spielt. Und davor, mir das alles vor dem Greenscreen irgendwie vorstellen zu müssen, hab ich mich total gefürchtet. Aber dann gabs keinen Greenscreen! Im ganzen Film drehten wir überhaupt nur vier, fünf Greenscreen-Szenen, der Rest war komplett nachgebaut. Es war alles sehr, sehr realistisch. So wie mein "Baby", die kleine fiese Krake, die war aus Gummi und elektronischen Steuerteilen und noch viel mehr, aber für mich war sie verstörend echt. Sie hat mich ziemlich beschäftigt. Mindestens eine Woche lang hatte ich auch ganz verrückte Albträume dadurch.

SKIP: Geht Ihnen das öfter so, dass eine Rolle Sie derart beschäftigt?

Noomi Rapace: Ja, immer. Früher war es noch schlimmer, denn da habe ich prinzipiell gedacht, dass ich alles aus eigener Erfahrung kennen muss, was meine Figuren erleben. Wenn ich beispielsweise eine Mutter spielen sollte, wollte ich genau wissen, wie sich das anfühlt, Mutter sein. Oder wenn ich eine Alkoholikerin darstellen sollte, dann musste ich mich vorher zumindest einmal ordentlich betrinken (lacht), so ungefähr. Aber wenn ich zum Beispiel einen Killer spiele, dann geht das nicht mehr. Ich kann ja schwer wirklich jemanden umlegen. Ich musste also lernen, meine realen Erfahrungen irgendwie filmisch in die jeweilige Figur zu übersetzen.

SKIP: Ist Ihnen die Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw irgendwie ähnlich?

Noomi Rapace: Ja und nein (lacht). Elizabeth Shaw darzustellen, war das größte Geschenk, das ich bekommen konnte. Ich habe es genossen, in ihren Schuhen stecken zu dürfen. Sie ist wahrscheinlich die zerstörteste, zerrüttetste, verlorenste Seele, die ich je gespielt habe. Und ich habe schon viele gebrochene Herzen und aus der Bahn geworfene Charaktere dargestellt. Aber sie ist stark und hat Standvermögen, ich liebe das, und das zornige, streitsüchtige Girl steht mir wiederum ziemlich nahe.

SKIP: Ridley Scott gilt ja als waschechter Kino-Macho - andererseits hat er mit Figuren wie Ripley in Alien oder Thelma & Louise auch durchaus starke Frauenfiguren geschaffen …

Noomi Rapace: Ridley hat mir irgendwann erzählt, dass seine Mutter eine sehr starke Frau war und er so erzogen wurde. Was ich an Ridley so mag, ist, dass er keinen großen Unterschiede zwischen Männern und Frauen macht. Ich würde fast sagen, er ist ein Feminist. Er hat mit mir diesen Charakter geatmet, gedacht, gelebt. Ich musste teilweise halbnackt, nur in Unterwäsche spielen und ich hatte nie den Eindruck, dass er mich als Mann ansieht. Er war eher in mir drinnen und hat sich in mich hineinversetzt. Er sieht den Film durch Elizabeths Augen.

SKIP: Wie haben Sie sich eigentlich körperlich auf die Rolle vorbereitet?

Noomi Rapace: Ich habe zwei Monate lang jeden Tag mit einem Trainer gearbeitet. Ich habe ihm gesagt, ich möchte einen Körper wie eine Katze haben. Wie ein Tier. Weil Tiere keine Eitelkeit kennen. Sie tun etwas nicht, weil sie dabei toll aussehen, sondern weil es gerade notwendig ist. Ich wollte meinen Körper auch dorthin bringen. Und die Figur, die ich spiele, hat sich ja auch auf ihre Mission vorbereiten müssen. Es ist nicht einfach, ins Weltall zu fliegen, man muss körperlich gut drauf sein.

SKIP: In einer Szene sieht man ganz deutlich große blaue Flecken auf Ihrem Bein. Waren die echt?

Noomi Rapace: Ja, sowas passiert mir regelmäßig bei der Arbeit, ich tu mir ständig weh. Beim ersten Pressetermin nach dem Dreh hab ich die Make-up-Leute gebeten, nicht nur das Gesicht, sondern auch mein Knie zu schminken, weil es ganz blau war (lacht). Und am Set in Island bin ich mehrmals gestolpert und mit dem Ellenbogen auf die scharfen Felsspitzen hingefallen.

Interview: Gini Brenner / Mai 2012

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